Die Geschichte hinter meiner Krankheit bzw. den Symptomen- wie alles begann und was ich daraus gelernt habe (und noch immer lerne)
Aktualisiert: 7. Juli

Kurz vorweg: Ich erzähle hier meine Geschichte der letzten 1,5 Jahre. Meine Erfahrungen, keine Heilversprechen oder ärztlicher Rat. Wenn Du inspiriert bist, sprich mit einem Arzt oder Therapeuten darüber. Es ist nicht perfekt chronologisch sortiert, nicht perfekt ausformuliert und wahrscheinlich auch etwas chaotisch und durcheinander- aber das spiegelt genau das wieder, was in mir los war- pures Chaos an allen Ecken und Enden. Und das Chaos ist auch noch nicht beseitigt- aber es wird lichter. Ich kann Gedanken oft zu Ende denken- bzw. muss man fast sagen, ich kann überhaupt denken. Denn auch das ging lange einfach nicht. Lest also gern mit, wenn ihr etwas über meinen Weg lesen wollt und Mitgefühl für Nicht-Perfekt-Sein aufbringen könnt. Ich freue mich über jeden, den es berührt und der vielleicht dadurch sogar etwa mehr Verständnis für Familie, Freunde und Bekannte mit ähnlichen Themen aufbringen kann.
Triggerwarnung: Ich spreche hier von einer Menge Symptomen, die ich habe oder hatte. Wenn Du also gerade ängstlich bist, dann überleg Dir, weiterzulesen. Denn- Deine Amygdala hört mit und im Zweifel hast Du plötzlich Angst vor meinen Symptomen, nur weil Du sie gelesen hast. Wenn Du gut darin bist, Dir diese fremden Schuhe nicht anzuziehen, kannst Du auf eigene Gefahr weiterlesen :)
Oktober 2024
Es war der 1.10.2024. Warum ich das noch genau weiß? Weil ich dachte, ich muss sterben und kein Arzt hatte offen. Feiertag. Mein ganzer Körper spielte verrückt. Was war passiert? Ich konnte es mir nicht erklären.
Im Nachgang kann ich es nun etwas besser, auch wenn man bestimmte Dinge nie wissen wird sondern sie nur erahnen kann. Aber sie helfen mir, mich nicht mehr ganz so ausgeliefert zu fühlen wie ich mich zu Beginn meiner Erkrankung fühlte- da war das Wasser schon sehr sehr kalt.
Meine 2. Tochter war gerade 6 Monate alt und noch sehr auf mich bzw. uns als Eltern angewiesen. Ich war in Elternzeit zu Hause und habe mich auf diese Zeit wirklich sehr gefreut. Doch irgendwann plötzlich hatte ich das Gefühl, das Leben ist unfassbar kompliziert geworden, es ist kaum noch etwas von einem übrig, man funktioniert nur noch für die Kinder und das eigene Nervensystem ist am Limit. Mein Kopf hörte sich gar nicht mehr auf zu drehen, um all die To-Dos, die Dinge, die man am Tag zu erledigen und vorzubereiten hatte, die Zeit mit den Kindern gewinnbringend zu verbringen, dass sich auch alle gesehen und geliebt fühlen. Trotzanfälle und Schreiattacken bedürfnisorientiert zu begleiten und auch dem ersten Kind genug Aufmerksamkeit zu schenken. Ich schlief kaum noch, und wenn, dann war an Tiefschlaf nicht zu denken. Sobald irgendein rascheln ertönte, schreckte ich auf.
"Alles normal", dachte ich. Das erste Babyjahr ist nun mal sauanstrengend- zumindest war es das schon beim ersten Kind für mich. Rückblickend bin ich auch nie so richtig in der neuen Rolle als Mutter angekommen, zuviel hat mich noch an meinem alten, freien Leben gehalten, was ich auch nicht aufgeben wollte. Nicht nur Tätigkeiten, auch bestimmte Einstellungen und Bilder, wie ich mich selber wahrnehmen wollte.
Und ich hatte dennoch Spaß im Leben- ich habe mich mit Freundinnen getroffen, habe Dinge ohne Kinder erleben können, weil mein Mann und ich uns da sehr gut abwechseln, habe viel gelacht. Aber diese To-Dos in meinem Kopf, von denen ich meinte, sie sind so wichtig, dass ich sie nicht vergessen darf und ich sie abarbeiten muss, haben mich buchstäblich fast gekillt.
Ich wurde jedenfalls morgens wach mit Pulswerten von 100, Kreislaufproblemen, Schwindel, Kribbeln auf einer Gesichtshälfte, ein sich schwach anfühlender linker Arm, ein "Surren" im ganzen System- mir ging es so richtig, richtig körperlich schlecht. Wir fuhren also in die Notaufnahme, ich wurde von den behandelnden Ärzten wirklich super gut und empathisch durchgecheckt und es kam raus- nichts. Alle Werte super, alles im Normbereich. Dass der Normbereich ja vielleicht gar kein guter Bereich war, war mir zu dem Zeitpunkt gar nicht richtig bewusst. Und dass manche Werte, die meine Symptome auch auslösen könnten, gar nicht gemessen werden, erst recht nicht.
Ich sollte beim Hausarzt in der darauffolgenden Woche bitte dennoch einmal Langzeit-EKG und Langzeit-Blutdruck machen und den Vitamin-Status überprüfen lassen.
Ich ging also nach Hause, mein Körper hatte sich auch schon wieder etwas beruhigt, und versuchte den Tag so gut es eben ging zu Ende zu bringen. Gleichwohl war mir immer noch irgendwie komisch.
Am nächsten Tag war ich mit einer Freundin verabredet, welche mich mit ihrem Sohn besuchte. Es war ein ruhiger, aber wirklich richtig schöner Tag ohne große Probleme.
Am nächsten Morgen ging der ganze Mist wieder von vorne los. Ein Samstag, jeah. Aber da ja schon bei der ersten Vorstellung in der Notaufnahme nichts rauskam, erschien es für mich auch sinnlos, da nochmal hinzufahren- sie Symptome waren die gleichen und schon beim ersten Mal waren es weder Herzinfarkt noch Schlaganfall (was an sich auch erstmal beruhigend ist).
Dieser Tag sollte nicht der letzte mit diesen Symptomen sein. Es war einfach nur ein erneuter Tag mit Symptomen, die mich aus dem Leben warfen und die mich am Leben kaum noch teilhaben ließen. Langzeit-EKG und Blutdruck zeigten "nichts Auffälliges", außer über den Tag und Nacht verteilte Ruhepulsspitzen bis um die 100.
Auch mein Vitamincheck hat nichts Auffälliges ergeben. Zumindest in der Hausarztpraxis nicht.
Zu dem Zeitpunkt war ich viel im Wald unterwegs, soweit es ging, war viel draußen und in Ruhe. Zu dem Zeitpunkt konnte ich noch Hörbücher oder Musik hören und konnte mir in dieser Zeit etwas Wissen zu Angststörungen und weiteren Werkzeugen aneignen, von denen ich dachte, dass sie mich bei meiner Heilung unterstützen könnten (Ausblick: Haben sie auch, aber in der Phase wollte ich wieder mehr, als mein Körper eigentlich leisten konnte. Aber das wusste ich nicht).
Den Großteil des Tages verbrachte ich alleine auf der ersten Etage bei Meditationen oder im Bett, während meine Mutter meine kleine Tochter versorgte. Die innere Unruhe war immer da und ich hatte keine Ahnung, wo sie herkam geschweige denn, wie ich sie wieder loswerde- ich bin an sich wirklich nicht unbedingt ein ängstlicher Typ gewesen und plötzlich hatte ich Angst vor meinem Baby. Es fühlte sich so bescheuert an. Aber die Reize, die von einem kleinen Kind mit all seinen Bedürfnissen eben so ausgingen, machten mein Nervensystem buchstäblich fertig.
Dazu konnte ich nachts kaum schlafen, obwohl ich alleine in unserem Gästezimmer schlief. Meine Nächte waren oft um 2 Uhr nachts vorbei, ich wachte komplett durchgeschwitzt auf und war hellwach. Und es war ja auch nicht so, dass ich tagsüber hätte schlafen können. Aber ich meditierte, um meinem Körper irgendwie die Ruhe zu geben, die er nachts nicht bekam. Teilweise wachte ich sogar auf, weil meine Beine so krass gegeneinander klapperten- das war so merkwürdig. Wer wacht denn auf, weil seine Beine ihn wecken???
Inzwischen weiß ich: Das Nervensystem weckt einen auf, um Dich vor der Gefahr zu schützen, die eigentlich gar nicht da ist bzw. nur in dem eigenen Kopf...
Ich verabredete mich mit meiner Frauenärztin um ein Gespräch über meinen gesundheitlich und psychischen Zustand zu führen- sie kannte mich als Person schon lange und war mir vom Typ irgendwie recht ähnlich. Außerdem hatte sie eine psychotherapeutische Ausbildung und kannte sich in dem Bereich besser aus als ich. Als ich ihr meine Symptome schilderte, sagte sie, es höre sich nach Panikattacken/ Angststörung an- und ggf. einer Überfunktion der Schilddrüse. Sie hatte ähnliche Symptome am eigenen Leibe erfahren und sei damals zufällig über diese Werte gestolpert. Sie hatte es bis dahin nämlich auch auf den Stress geschoben.
Ich hatte wenige Wochen mein Schilddrüsenmedikament wieder angefangen (ich hatte früher mal eine Unterfunktion und war irgendwie der Meinung, ich müsste sie mal wieder anfangen- so doof), ziemlich genau 1 Woche, bevor das ganze Spektakel losging.
Meine Schilddrüsenwerte waren laut der behandelnden Ärzte aber gut und ich war weder in einer Unter- noch in einer Überfunktion. Ich verabredete mit meiner Frauenärztin, sie Medikamente probeweise erstmal wegzulassen und zu schauen, wie sich mein inneres Gefühl entwickelt.
In den Hörbüchern, welche ich in der Zeit gehört habe, wies der Autor auch daraufhin, dass u.a. Schilddrüsenmedikamente wie L-Thyroxin Panikattacken und Ängste auslösen können und welche Alternativen es gibt.
(Ich kann nur empfehlen, mal reinzuhören. Man wird dadurch nicht dümmer, wenn man diese Problematik mit sich rumschleppt: https://www.panikattacken-loswerden.de/ )
Die Halbwertszeit von L-Thyroxin ist relativ kurz, von daher hätte ich ein Abklingen der inneren Unruhe und Ängste irgendwie schneller erwartet. Es hat allerdings doch ein paar Wochen gedauert, bis mein ganzes System ruhiger wurde- aber das wirklich merklich.
Nichtsdestotrotz war mein ganzes System irgendwie instabil. Die Angst wurde zwar weniger, die Panikattacken waren weg, aber die anderen Symptome waren immer noch da. Mein armer Körper und mein Nervensystem haben wirklich unter den Folgen dieser Wochen gelitten, in denen das L-Thyroxin gewirkt hat.
Aber: Ich möchte auf keinen Fall dieses Medikament verteufeln, es hat mir Jahre vorher wahrscheinlich auch gute Dienste geleistet. Zumindest hatte ich keine Nebenwirkungen dieser Art. Es hat mir durch diesen Crash aber gezeigt, dass in meinem System ganz gewaltig etwas schiefläuft. Aber was das im Einzelnen genau war, wusste ich da noch nicht. Es ging mir scheinbar noch zu gut.
Ich versuchte mich auszuruhen, viel alleine an die Luft zu gehen aber eben auch meinen Beitrag im Alltag zu leisten. Und das war leider schon zuviel. Ich konnte es aber nie so richtig einschätzen, weil ich mich nicht körperlich erschöpft gefühlt habt- klar, diese ganzen neuropathischen Symptome wie das Kribbeln in den Füßen und im Gesicht, schlapper linker Arm und der Schwindel habe ich irgendwie hingenommen und trotzdem weitergemacht- nach dem Motto: EInfach weiter, wird schon werden. Wurde es aber nicht. Ich konnte mich zwar noch mit Freundinnen verabreden, wenn sie mich besuchten und mal eine Runde spazieren gehen, aber die Symptome wurde immer schlimmer und damit kamen auch die Ängste wieder. Anders als vorher, aber sie waren da.
Immer, wenn ich mich unterhielt, ging es mir danach richtig schlecht. Manchmal direkt im Anschluss, manchmal erst am nächsten Tag. Ich vertrug immer weniger Nahrungsmittel. Und nicht mehr vertragen heißt, mein Hals schwoll zu und durch meinen ganzen Körper schoß wirklich ein Hitzestrahl die Wirbelsäule entlang, mein Kreislauf wurde instabil und mir wurde schwindelig. Also wieder: Ab ins Bett und ausruhen.
Die Angst vor Symptomen nahm weiter zu, schienen sie mir ja wirklich lebensbedrohlich. Ich bekam vom Allergologen einen Ana-Pen, falls eine normale Ceterizin nicht mehr ausreichen würde. Ein merkwürdiges Gefühl, auf so ein Ding angewiesen zu sein und keine Ahnung zu haben, wie ich Auslöser vermeiden sollte.
Ich vertrug mein normales Vitamin-D-Präparat nicht mehr, auch da schoß ein Hitzeegfühl durch meinen Körper und mein Kreislauf meldete sich sofort. Ebenso bei Magnesium. Oder anderen Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln, die man manchmal so nimmt. Jedem, dem ich das erzählte, sagte mir, ich würde mir das nur einbilden, das könne gar nicht sein. Es müsse wenn an den Hilfsstoffen liegen und nicht an dem Wirkstoff selber. Heute weiß ich: Doch, es kann. Und es war genau so. Denn wenn das Nervensystem üerreizt ist und das Immunsystem erstmal getriggert ist, reagiert der Körper auf fast alle möglicherweise bedohlichen Dinge, die man ihm antut oder die man in ihn reintut. Egal was. Der Schlüssel hierzu war dann die richtige Dosierung von Supplementen zu finden, bei welcher mein Körper nicht mehr so heftig reagiert, weil es für ihn keine Bedrohung mehr darstellt. Genauso wie die richtige Dosierung von Unterhaltungen, Verantwortung, Sonne, Kälte. All das sind Trigger für die körpereigenen Mastzellen, die mich ja eigentlich nur beschützen möchten, in diesem Fall jedoch überprotektiv waren.
Wie bei einer Desensibilisierung bei Pollenallergie.
Es war für mich nur mega schwer zu begreifen, dass ich nun echt den Großteil des Tages sozial abgeschnitten war, weil durch die soziale Interaktion meine Energie so schnell erschöpft, dass ich das einfach nur in ganz geringen Dosen vertrage. Und jeder, der mich kennt, weiß, wie gern ich quatsche und mich mit Menschen unterhalte oder was erlebe. Es machte mich traurig und einsam. Ich kann es nicht anders sagen. Und ich fühlte mich so unfassbar wertlos, weil ich mich nicht mal mehr um meine eigenen Kinder kümmern konnte, weil mein System komplett aus dem Ruder lief. Dazu konnte ich inzwischen auch keine Hörbücher mehr hören, geschweige denn Lesen oder Fernsehen. Autofahren ging ohnehin seit Beginn der Misere nicht. Aber ich traute mich ab und an schon mal für eine Runde auf ein Fahrrad und fühlte mich so unglaublich frei- zumindest für einen Moment, weil ich danach auch wieder in einen Crash lief und ich das auch nicht mehr machen konnte. Mein Wirkungskreis wurde kleiner und kleiner.
Und die Frage des Warums hat mich auch einfach nicht losgelassen. Wie konnte es passieren, dass ich von einer normal gestressten Mutter zu einem Pflegefall wurde, der sich gerade mal um sich selbst kümmern konnte- und das nicht mal zufriedenstellend? Warum reagiert mein Körper auf soviel Dinge mit diversen Symptomen? Warum wird mein Radius, in dem ich mich bewegen kann, immer kleiner? Und was kann ich tun, um da rauszukommen? Wird das jetzt mein Leben sein? Körperlich war ich ja halbwegs okay, dachte ich, aber mein Gehirn klappte bei der kleinsten Kleinigkeit zusammen. Es war meine persönliche Hölle- dachte ich, aber es wurde einfach noch schlimmer.
Januar 2025 - Borreliose?
Irgendwann in einem der wenigen Gespräche mit einer Freundin brachte sie das Thema Borreliose ins Spiel. Hätte ich gar nicht mehr dran gedacht, aber ja, da könnte ich vielleicht nochmal näher hinschauen.
Die Erfahrungsberichte von Borreliose-Betroffenen im Netz klangen ähnlich wie bei mir. Schwindel und sonstiger Symptomregenbogen von jetzt auf gleich, Entzündungen in diversen Gelenken, gerade Knie, Blase, Hausarzttests zu Beginn oft negativ, manchmal im Verlauf jedoch positiv. Keiner glaubt einem, weil die Tests kein eindeutiges Ergebnis herausbringen (die Aussagekraft des aktuelles Tests beim Hausarzt ist aber wohl auch kein Ausschlusskriterium, dass man keine Borrelien hat- je nachdem, ob sie gerade aktiv sind oder nicht und vor allem wie das Immunsystem reagiert ist er auch falsch positiv oder falsch negativ). Es ist eine Wissenschaft für sich diese Borrelien...Und auch mein Test war nicht positiv. Aber mein Gefühl sagte mir, die Spur ist richtig.
Ich nahm auf eigene Faust und auf eigene Kosten mit einer Freundin Blut ab (sie ist Krankenschwester) und schickte es an ein Speziallabor. Da gab es nun zumindest einen Wert, der auf irgendwas hindeutete, was nicht in Ordnung war. 1 Wert. Er war klein, aber zeigte mir, dass da noch mehr ist, als etwas, das man sonst in den 0-8-15-Werten beim Arzt sieht.
Der Text enthielt den Hinweis, dass dieser Wert auf Infektionen wie Borreliose, EBV o.ä. hindeuten könnte. Jetzt war natürlich die Frage: Was tun? Der Test auf Borrelien war beim Hausarzt negativ. Ich wollte mich also umgucken, welche Ärzte versiert sind in dem Bereich und was man dagegen tun kann. Was ich aber wusste: Ich brauchte allein für meinen Kopf jemanden, der das Thema wirklich kennt und schon bei vielen nachhaltig begleitet hat. Da ich zu dem Zeitpunkt ohnehin kaum Medikamente vertragen habe, entschied ich mich für eine Heilpraktikerpraxis ca. 30 km entfernt, bei welcher die Bewertungen gerade für die Themen Borreliose und EBV für sich sprachen. Es musste mich nur leider immer jemand fahren, aber mein Papa übernahm diese Aufgabe und war der beste Taxifahrer der Welt. Ok, nein, das war er ganz und gar nicht. Ich starb anfangs immer tausend Tode, weil er manchmal echt merkwürdig fährt. Am liebsten waren mir die Momente, wo er an ein und der gleichen Stelle als Linksabbieger immer innen an der Verkehrsinsel vorbei auf die Gegenfahrbahn lenken möchte "weil das so einladend aussah". Ach Papi. Im Nachhinein total witzig, in den Momenten ein interessanter Prozess für mein Nervensystem, was sich ganz klar nicht sicher gefühlt hat, aber in diesem Falle einfach keine andere Wahl hatte. Aber ich leb noch. Und habe auch hier wieder etwas mehr gelernt, jeden so sein zu lassen, wie er eben ist.
In der Naturheilpraxis Weiß wurde ich super nett empfangen und war erstmal überrascht, was für Geräte dort vorhanden waren. Die Heilpraktiker, die ich bisher kannte, waren eher weniger technisch unterwegs.
Es sind mehrere Heilpraktiker/innen mit unterschiedlichen Schwerpunkten dort tätig- von Ernährungswissenschaften über das ganze Thema Entgiftung, Leber, Darm, Dunkelfeldmikroskopie, Bioresonanzgeräte, spezielle Liegen zum Resetten des Körper uvm wird sich dort ausgekannt. Auch ein Gerät zum Ausleiten von Impfungen ist dort vorhanden. Das habe ich hier bei uns in der Umgebung bisher nur bei einem Spezialklinikum für chronische Krankheiten wie LongCovid, Neuroborreliosen, alternative Krebsmedizin etc. gefunden.
Ich wurde an ein Gert angeschlossen, welches via Frequenzmessung bestimmte Baustellen, die gerade im Körper bearbeitet werden, aufzeigt. Ich fand das Gerät mega spannend, aber wie bei all solchen Themen muss man ersten jemanden haben, der etwas mit den Daten anfangen kann und zweitens dem man vertraut, dass er das auch vernünftig macht. Einmal unabhängig davon, dass ich nicht gewusst hätte, wohin ich noch hätte gehen sollen, um Hilfe zu bekommen, fand ich alle Therapeuten vor Ort wirklich nett und sie fragten nach unfassbar vielen Dingen aus meinem Leben, die ich schon längst vergessen hatte. Antibiotikagaben in der Kindheit, Unfälle, Operationen, Stoffwechselstörungen und noch so viel mehr.
Meine Heilpraktikerin hatte recht schnell ein Bild, wie sie starten wollte, um mir zu helfen. Ich habe mich mir immer vorgestellt wie ein großes Puzzle, bei dem einige Teile verknickt sind oder fehlen oder irgendwie nicht richtig passen. Man kann also nicht davon ausgehen, dass irgendwas schnell weggeht (wenn doch ist es super!), aber man kann Puzzleteil für Puzzleteil anfassen, um es wieder richtig hinzubiegen und an die richtige Stelle zu setzen. Manchmal muss man eben damit leben, dass ein Teil fehlt- das macht das Puzzle dann aber vielleicht auch besonders.
Ich muss sagen, dass ich definitiv mit zuvielen Dingen auf einmal gestartet habe und mein Körper das in dem Stadium nicht gut vertragen hat. Ich wäre mit einem langsameren Vorgehen wahrscheinlich besser dran gewesen, aber das merkt man ja oft erst danach und nicht, wenn man gerade dabei ist. Für mich haben diese Dinge aber alle Sinn gemacht und ich würde den Weg auch wieder so gehen- nur eben etwas in die Länge gezogen.
Welche Verfahren, Therapien und Themen mich begleitet haben und inwieweit sie sich für mich hilfreich anfühlten
Global Diagnostic Gerät
Mit diesem Gerät werden körperliche Frequenzen gemessen und darauf basierende Problemfelder im Körper identifiziert. Ich fand es mega spannend, weil je nachdem, welche Beschwerde ich körperlich hatte, tauchten diese auch auf dem Gerät auf. Meine Symptome wurden mit der Zeit ja immer mal anders und breiteten sich gefühlt auch immer woanders aus, und als ich irgendwann das Gefühl hatte, eine Art Blasenentzündung zu entwickeln (ich hatte -glaube ich- einmal im Leben sowas, es war also eher neu, dass so ein Gefühl plötzlich da war) oder eine Entzündung am Ohr hatte (die ich vorher auch noch nie hatte), war das auch auf dem Gerät zu erkennen. Es ist immer nur eine Momentaufnahme, aber Themen wie Darmschleimhaut, Magen oder eine erhöhte Aktivität in meinem Kopf waren immer darauf zu sehen.
Zunächst ging es also dran, den Heliobacter-Pylori auszumerzen, der auf der Auswertung auftauchte, verschwinden zu lassen. Nach zwei Wochen mit Grapefruit-Kernextrakt aus der Apotheke war er beim nächsten Mal schon nicht mehr zu sehen. Ebenso musste ich etwas für die Leber tun, damit diese wieder besser arbeiten kann- ich hatte scheinbar ein Thema mit der Galle. Und da die Leber so unfassbar wichtig zum Entgiften ist, brauchte sie Unterstützung. Mit Posphatidylcholin und Chlorella haben wir da gestartet- inzwischen bin ich von Chlorella auf Zeolith umgestiegen, weil ich Chlorella nicht so gut vertragen habe. Oder eben die Menge an entgiftenden Maßnahmen bei einem zu beiinträchtigen Körper- man weiß es nicht.
Ebenso warf das Gerät diverse Viren und Bakterien aus- Herpesviren (japp, kenne ich zu gut, meine Lippe freut sich jedes Mal- nicht), Hühnermilben (ja, wir haben Hühner und ja man kann sie streicheln) aber auch Borrelien, Ebstein-Barr usw.
Gerade Ebstein-Barr sei wohl gern Auslöser dafür, dass man Reize nicht gut aushalten kann. Borrelien, auch wenn sie alt sind und mein Körper sie bisher scheinbar in Schach halten konnte, sollten auch behandelt werden, um das Immunsystem zu entlasten. Mit natürlichen Mitteln wie Propolis, LKC-Tropfen und Tee zum Auflösen des Biofilms der Bakterien gingen bzw. gehen wir diesen an den Kragen. Denn es ist leider kein Sprint sondern eher ein Dauerlauf- naja, oder eine Pilgerreise. Je nachdem, wie gut oder schlecht das Gesamtsystem gerade funktioniert.
Manche Mittel- sie schmeckten zu Beginn so furchtbar, dass ich wirklich dachte, ich bekomme die nicht runter. Mit ein paar Hilfsmitteln ging es dann aber doch. Was tut man nicht alles...
Schilddrüse, HPU und Halswirbelsäulentrauma
Die Heilpraktikerin gab mir gleich zu Beginn einen Zettel und ein Thermometer mit, um meine Körpertemperatur 3x am Tag zu messen. Das Thermometer sollte 5 Minuten messen, unter der Zunge. Auch wenn meine Schilddrüsenwerte laut der ganzen Arztberichte ja okay waren, war ich neugierig genug, um es wissen zu wollen. Läge die Durchschnittstemperatur bei unter 36,5 Grad wäre es dennoch sinnvoll, die Schilddrüse zu unterstützen. Und ich habe mich echt erschrocken- meine Durchschnittstemperatur lag irgendwo bei knapp 35 Grad. Teilweise konnte ich auf der Liste den Wert nicht eintragen, weil die vorgedruckten Zahlen nur bis 34,5 Grad lagen und ich noch darunter lag (und nein, ich habe weder kaltes Wasser getrunken noch war ich draußen). Da ja aber die Schilddrüsentabletten mit die Panikattacken beschert haben, war ich nicht gewillt, auch nur eine dieser Tabletten zu dem Zeitpunkt zu nehmen- ich hatte aber das Hörbuch von dem Psychologen Bernhard noch im Hinterkopf mit möglichen Alternativen. aber da meine Werte so gut waren, war es auch nicht so leicht, andere Schilddrüsenmedikamente zu bekommen. Aber ich hatte es im Hinterkopf.
Dazu füllte ich einen Fragebogen zu einer Stoffwechselstörung aus (HPU/ KPU). Das Problem ist wohl, dass bestimmte Abläufe im Körper nicht richtig funktionieren und deshalb toxische Stoffe produziert werden und die Entgiftungsleistung des Körpers zusätzlich geschwächt ist. Ich habe den Fragebogen ausgefühllt, war aber unter den Grenzwerten, die darauf hindeuteten. Hätte ich doch einfach trotzdem Urin abgegeben, um sicher zu sein, das hätte mir glaub ich einiges erspart. Denn sowohl Borrelien als auch ein Halswirbelsäulentrauma können so eine HPU auslösen (und noch andere Dinge), und beide Diagnosen waren bei mir sehr wahrscheinlich. Aber wie gesagt: Im Nachhinein werden Dinge viel klarer- aber eben auch nur in dem Rahmen, in dem man in dem Moment über das Wissen verfügt.
Vor kurzem habe ich den Fragebogen noch einmal ausgefüllt und komme auf 13 von 14 Punkten. Behandelt wird diese Störung mit bestimmten Supplemente, um die vermehrte Ausscheidung auszugleichen und einer angepassten Ernährung und Stressmanagement.
Die Heilpraktikerin zeigte mir das Buch "Halswirbelsäulentrauma" von Kuklinski. Es beschreibt die Folgen von Stürzen oder Erschütterungen auf unsere Halswirbelsäule und den gesamten Organismus. Stress. Dadurch zusätzliche Schwächung des Immunsystems, viele chronische Krankheiten und Krankheiten wie Allergien, welche man durch einen sinnvolen Aufbau von Mineralien und Vitaminen mildern oder ganz heilen kann. Es ist eine Abhandlung seiner eigenen Fälle, aber viele davon haben mich zu der Hoffnung bewogen, dass auch ich wieder gesund werden kann. Ein weiteres Puzzleteil war also zum Bearbeiten dran: Meine Halswirbelsäule und mein Vitaminstatus. Zu dem Zeitpunkt muss ich jedoch aufpassen, was ich lese. Erstens konnte ich nicht lange lesen und sofern negative Prognosen zur Gesundheit drin vorkamen, machten mir diese soviel Angst, dass ich das Buch weglegen und mich erstmal meiner inneren Angst stellen musste. Ich habe mich dann einfach auf die Therapieempfehlungen hinten konzentriert und versucht, meine Mineralien und Vitamine ein wenig darauf abzustimmen. Denn obwohl man bei einer Heilpraktikerpraxis oder bei Ärzten ist: Man darf immer noch selber denken und selber die Verantwortung für seine Gesundheit übernehmen, die anderen können einem lediglich aufs Pferd helfen und es in die richtige Richtung führen. Aber man darf und sollte sich auch selbst einbringen, um den Weg zur Gesundheit zu beschreiten. Ich wurde z.B: ganz oft in der HP-Praxis gefragt: "Was denken Sie? Fühlt es sich gut an? Der Körper sagt Ihnen, was richtig ist, wenn Sie etwas nicht vertragen, dann lassen Sie es weg, dann ist das noch nicht dran." War aber immer im Konflikt mit: Argh, die haben gesagt, das kann helfen, um gesund zu werden, also verdammt, warum geht das nicht in mich rein??? Aber das lernt man auch- die Kontrolle abzugeben und dem Weg zu vertrauen. Wird leichter mit der Zeit, nervt aber oft genug immer noch.
Ich liebe das Buch immer noch- ich habe medizinisch zwar eine Menge nicht verstanden, aber ich habe verstanden, wie wichtig es ist, Vitamine und Mineralien ausgewogen und in stressigen Zeiten auch erhöht pointiert zu verwenden.
Da man aber für die Halswirbelsäule auch etwas tun muss, habe ich bestimmte Übungen in meinen Alltag integriert bzw versuche es. Das "Paddeln" und die Übung für die "12 Hirnnerven". Sieht witzig aus, soll helfen.
Da ich noch nicht ins Fitnessstudio an irgendwelche Geräte gehen möchte, versuche ich hier zu Hause mit einem Band noch einiges für die Wirbelsäule zu tun. Macht im sitzenden Alltag auf jeden Fall immer Sinn. Langweilt mich leider etwas, aber wie gesagt: Wenns hilft....
Rife- Plasma-Gerät
Wir starteten also mit der Ausleitung der Corona-Impung von Biontech, welche wahrscheinlich irgendwelche Spike-Proteine hinterlassen hat, wogegen der Körper mit einem Teil seiner Körperpolizei nun zu kämpfen hat und für andere wichtige Prozesse nicht mehr zur Verfügung steht. Wenn ich mich recht erinnere, könnten die Proteine aber auch von der Erkrankung selbst sein- nichtsdestotrotz sollten sie weg um den Organismus zu entlasten. Ich bin kein Impfgegner, versuche aber schon immer genau zu überlegen, wann ich mich gegen was impfen lassen sollte und wo ich dem Körper die Chance geben kann, sich selbst zu helfen, falls ich von der Krankheit betroffen sein würde.
Ich habe also 4 oder 5 Mal für 2 Stunden vor diesem Plasmagerät gesessen und mir die Zeit um die Ohren geschlagen. Ein bisschen Hörbuch, der Versuch zu lesen...Naja, irgendwie ging die Zeit dann auch rum.
Nach diesen Sitzungen habe ich keine großen Veränderungen bemerken können, aber wie gesagt- Puzzleteil für Puzzleteil und ich war bestimmt kein einfacher Fall.
Histaminintoleranz/ Mastzellenaktivierungssyndrom (MCAS)
Im Laufe der nächsten Wochen.wurden meine Symptome immer schlimmer. Da wurde mir erst klar, dass meine Histaminintoleranz wieder völlig durchschlug. Ich hatte vor ein paar Jahren nach einer Zahn-OP und einer für mich großen Menge an Menge Ibuprofen (allerdings immer in Absprache mit meinem Arzt und nie mehr als auf der Packungsbeilage als Höchstdosis angegeben) starke Verdauungsprobleme, weswegen man bei mir damals eine Histaminintoleranz festgestellt hatte. Aber auch das erst nach echt langer und verzweifelter Suche nach einem Auslöser für die damailigen Probleme und einer Menge Besuche bei Ärzten, die mir damals schon das Gefühl gaben, dass es eher psychisch ist und ich mir die Probleme nur einbilde. Aber sei es drum, beim Allergologen kam es dann schnell raus- man muss halt nur wissen, bei welchem Arzt man welche Dinge testen kann, aber wer weiß das schon selbst, wenn solche diffusen Symptome losgehen? Ich hätte mir bei solchen Themen gewünscht -auch während meiner Reise jetzt- dass einen die behandelnden Ärzte vielleicht auf bestimmte Verdachtsdiagnosen aufmerksam machen und man sich entscheiden kann, in die eine oder andere Richtung weiterzuforschen. Auch auf eigenes Geld. Aber dann hätte man eine Wahl und eine Möglichkeit. So steht man oft etwas allein auf weiter Flur und muss sich durch den Dschungel des Internets wühlen um den Weg für sich zu finden, die Symptomatik zu verstehen, irgendwie einzuordnen und Werkzeuge zu finden, die einem in bestimmten Situationen helfen. Oder dass es eben Situationen oder Nahrungsmittel gibt, die man eine Zeit lang vermeiden sollte, um den Körper nicht noch weiter zu stressen. Aber vielleicht ist das auch zuviel verlangt, weil Ärzte einfach soviel über sämtliche Volkskrankheiten wissen müssen, um die Behandlung der breiten Masse abzudecken, dass auch gar keine Zeit da ist, sich in jeden einzelnen Patienten noch weiter reinzudenken und für alle möglichen Symptome eine neue Diagnose parat zu haben. Ich bin meiner Hausärztin jedenfalls sehr dankbar- ich konnte immer kommen, auch mit meinen eigenen Ideen und konnte darüber sprechen ohne das Gefühl zu haben, zu stören oder ihr auf die Nerven zu gehen. Und das ist soviel wert. Vielen, vielen Dank nochmal dafür!
Zurück zum Histamin:
Auch wenn ich vorher lange Zeit schon wieder ganz viele histaminhaltige Nahrungsmittel essen konnte, wusste ich zumindest, dass das ein Auslöser für einige der Symptome sein könnte. Ich schaute also wieder vermehrt darauf, bei welchen Nahrungsmitteln ich Kreislaufprobleme, Schwindel oder Angst bekam. Und es waren so unfassbar viele und es wurden immer mehr. Ich konnte Anfang des Jahres 2025 nur noch 10-15 Nahrungsmittel essen und ob ich die gut vertragen habe- keine Ahnung. Denn mein Problem war gar nicht unbedingt das Histamin im Essen sondern der Akt des Essens selber, der mein Nervensystem stresste. Das Histamin aus den Nahrungsmitteln war nur die Spitze des Eisbergs. Als ich irgendwann auf der Terrasse saß, meine kleine Tochter im Arm hatte und meinem Mann und meinem Sohn beim Fußballspielen zuschaute, biss ich in ein Stück Birne- und mein Körper machte gefühlt das gleiche wie bei dem Wespenstich ein dreiviertel Jahr vorher. Ich wurde innerlich super unruhig, ein surren ging durch meinen Körper, mein Kreislauf war komisch, ich fing an zu zittern. Zu dem Zeitpunkt wusste ich schon, dass Vitamin C und schlafen gegen Histaminschübe hilft. Tat ich. Aber ich hatte Angst um mein Leben. Zu dem Zeitpunkt fingen mir auch an die Lymphknoten im Hals anzuschwellen- nach dem Essen, nach zuviel Sonne, nach zuviel Kälte, nach zuviel Unterhaltungen, nach zuviel Stress (und die Messlatte war sowas von tief, da ich zuhause ja kaum noch etwas tat. Ich hatte alles an Verantwortung abgegeben. Ich war viel im Bett, am Meditieren, im Wald. Alleine.) Ich habe es zu der Zeit immer so beschrieben: "Ich bin irgendwie allergisch auf das Leben". Ich war jedenfalls froh über den Ana-Pen, weil ich somit wusste, dassich mir im Notfall zumindest irgendwie selber helfen kann.
Ich sprach mit meiner Heilpraktikerin über die Symptome und dass ich die Mittel nicht vertrage. Nach einem Blick auf das Etikett waren auch einfach viele Stoffe drin, die zwar natürlich sind, aber nicht histaminarm. Und mal ganz unabhängig davon war mein Körper zu dem Zeitpunkt gar nicht in der Lage, halbwegs symptomfrei zu entgiften und das Immunsystem aufzubauen- ich stresste es einfach nur noch mehr. Und das war so schwer zu akzeptieren, dass ich die Mittel, die mir helfen sollten, nun weglassen musste.
Aber die sagte ganz klar: "Der Körper weiß, was er braucht und das ist eben noch nicht dran." Sie sagte auch: "Sie können ja Borrelien oder was weiß ich haben, aber die Symptome müssen sie ja nicht haben". Ich fand den Satz zunächst irgendwie komisch- wie soll ich Krankheiten haben ohne Symptome?
Eines Tages verstand ich es am eigenen Leibe. Mein Körper reagierte inzwischen auf sovieles um mich herum mit Schwindel und Angst. In diesem Fall waren es die Abgase von Autos (Oder Lack-/ Farbgeruch usw. Ich schaffte es aus dem DM gerade noch heraus ohne komplett in Panik zu verfallen, einfach weil der ganze Laden "duftet" und mein Köper durchdrehte). Ich bearbeitete in der Praxis, die auch viel mit Kinesiologie macht, meine Angst nach Dr.Klinghardts Mentalfeldtechnik. Ich fuhr im Auto hin, hatte das Gefühl, ich bekomme kaum Luft, hatte unfassbare Angst und alles schmeckt nach Metall. Ich fuhr nach Hause und es war nach unserer Sitzung so gut wie weg. Und kam auch nicht mehr in diesem Ausmaß wieder.
Im Nachhinein spannend: Dieser Geschmack im Mund und die Angst begleiteten mich zurück zu einem Ereignis in der Vergangenheit- auf den OP-Tisch, kurz nachdem ich eine Narkose bekam, noch wach war aber schon keine Luft mehr bekam. Der Geschmack war genau der gleiche und ich erinnere mich noch dran, wie ich immer wieder sagte: "Ich bekomme keine Luft, ich bekomme keine Luft". Und dann schlief ich ein. Ich versuchte danach noch lange herauszufinden, was passiert sein kann, dassich in dem Moment so gefühlt habe und eine Anästhesistin erklärte mir, dass manchmal das Mittel zum Erschlaffen der Muskulatur schneller wirkt als die Narkose. Ich vermute (total Laienhaft und vielleicht auch totaler Quatsch, aber ich stelle es mir so vor) dass durch die Schwermetallausleitung, die ich machen sollte, der Geschmack so ähnlich metallisch war wie bei der Narkose (ich finde, die schmeckt man) und mein Körper sich an diesen Moment erinnert und genauso reagiert hat wie damals. Mit Angst. Es gibt nämlich ein emotionales Gedächtnis, was einen manchmal knallhart in vergangene Gefühle und Empfindungen katapultiert. Wusste ich zwar vorher theoretisch auch schon und kennt man ja manchmal von Gerüchen oder Liedern, dass sie einen an vergangene Zeiten erinnern, aber noch nie hat es mich so eiskalt erwischt, dass es mein Empfinden so stark beeinflusst hat und ohne dass ich mir den Zusammenhang erklären konnte.
Diese Erkenntnis sollte mich noch länger weiter begleiten und mir auch an vielen, vielen Stellen helfen. Und ganz ehrlich- wer es nicht erlebt hat, dass Symptome durch Klopfen oder sonstige Techniken verschwinden können, sagt mir oft: "Das ist doch Placebo." Und wenn ich sage, dass ich das nicht glaube, kommt der Satz: "Na ist ja auch egal, Hauptsache, es funktioniert".
Aber es ist ganz einfach Realität. Meine Therapeutin, mit welcher ich mich -leider nur als Springerin, aber besser als nix- austauschen kann, erklärte mir das relativ wissenschaftlich (und ich erkläre es jetzt laienhaft mit meinen Worten): Man geht ganz bewusst in das alte Gefühl (und ein Symptom ist an sich ja erstmal auch nichts anderes) und bring sein Nervensystem in den gestressten Zustand. Und dann klopft man z.B: bestimmte Punkte oder bewegt seine Augen langsam o.ä. Im Nervensystem passiert folgendes: "Oh, da ist das furchtbare Gefühl wieder. Alle Biochemie auf Flucht oder Kampf!! Häh, da klopft das ja- Moment, ist die Situation dann wirklich noch gefährlich? Hm. Passiert ja gar nichts. Weder Tiger noch sonstiges greift mich an. Na gut, scheint doch nicht so schlimm zu sein, wie ich ich dachte. Biochemie wieder mehr auf Entspannung." Und wenn man das einige Zeit übt, verblasst das alte Gefühl und auch die biochemische Reaktion des Körpers schwächt ab. Bei den Symptomen ist das ähnlich. Das Nervensystem hat gespeichert, wie es auf bestimmte Bedrohungen reagiert. Sei es durch Nahrungsmittel, Viren, Bakterien usw. um sich bestmöglich zu schützen. Im Zweifel greift das System aber schon richtig früh bei einer möglichen Bedrohung ein, um uns zu beschützen, und das mit zuviel Kraft. Es reichen also schon kleinste Mengen an Stoffen, die sich bedrohlich anfühlen, um die Nase zum laufen zu bringen, Pusteln oder Durchfall zu bekommen, Schwindel und Kreislaufprobleme entstehen oder die Lymphknoten anschwellen zu lassen.
Nachdem mein Essen also eine Zeit lang aus einem Frühstück mit Hirse und Wasser bestand, mein Mittagessen aus einer Hand voll Brokkoli, Kartoffeln und Rapsöl und ich zu jeder Mahlzeit meinen Körper mit den Klopftechniken beruhigte und mir innerlich sagte, dass ich was essen muss, und das das auch okay ist, konnte ich Stück für Stück weitere Lebensmittel wieder dazunehmen. Es erforderte und erfordert soviel Mut, sich dem normalen Essen wieder anzunähern und auch histaminhaltige Produkte wieder mit in den Speiseplan zu nehmen. Aber das funktioniert. Es ist am Ende wie eine selbst durchgeführte Desensibilisierung wie bei einer Pollenallergie. Stück für Stück, fingernagelgroße Probierportionen bei Neuem, damit der Körper keine Achterbahn fährt und dann gucken, ob Symptome auftauchen- und diese dann mit den Werkzeugen bearbeiten. Ich versuche es allerdings noch so zu planen, dass ich im Zweifel genug Pausen habe, um den Organismus an anderen Stellen zu entlasten. Und ja, es ist so müßig und es gibt Momente, in denen ich denke: Scheiße, ich habe keinen Bock mehr, schon wieder was zu bearbeiten. Ich will einfach nur normal leben, ohne mir Gedanken darüber zu machen, was ich esse, ob duschen jetzt okay okay ist oder zuviel, ob ich einkaufen gehen kann oder Sonne vertrage. Und nein, "einfach mal was auszuprobieren und verrückt zu sein" funktioniert (zumindest für mich) in einem bestimmten Stadium nicht. Denn das gemeine ist echt: Der Körper schüttet immer Histamin aus. Weil es ein ganz normaler Vorgang ist. Wenn aber die Histamin-Abläufe gestört sind und dazu noch vermehrte Toxine über Viren/ Bakterien usw dazukommen und man wie ich noch eine Entgiftungsstörung hat, ist der Körper schnell überfordert und reagiert mit unterschiedlichen Symptomen. Das Gute ist: Ich werde hoffentlich 90 gesunde Jahre alt und habe noch die Hälfte meines Lebens Zeit, meinen Körper anders zu sehen und zu verstehen als ich es bisher getan habe. Von manchen Problemchen wusste ich nichts, kann es jetzt aber angehen. Aber ja, es nervt trotzdem ganz oft echt richtig, richtig doll.
Ich habe mir jedenfalls die unterschiedlichen "Abläufe" des Histamins einmal angeschaut. Man braucht für den Abbau von Histamin im Gehirn (das ist quasi ein eigener Kreis) andere Mikronährstoffe als für den Abbau im Darm. Zweiteres wird ggf. beim Gastroenterologen kontrolliert, ersteres eher selten irgendwo. Aber im Labor kann man die wichtigsten Mikronährstoffe auch selber testen lassen. Bei mir kam ein Magnesiummangel, Kupfermangel und noch ein paar andere Mängel raus, die den Abbau von Histamin an einigen Stellen mit Sicherheit beeinflusst haben. Und gerade diese neurologischen Symptome weisen oft auf ein Problem im Gehirn-Histamin hin. Meine Eisenwerte waren gut, auch wenn ich das von Beginn an etwas merkwürdig fand, da ich bei meiner Geburt wirklich viel Blut verloren hatte und mich fragte, wie der Wert danach doch recht schnell angestiegen ist. Ebenso war der Manganwert ziemlich hoch. Beides spricht nicht unbedingt dafür, dass zuviel vorhanden ist, sondern dass im Körper Entzündungen schlummern, die noch unter den Radar der normalen Entzündungsparameter bei üblichen Blutabnahmen fallen. Es gibt nicht nur den CRP-Wert, der Entzündungen anzeigt, sondern z.B. Auch den s-CRP, der wohl wesentlich sensibler ist und schneller ausschlägt.
Ich schaute also, dass ich meinen Körper im Histaminabbau unterstützte und beschränkte mich weiterhin auf histaminarme Lebensmittel, ließ alles an Chemie und weiß der Kuckuck weg, was bei mir Probleme auslösen könnte (man wird mit der Zeit immer besser, das zu bemerken) und ging noch mal zu einem Arzt, der sich auf Darmgesundheit und orthomolekulare Medizin spezialisiert hat und im Bereich Mastzellenaktivierungsstörung auch auf den gängigen Internetseiten genannt wurde. Zu dem Zeitpunkt putzte ich meine Zähne nur noch mit Salzsole und spülte mit Xylit, weil ich nichts anderes vertrug. Ich kann das gar nicht so richtig beschreiben, aber es ging immer ein Surren durch den Körper, was mir sagte: Ohoh, Finger weg. Das geht natürlich nicht immer, aber es war zunächst ein guter Weg um zu schauen, was eben halbwegs stressfrei geht und was eben nicht.
Ein weiterer Arzt mit Spezialgebiet Mastzellen und Darmgesundheit war nach meinen Heilpraktikern der zweite, der mir glaubte, dass es nicht nur psychisch ist. Alleine das hat schon soviel in mir gelöst. Einfach, weil er ein "echter Arzt" ist. Man fragt sich ja irgendwann, ob man einen an der Pfanne hat und ob man sich alles vielleicht doch nur einbildet. Und ob man wirklich einfach nur so tun sollte, als wär nix, weil auch wirklich nix ist. Aber wie jeder andere (wahrscheinlich) hatte ich das Gefühl, bei mir ist da wirklich was Körperliches in Schieflage.
Wir machten also eine etwas erweiterte Untersuchung von Blut und Stuhl auf Histaminintoleranz. Mein ph-Wert war viel zu basisch, weshalb er mir Milchsäurebakterien empfahl. Der Histaminabbau dadurch also definitiv gestört. Bei den üblichen Omnibiotik 6 war mir zuviel Gedöns drin, bei welchem ich nicht wusste, ob ich das vertrage. Ich schaute also nach Alternativen. Die Alternative von Histaminikus.de habe ich vertragen, aber sie hat bei mir nicht soviel gebracht. Sie hat aber gute Bewertungen bekommen und auch gute Bakterienstämme, sodass ich es auf jeden Fall empfehlen könnte, es auszuprobieren. Dann habe ich ein Produkt von Biogena gehabt und schließlich eins von Tisso, das ProEmsan Pur. Das hat zwar einige histaminbildende Stämme drin, aber absolut unmerklich. Ich nehme es immer noch und muss demnächst mal wieder das Mikrobiom testen. Erst dann könnte ich zumindest wertetechnisch eine Aussage tätigen. Ich hatte kurz vorher noch einen Stuhltest auf eigene Faust gemacht, um das Mikrobiom anzuschauen und da war auffällig, dass ich bei allen aufgeführten Milchsäurebakterien im roten Bereich war und meine "protektive Flora" ziemlich schlapp dastand. Insofern sah ich nochmal mit eigenen Augen, wie notwenig das Zuführen von Probiotika für mich war. Dazu gab es noch einen Wert zum Ausschluss von LeakyGut, der Durchlässigkeit der Darmschleimhat, welcher beim Arzt nicht mit abgenommen wurde und den ich für mein eigenes Wohlbefinden gern nochmal testen wollte. In dem Bereich war alles fein.
Also rein mit den Milchsäurebakterien. Irgendwie. Krümel für Krümel erhöhte ich die tägliche Dosis, um meinen Körper nicht zu überfrachten- denn auch Probiotika haben entgiftende Wirkung.
Nahrungsergänzungsmittel/ Orthomolekularmedizin
Ich habe aber innerhalb des letzten Jahres verstanden, dass das in Zusammenhang bringen von Blutwerten wirklich eine Wissenschaft für sich ist. Zumal auch immer nur bestimmte Werte abgenommen werden, die bei bestimmter Symptomatik gar nicht so richtig aussagekräftig sind. Wenn man erschöpft ist und nur den Eisenwert (hb) kontrolliert, sagt das im Zweifel nichts aus. Es gibt nämlich noch Ferritin, Transferrin und noch weitere Mikronährstoffe wie Kupfer, die der Körper braucht, um das Eisen auch benutzen zu können. Und die Leber darf nicht durch Entzündungen überlastet sein, weil sonst was blockiert wird, um das Eisen im Körper auch nutzen zu können und nicht falsch hohe Eisenwerteim Blut anzuzeigen. Man kann also in einem Mangel sein, ohne dass das Blutbild es einem auf den ersten Blick verrät. Na toll.
Oder die Schilddrüse. Meine Werte waren alle im Normbereich. Aber meine Körpertemperatur mit unter 35 Grad echt niedrig, was z.B. an einer Unterfunktion Schilddrüse oder an den Mastzellen (oder auch an 3000 anderen Dingen, die ich nicht weiß) liegen kann- weil z.B. bestimmte Rezeptoren blockiert werden, die das Schilddrüsenhormon braucht um anzudocken. Und weil es das nicht kann, wenn diese Rezeptoren schon besetzt sind, sind die Hormone, auch wenn ich sie einwerfe, weitestgehend wirkungslos. Oder es fehlen die Ko-Faktoren wie Vitamin A, Selen oder Jod, damit die Hormone auch richtig umgewandelt werden können. Ich war sowohl mit Jod im Mangel als auch mit Vitamin A. Ich hatte irgendwann eine Zeit, in der ich nachts auf einem Auge fast nichts mehr gesehen habe- weil bei einem Vitamin A Mangel Nachtblindheit eines der Auswirkungen sein kann.
Und die Leber ist ein super wichtiger Umwandler von inaktiven Schilddrüsenhormomen in aktives Schilddrüsenhormon- wenn sie aber überlastet ist, fallen solch wichtige Dinge im Zweifel nach hinten runter.
Oder Vitamin D, welches es in aktiver und in inaktiver Form gibt und welches im Körper umgewandelt werden muss. In der Niere. Und Vitamin D braucht auch Ko-Faktoren, damit es funktioniert. Und nur, weil ich einen guten Spiegel beim inaktiven Vitamin D habe (und das ist der normale Blutwert, der getestet wird), heißt das noch lange nicht, dass meinem Körper nichts fehlt, wenn die Symptome eine andere Sprache sprechen und ich oben immer irgendwelche Pillen dafür einwerfe und es mir nicht besser geht.
Der Arzt guckte sich jedenfalls die Werte an, die ich privat im Labor in Auftrag gegeben hätte und meinte, solche Mängel hätte er gefühlt noch nie gesehen, selbst, wenn er sie mal abgenommen hat (ich sagte nämlich in dem Moment: Naja, aber sie prüfen die Werte ja eigentlich gar nicht...)
Diese Vitamine müssen jedenfalls in mich rein, egal wie, und durch die Verbesserung der Darmflora sollte sich hoffentlich auch die Aufnahme verbessern.
Ich wurde also Großkunde bei diversen Nahrungsergänzungsmittelherstellern, sehr zum Verdruß unserer Konten- manche Produkte vertrug ich nicht, manche vertrug ich nur eine Zeit lang und dann doch nicht usw.
Außerdem war es auch immer mit Aufwand verbunden, zu recherchieren und sich die ganzen Inhaltsstoffe durchzulesen. Das war echt nervig. Aber: Es ist ein initialer Aufwand und meistens bleibt man dann auch bei den Mittelchen, solange man sie braucht.
Welche bei mir gut funktioniert haben, steht in den Empfehlungen bei der Startseite. Ich würde inzwischen aber nicht mehr auf tägliches Vitamin C, Vitamin D, B12, Magnesium, Mineralien in Form von Tiefen-Meerwasser und Omega 3 verzichten wollen, weil sie ein großer Hebel in Sachen Nerven- und Immunsystem sind und gerade in stressigen Zeiten (und in denen leben wir ja ohnehin mit den ganzen Reizen um uns herum) viel verbraucht werden.
Es lohnt sich jedenfalls ein Blick ins Blut und in den Stuhl und das Berücksichtigen, dass die Standard-Durchschnittswerte laut Laboranalyse eben Standard und Durchschnitt sind und nicht unbedingt gesund (sondern eben einfach nur Durchschnitt!). Und für Deutschland gelten dazu ggf. auch andere Richtwerte als in anderen Ländern, sodass es viel mehr Sinn macht, auf Symptome zu hören und auf der Basis die Nahrungsergänzungsmittel anzupassen.
Kinesiologie
Für manche Hokus-Pokus, für mich etwas, was mir unfassbar geholfen hat, Blockaden zu lösen und Dinge zu erkennen, die mein Nervensystem im Alltag triggern. Ich hatte vorher keine Erfahrungen mit Kinesiologie und bin durch eine Kindergarten-Mami darauf gekommen, nachdem ich zufällig eine spontane Meditation bei ihr mitgemacht habe. Jessi ist Coach, Tierkommunikatorin und hat auch sonst eine Menge Erfahrung mit Energiearbeit- und ist vor allem ein netter Mensch. Wir hatten zufällig einige Sprachnachrichten ausgetauscht und ich habe ihr erzählt, wie es mir gerade geht und sie fragte mich eine für mich wegweisende Frage: "Hast Du es schon mit Energiearbeit versucht?" Und da meine Heilpraktikerin ja auch in diese Richtung arbeitet, ich bei meiner Heilpraktikerin in Bezug auf bestimmte Ängste schon gute Erfahrungen gemacht habe und ich nichts zu verlieren hatte, dachte ich mir, okay, ich probiers mal. Wir zwei verabredeten uns zum telefonieren und sie holte ein paar interessante Themen ans Tageslicht. Gerade die Themen Schuld, Scham, Hilfe annehmen, Scham waren ein grosses Thema. und das konnte ich auch nur bestätigen. Das resonierte absolut in mir. Spannend fand ich vor allem, dass sie immer wieder auf die Mutter meiner Oma väterlicherseits und Gewalt kam- ich hatte von der Seite nie irgendwas gehört. Nachdem ich mit meinem Vater darüber sprach, konnte er mir die Geschichte erzählen, dass ihr Mann wohl etwas zu Gewalt neigte und sie (auch mal) mit dem Messer bedroht hat. Mehr wusste er aber auch nicht. Aber gut, wir haben es angeschaut und vielleicht hat das schon etwas gelöst. Ich habe nämlich inzwischen verstanden, dass manche Dinge und Erfahrungen gern noch einmal angeschaut und gefühlt werden wollen, damit sie in Ruhe gehen können.
Jessi empfahl mir eine Kollegin, die nach einem bestimmten Prinzip zur Trauma-Sichtbarmachung und -bewältigung arbeitet. Sie war zwar über eine Stunde mit dem AUto entfernt, aber ich wollte es sehr gern probieren. Ich hatte zumindest das Gefühl, da schlummern noch eine Menge Dinge in mir, die gesehen werden wollen und da ich keinen Therpieplatz bei in der Nähe ansässigen Psychologen in Aussicht hatte, wollte ich es probieren. Natürlich auf eigene Kosten, aber ich hatte noch einen kleinen Rest auf meinem Sparbuch. Und ganz ehrlich- kein Urlaub der Welt ist mir so wichtig wie meine Gesundheit.
Also rief ich die Kerstin an, denn so hieß die Heilpraktikerin für Psychotherapie, die auch Kinesiologie und Traumatherapie macht. Und ich fand sie so, so sympathisch. Mein Bauchgefühl hat auf jeden Fall zugestimmt, den Weg auf mich zu nehmen und es hat sich für mich mehr als gelohnt. Was ich spannend an der Kinesiologie finde, ist, dass der Körper aufgrund der gespeicherten Erfahrungen Dinge beantworten kann, die man wissentlich nicht auf dem Schirm hat. Aber da im Körper ja jede Empfindung, jedes Gefühl und jede Erfahrung gespeichert ist, ist er ein toller Begleiter auf meiner Heilreise. Man muss halt nur wissen, wie man ihn befragen kann. Mithilfe des Muskeltests, bei welchem der Körper zu bestimmten Fragestellungen dem Druck auf den Arm standhält oder eben nicht, versuchten wir also erstmal grundlegende Fragestellungen zu klären. Warum ist der Crash passiert? Welche Themen beeinflussen meine Energie und meinen Geist? Habe ich Nahrungsmittelunverträglichkeiten und wenn ja, gegen was? Und vor allem: Gegen was nicht und es ist nur die Angst, die mein Nervensystem in Aufruhr bringt, wenn ich sie esse? Usw usw. Mit Hilfsmittel aus Farbkarten, Affirmationen usw. wird dieses Ungleichgewicht balanciert und wieder ins Gleichgewicht gebracht. Früher hätte ich wahrscheinlich gedacht- hä? Da muss man echt dran glauben. Heute denke ich, es ist irgendwie doch mehr Biologie als ich dachte. Der Körper möchte einen beschützen, und hat er einmal schlechte Erfahrungen gemacht, antwortet er auf Befehl des Hirns mit immer dem gleichen Muster, z.b. einer Immunreaktion wie verstopfter Nase bei bestimmten Lebensmitteln o.ä.
Durchbricht man dieses Muster, kann der Körper sich langsam wieder an die "Gefahr" gewöhnen ohne gleich überschießend zu reagieren. Wie eine Desensibilisierung. Das gleiche mit Gefühlen wie Angst oder Unsicherheit. Aber man muss diese Themen erstmal erkennen und sie neu programmieren, sonst bleibt eben alles beim alten und auch bei dem automatischen Reaktionsmuster, was der Körper schon jahrelang praktiziert.
Bei dem Muskeltest kam zunächst auch nochmal Borrelien als Auslöser heraus, zu den Stressoren meines Nervensystems aber auch ein Bindungstrauma in der Kindheit (haben ja irgendwie fast alle hab ich das Gefühl) und meine Strategien im Alltag, damit umzugehen. Und das ist das verrückte: Ich dachte immer, ich wäre relativ resilient, empathisch und flexibel. Stattdessen ist vieles davon einfach eine Strategie, um mit bestimmten Dingen umzugehen oder Konsequenzen nicht aushalten zu müssen. Am Anfang dachte ich noch: "Nee, das passt so irgendwie nicht." Aber je mehr ich jetzt genauer hinhöre auf das, was ich fühle (und vor allem nicht fühlen will), desto mehr verstehe ich, was mein Nervensystem stresst und kann etwas dafür tun. Genau, dafür tun und nicht dagegen. Denn die Gefühle müssen ja gehört werden, ob ich nun will oder nicht. Im Zweifel brechen sie einfach aus einem heraus.
Ich hatte jedenfalls schon in der ersten Kinesiologie-Sitzung eine Menge Aha-Erlebnisse und ging erleichtert raus. Trotzdem merkte ich auch die Tage danach, dass es mir eher schlechter ging und ich vermehrt innere Unruhe verspürt habe. Inzwischen kérkläre ich mir das so, dass einfach unterbewusst viel aufgerüttelt wird, was den Körper viel Energie kostet (die ich ja scheinbar einfach nicht hatte) und man deshalb wieder etwas wackeliger war. Nach 2 Tagen war das dann aber passe und es wurde besser und besser. Mit jedem Puzzleteil, was ich durch diese Arbeit finden konnte, fühlte ich eine immense Erleichterung- als würde etwas von einem abfallen, auch wenn ich mit manchen Erkenntnissen zunächst gar nicht soviel anfangen konnte.
In den nächsten Sitzungen beschäftigten wir uns mit möglichen Traumata. Ich war mit der Methode zunächst etwas überfordert, weil der Kontrollfreak in mir nicht wusste, wie das funktionieren soll und ich natürlich alles perfekt und nichts falsch machen wollte.
Zunächst formulierte ich mein Anliegen und das fand ich schon gar nicht so leicht. Daraus sollte ich dann 4 Worte auf Karten schreiben und die zusammen mit farblichen Formen in die Ecken des Raumes legen. Kerstin stellte sich dann quasi als Multiplikator da drauf und fühlte sich in die einzelnen Wörter rein. Ich fand es total abgefahren und konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie das funktionieren sollte. Aber: Wir sind irgendwie ja doch mehr als nur unser Körper und haben eine Menge Energie und Bauchgefühl in uns, mit welchem wir uns gegenseitig helfen können
Bahnbrechend kam für mich jedenfalls heraus, dass meine Ängste zu sterben gar nicht unbedingt meine sind, da sie transgenerational von meiner Mutter auf mich übergeschwappt sind. Auch die Ängste, meinen Kindern ein Trauma zuzufügen, kamen wahrscheinlich aus der Richtung.
Ich habe wirklich null Ahnung gehabt, warum sich das für mich innerlich so angefühlt hat, weil ich an sich einen guten Mutti-Job gemacht habe. Aber mein Gefühl sagte mir oft was anderes undich habe mich deshalb oft übernommen- sowohl körperlich und vor allem auch gedanklich. Es war wie eine Loopingbahn in meinem Kopf, die nie aufhörte. Mein Mann sagte irgendwann zu mir, ich sei seit der Geburt meines ersten Kindes ein anderer Mensch- und er hatte Recht, ich fühlte mich auch so, aber konnte das nicht ändern, egal was ich versuchte.
Ich wusste, dass meine Mutter in ihrer Kindheit ein paarmal fast gestorben wäre. Scheinbar war das transgenerational "übergeschwappt" und aufgrund der Geburt der Kinder wieder aufgewirbelt.
Und da meine Mutter lange unter Panikattacken litt, erzählte sie mir in einem Gespräch nach einer meiner Sitzungen, dass sie große Angst hatte, eine Panikattacke zu bekommen, als sie schwanger war, aber dass das nie passiert ist und sie da heilfroh drüber war. Und da hatte ich dann auch eine Erklärung, wo meine Ängste diesbezüglich herkamen. Und konnte damit arbeiten. Und zwar ziemlich erfolgreich, denn zusammen mit den Trainingsmethoden aus dem Gupta-Programm konnte ich viele dieser Gefühle und Glaubenssätze neu verdrahten und sehe das Leben in diesem Bereich viel, viel leichter. Als wäre wirklich ein Riesen-Stein von meinem Herzen geplumst. Und es hat mir gezeigt, dass es Sinn macht, sich mit seiner Vergangenheit und auch der Kindheit seiner Eltern nochmal etwas näher auseinanderzusetzen, falls da noch etwas schlummert, was gesehen werden möchte. Und dass auch kleine Traumata, die man nicht so richtig verarbeiten konnte, Auswirkungen auf das jetzige Sein haben und man Gefühle verbessern kann, wenn man sie anschaut.
Ich schreibe mir immer noch Erinnerungen auf, wenn sie mir auffallen, und bearbeite sie zusammen mit meinem inneren Kind, wenn ich Zeit habe. Und es gibt keinen Tag, an welchem ich nichts für mein Nervensystem und meinen Körper tue. Nicht einen. Es ist aber gerade auch möglich, weil ich noch nicht arbeiten kann, ich bin gespannt, ob man im volleren Alltag wieder in alte Muster zurückfällt oder auch da bestimmte Rituale halten kann. Aber ich glaube, der Warnschuss hier hat mir genügt, um etwas grundlegend zu ändern. Und das tu ich.
Osteopathie
Die Osteopathie war und ist für mich ein Begleiter schon seit langer Zeit. Weil sie schon immer meinem ganzen System gutgetan hat. Ich habe damit einmal aufgrund meiner Migräne angefangen und seitdem nur phasenweise ausgesetzt, wenn es am Geld mangelte. Die Berührungen und die sanften Lockerungen der Muskeln, der Faszien und das "Alles-in-Fluss-Bringen" bringen mich immer in eine tolles entspanntes Körpergefühl- und das ist bei einem dysregulierten Nervensystem einfach Gold wert.
Gerade im Hinblick auf Probleme mit der Halswirbelsäule und das Verschieben von irgendwelchen Wirbeln ist eine regelmäßige Bearbeitung sinnvoll. Auch gute Physiotherapeuten können hier mit Sicherheit gute Dienste leisten, die zur Stabilität der Halswirbelsäule und somit einer Entstressung des Systems beitragen. Zusammen mit isometrischen Übungen, welche mir auch der Orthopäde empfahl, bin komme ich aktuell gut über die Runden.
Pulsierende Magnetfeldtherapie
Ich selbst bin großer Fan von dieser Therapiemethode. Ich habe vor 15 Jahren die Wirkungen erstmals bei meinen Pferden sehen und vor allem immense Verbesserungen feststellen können. Nach meinem 2. Kreuzbandriss durch meinen Lieblingssport, dem Handball, stellte ich mich bei den Behandlungen einfach direkt ans Pferd und konnte da selbst die Wirkung spüren. Ich habe mir selbst eine Magnetfeldmatte gekauft und benutze sie seitdem auch regelmäßig bei jeder Art von Leider. Da das Magnetfeld Impulse zur Zellerneuerung gibt, habe ich diese Therapiemethode auch in einigen z.B. neurologischen Praxen, welche sich mit LongCovid beschäftigen, gefunden und es wurde dort ebenfalls als eines der Puzzleteile, die zur Besserung beitragen können, aufgeführt. Als ich die Matte benutzt habe, wurde es bei mir jedoch nicht besser, eher schlechter. Ich habe auf jeden zusätzlichen Reiz so krass reagiert, dass ich danach innerlich wesentlich unruhiger war und ich merkte, dass der Stress stieg. Mein Bauchgefühl hat mich dann auch das erstmal sein lassen, aber ich bin übereugt davon, dass dies je nach Empfindlichkeit und Symptomen ein vielversprechendes Puzzleteil auf dem Weg zur Heilung sein kann. Wenn man die Chance hat, vielleicht einfach mal ausprobieren.
Reiki
Für manche ebenfalls Hokus-Pokus, aber super entspannend und bringt manche Gedanken und Gefühle nach oben, von denen man gar nicht erwartet hätte, dass sie da schlummern. Ich habe keine Ahnung, wie es funktioniert, aber es war immer sehr entspannend und hat mir einige Erkenntnisse gebracht (ich habe mich da immer wieder mit Pferden zusammen gesehen, mir war bis zu dem Zeitpunkt gar nicht so bewusst, wie sehr mir die Pferde fehlen. Nicht die Verantwortung, nicht das leere Konto- aber der Geruch (nein, sie riechen NICHT nur nach Pferdekacke:) ), die weichen Pferdenasen und das schöne Fell).
Aber: Zu dem Zeitpunkt, zu welchem ich Reiki versucht habe, ging es mir im Nachhinein jedes Mal schlechter und das Nervensystem war wieder zu sehr in Aufruhr. Ist an sich ja auch gewollt, es soll ja etwas an die Oberfläche kommen, aber da ich es ziemlich am Anfang probiert habe, war das für mein Nervensystem scheinbar (noch) zu aufreibend. Auch hier habe ich auf mein Gefühl gehört und es mit dieser Methode vorerst nicht weiter versucht. Das war in der Form einfach noch nicht dran. Aber wenn man stabiler ist, kann es einem mit Sicherheit ganz viele tolle Momente bescheren.
Psychotherapie
Gerade Traumata, das können auch "kleine" sein, beeinflussen unser Unterbewusstsein wirklich stark und wollen irgendwann angeschaut werden. Ich habe nur einen Platz als Springerin bekommen, weil es bei uns im Umfeld ewige Wartezeiten gibt. Ich schrieb schon, dass das Gupta-Programm mir an vielen Stellen Methoden an die Hand gegeben hat, um bestimmte Verhaltensweisen und Gedanken aufzudecken und sich ihnen zu stellen, was Linderung verschafft hat und welche in einer Psychotherapie ähnlich sind. Aber das Thema Trauma liegt ja manchmal doch wesentlich tiefer und zeigt sich oft nicht so offensichtlich. Wenn man die Möglichkeit hat, einen Therapieplatz zu bekommen- machen, man wird nicht dümmer und kann bestimmte Verhaltensweisen und Gedanken echt nochmal entlarven und den Stress daraus auf dem Körper nehmen. Denn da landet er und schwächt auch das Immunsystem.
Zwischenstand meines Zustands
Wurde es zu dem Zeitpunkt besser? Eher nicht. Es wurde gefühlt eher schlechter. Im Nachhinein klar, weil meine Angst vor den Symptomen auch einfach echt schlimm war und ich somit immer wieder in eine gedankliche Symptomschleife rutschte, die sich verselbstständigte und die Symptome somit immer wieder entstanden-aber ich war auf einem richtigen Weg. Ich hatte noch nicht alle Puzzleteile, aber ich wusste zumindest, dass ich durch das Tal der Tränen irgendwie durch muss. Keine Ahnung wie, aber ich musste. Ich hatte manche Tage an denen ich dachte: Soll das mein Leben sein? So will ich nicht leben. Ein Schatten meiner selbst. Und so sah ich auch aus. Irgendwie grau. Und es kam auch ein kurzer Moment, in dem ich wirklich einmal dachte: Es wäre soviel einfacher, wenn es einfach vorbei wäre. Ich pack das nicht. Aber dann kam ein noch größerer Gedanke: "Nä. Das wäre jetzt aber echt zu einfach, Jana. Sowas können wir gleich aus dem Hirn streichen"- und diese Schnapsidee kam auch nicht wieder. Dafür fand ich das Leben viel zu schön und ich wollte wieder zurück.
Aber es war ein harter Kampf mit sich selber, jeden Morgen nach dem Aufwachen nicht zu wissen, was der Tag bringt. Ob er okay ist oder einen wieder zerreisst. Ein Gefühlschaos sondergleichen und ich hing da irgendwie so drin fest. Ich konnte auch noch lachen, und wenn ich gute Momente hatte, fühlte es sich auch schon fast normal an- aber kurz darauf kam meistens 'ne dicke Keule und schlug mich nieder und der ganze körperliche Mist ging wieder von vorne los. Und ich wusste vor allem noch nicht warum. Ich hatte noch keine Antwort, die in meinem Hirn Sinn machte.
Zu diesem Zeitpunkt ging es mir so schlecht mit der Verantwortung zu Hause und den ganzen Reizen durch andere Menschen und meine Kinder, dass ich schweren Herzens zu meinem Vater zog. Man liest bei diversen Erkrankungen ja immer wieder, dass Erwachsene zu ihren Eltern zurückgehen, weil man alleine nicht mehr zurecht kommt, aber irgendwie hofft man selber immer, nicht betroffen zu sein.
Ich tauschte also Dorf mit schönem Garten und Landluft mitten in die Stadt. Alles grau. Aber ein Kanal in der Nähe und Wasser ist immer schön. Und zu einem Menschen, der mich nicht alleine ließ und mit mir zusammen durch diese harte Zeit ging- als sicherer Hafen mit einer immensen inneren Ruhe und einer Stabilität, die ich gebraucht habe. Und er hat nichts persönlich genommen- was wirklich geholfen hat, denn meine Lunte war echt kurz, obwohl ich wusste, dass ich auf ihn angewiesen war. Aber so ist er und so war er auch schon immer. Mein Papi! Was mich sonst oft zur Weißglut bringt, konnte mich an vielen, vielen Tagen erden. Ich habe eine Menge nochmal lernen können. Auch die Langsamkeit, die ich vorher verteufelt habe und jetzt anfange zu mögen. Auch mal Dinge liegen zu lassen, einfach mal zu spielen und mittendrin aufzuhören. Dinge nicht durchzuziehen oder zu Ende zu bringen. Und er sagte: Du warst mir nie eine Last und wirst auch jetzt keine sein. Was für liebevolle Worte.
Meine Mutter war in der Zeit tagsüber bei meiner kleinen Tochter in meinem eigenen Zuhause, da wir noch keinen Krippenplatz oder irgendeine Fremdbetreuung hatten, und war zusammen mit meinem Mann ihre Bezugsperson. Sie war die zweite große Stütze in dieser Zeit. Auch sie hat das ganz fantastisch gemacht und man sieht auch jetzt noch diese enge Verbindung, die die beiden zueinander haben. Das ist so schön zu sehen, immer wieder! Ich hatte aber auch einfach das Glück, dass ich wusste, dass meine Mutter versucht, mit unseren Kindern nicht nur so umzugehen, wie sie meint, sondern auch unsere Ansichten umzusetzen. Mit Sicherheit war das nicht immer leicht, aber sie hat alles gegeben! Man geht mit Kindern heute einfach anders um als noch zu ihrer Zeit und uns als Familie ist es wirklich wichtig, die Kinder bei vielen Dingen auf Augenhöhe zu begegnen. Und klar, man macht es selber nicht perfekt und braucht dann noch mehr Geduld, es bei anderen auszuhalten, wenn sie mit Kindern anders umgehen. Und einem selbst gute Ratschläge geben möchten, die man für totalen Quatsch hält, weil sie einfach alt und überholt sind.
Alles in allem ein hartes Jahr für alle, weil jeder weit über seine Grenzen gehen musste, damit die Familie irgendwie läuft und die Kinder halbwegs Stabilität um sich haben- auch wenn die Mama plötzlich ein anderer Mensch und körperlich und kopfmäßig total instabil ist. Die Momente, in denen mein Mann zu den Kindern sagte: "Ihr könnt gerade nicht zu Mama, sie braucht gerade Ruhe" waren so unfassbar schlimm für mich. Aber irgendwann konnte ich dann halbwegs akzeptieren, dass es eben gerade so ist, wie es ist, dass ich nicht funktioniere, wie ich gerne wollte und es wurde mit der Zeit leichter. Auch für die Kinder. Und es hat sich definitiv gelohnt, denn jetzt kann ich mit vielen Dingen wesentlich entspannter umgehen als vorher, weil ich bestimmte Themen bearbeitet habe (die mir zu dem Zeitpunkt gar nicht so doll bewusst waren) und es ist hier wieder eine Leichtigkeit eingezogen, wie ich sie mir immer gewünscht habe.
Ich weiß natürlich nicht mit Sicherheit, was letztenendes das ausschlaggebende Puzzleteil für den Kick-Off zur Heilung war. Nach ein paar Monaten wirken Nahrungsergänzungmittel, es wirken die Entgiftungsgeschichten usw. Aber wenn ich von meinem Bauchgefühl ausgehe, dann war ein ganz wichtiges Puzzleteil für meinen Kopf und den Alltag das Guptaprogramm.
April 2025- Erkenntnisse aus dem Guptaprogramm
Auf der Start-Seite habe ich schon kurz darüber geschrieben, aber das Guptaprogramm war für mich und für mein Gehirn der Gamechanger im Umgang mit meiner Situation. Weil ich Dinge verstanden habe, die in meinem Körper passieren. Weil ich mich wiedergefunden habe in den Symptomen anderer Teilnehmer und mich ihre Geschichten zur Verbesserung ihrer Gesundheit mit dem Programm gefesselt haben. Und ich habe nach kurzem Ausprobieren des Programms die Vollversion gekauft und will sie nicht mehr missen. Ich sage immer: Das Programm hat mein Leben gerettet. Weil es mir Antworten auf Probleme gab, die mir kein Arzt geben konnte. Und zwar so, dass ich es verstanden habe und auch dachte, alles klar, der Weg ist ein Auf und Ab, aber es gibt einen Weg, dass mein Zustand nicht so bleiben muss. Und das war mein klares Ziel. Ich versuchte, die Werkzeuge und das Programm schnellstmöglich in den Alltag zu integrieren (jaja, der innere Antreiber war da wieder mal am Start und wollte es gern beschleunigen), stellte aber irgendwann für mich fest und akzeptierte, dass es Heilung einfach etwas ist, was ich gerade nicht mehr kontrollieren kann. Und akzeptierte das irgendwie. Aber ich tat mein Möglichstes und tue es immer noch. Ich war z.B. ja selten müde. Lange hatte ich mit Schlafproblemen zu kämpfen, weil meine Nacht um 2 Uhr aufhörte und mich keine Meditation, kein Hörbuch dieser Welt wieder zum Einschlafen brachte. Mein Nervensystem war einfach eingefroren und im Alarmzustand. Doch Stück für Stück wurde das mit bestimmten Meditationen und somatischen Übungen vom Gupta besser. Ich versuchte, mehr Pausen am Tag einzubauen. Also nicht nur ein kurzes "ich setz mich mal kurz hin, weil das jetzt sein muss", sondern ein wirkliches Ankommen in dem Moment. Anfangs habe ich zusätzlich zum immer mal kurzen Innehalten am Tag 2 längere Pausen gemacht (ca. um 11 Uhr und um 16.30 Uhr), irgendwann nur noch 1x am Tag zur Mittagszeit und habe auch da versucht, zu schlafen oder zumindest wirklich runterzufahren. Gelang mir bei Yin-Yoga oder Progressiver Muskelentspannung recht gut, je öfter ich das machte, desto schneller kam mein Nervensystem (ist ja ein Gewohnheitstier) in die Entspannung und ich konnte wirklich abschalten. Ich habe mir immer gesagt, dass die Erholung, die ich nachts gerade nicht habe, dafür in den Powernaps am Tage nachgeholt wird und mein Körper da sehr von profitiert und regenerieren wird. Und je entspannter das Nervensystem so am Tag war, desto besser wurden bei mir auch die Nächte.
Also auch tagsüber ging es für mich nun darum, Dinge generell langsamer und bewusster zu machen, um dem Nervensystem zu signalisieren: Hier ist nix los, kannst Dich entspannen! Und atmen. Mir war gar nicht bewusst, wie flach ich atme. Und wenn man Dinge langsamer macht, kann man auch besser atmen. Z.B. beim Tippen (wie jetzt, da merke ich, dass ich ganz flach atme) oder kochen oder etwas mit den Kindern machen. Und der Körper dankt es mir und ich denke jetzt auch viel öfter dran. Ans Atmen. Eigentlich fast lustig, sollte es doch etwas ganz normales sein, entspannt zu atmen, wenn kein Tiger hinter einem her ist. Aber ich habe festgestellt, dass ich den Großteil des Tages in einem Körper gelebt habe, der aufgrund der eigenen Antreiber immer auf der Flucht war, um die Dinge erledigt zu bekommen, die als ToDo auf der gedanklichen Liste standen. Die Liste, die ja nie fertig wird, aber ein Gefühl hinterlässt, dass alles darauf so wichtig ist und man eben total viel nicht geschafft hat- und da den Blickwinkel zu ändern, hilft ungemein. Und das passiert eben auch beim Durcharbeiten des Guptaprogramms. Man kommt vielen Hintergründen auf die Spur, warum man so denkt. Warum man sich oft ungenügend fühlt, wenn man dies oder das nicht tut oder sich so oder anders nicht verhält. Warum man nicht so ist wie die andern. Tja, aber wie sind die andern denn? Anders halt :) Na und? Mir fällt es manchmal immer noch schwer, bei bestimmten Dingen ich selbst zu sein (weil ich das manchmal gar nicht weiß, ob ich das nun bin als erwachsene Jana oder mein kleines Ich von früher, was einfach nur irgendwo dazugehören will). Aber man entpellt sich auf dieser Reise wie eine Zwiebel und guckt unter die Schale- und da geht eben nur Stück für Stück, weil man sich jede Rille anschauen muss, um nichts Wichtiges zu übersehen.
Ich habe z.B. irgendwann gemerkt, welche Gedanken oder Gefühle bei den Kindern aufkommen, wenn irgend etwas mich antriggert. Wenn ich mal meine Ruhe will und genau da gerade die Bedürfnisse am Größten sind. So Sätze wie: "Mann, jetzt möchte ich einmal kurze meine Ruhe haben. Könnt ihr nicht einmal...was auch immer, irgendwas ohne mich". Oder mein Kind irgendwas echt blödes, respektloses sagt und ich mit einem komischen Gefühl im Bauch denke: "Boah, warum sagt der denn jetzt sowas? Das ist echt unverschämt".
Und diese Gedanken und Gefühle sagen mehr über mich als mein Kind. Mein Kind ist ja nur ein Kind, für meine Gefühle und Gedanken bin ich selbst verantwortlich. Das habe ich vorher schon gewusst, aber nur wissen reicht einfach nicht. Man muss die Gefühle und Gedanken fühlen, gucken wo sie herkommen und dann damit arbeiten, damit man sie integrieren kann. Denn sie dürfen ja das ein. Aber ich bin ehrlich, blöde Gefühle wollte ich einfach nicht. Zu anstrengend. Aber jetzt denke ich mir: "Alles klar, kommt her, wir gucken uns das an". Und es nervt manchmal und strengt an und es gibt Tage, an denen ich das alles nicht haben will. Und dann kommen Tage, die sehr dankbar sind, weil ich so mein Leben mit viel mehr Leichtigkeit im Kopf leben kann, als ich dachte. Auch die Kinder sind viel seltener Auslöser von dieser inneren vorher undefinierbaren Wut (weil das Gefühl eben nicht mehr undefinierbar ist, sondern ich mir die Hintergründe angeschaut habe) sondern ich bin an vielen Stellen mehr Kompass und Anker als ich es vorher hätte sein können. Ich musste aber auch einiges retrainieren, um mein Gehirn nicht immer wieder dieselben Wege gehen zu lassen (hin zur Wut und Hilflosigkeit) sondern eben hin zur inneren Ruhe und dem Aufdecken der eigenen Problemzönchen.
Ich konnte 4 oder 6 Wochen, nachdem ich das Guptaprogramm gestartet habe, wieder zu Hause einziehen. Ich fühlte mich noch recht weit weg von gut, aber ich fühlte mich stabil genug, um mich meinen Geistern zu stellen und die Werkzeuge auch im normalen Alltag anzuwenden. Und es klappte. Ich versuchte, mein Energieniveau (ich war ja körperlich nie erschöpft, deshalb habe ich das gar nicht gemerkt, wenn ich zuviel gemacht habe) in einer guten Balance zu halten und wann immer ich das Gefühl hatte, es kippt, mich zurückzuziehen und den Kopf auszuschalten. Das ist echt so schwer, aber hat oft gut geklappt. Daraus habe ich wieder Energie gewonnen und konnte danach weitermachen. Nach dem Aufstehen war mein Gefühl irgendwie immer erstmal mulmig, aber da habe ich dann kurz meine Affirmationen gemacht und bin wieder halbwegs mutig losgegangen. Und der Mut hat sich genau so gelohnt wie die Pause. Stück für Stück konnte ich mehr im Alltag aushalten, mehr tun. Zwar immer noch alles zuhause oder hier im Dorf, aber ich konnte. Und es machte mich stolz. Nicht immer ohne Symptome, nicht immer ging es mir super, aber das gehörte jetzt eben auch dazu. Erstmal. Und das sage ich mir heute an doofen Tagen auch immer noch: Es ist nicht für immer. Es ist heute. Also mach das Beste draus. Den Tag gibt Dir keiner wieder.
Und allein das zu schreiben ist schön, denn es gab eine Zeit, da wollte ich einfach nur, dass der Tag vorbei ist und hätte ihn auch nicht wiedergewollt. Und ganz ehrlich, da habe ich auch nichts gefunden, was ich irgendwie hätte schön finden können. Wenn man keinen Reiz verträgt und nicht am Leben teilnehmen kann- was bleibt da noch? Ja, die Liebe, überhaupt am Leben zu sein. Aber auch das ist ein Prozess, zu akzeptieren, dass es sooo anders ist, als man es sich wünscht. Und Fenster mit was Gutem sind klein oder nicht vorhanden und die Zeiten, in denen man so dahin-vegetriert fühlen sich unendlich lang an. Aber ich habe mir die sonnigen Fenster gesucht, Dankbarkeit GEFÜHLT, im Zweifel auch einfach für das, was ich bisher erleben konnte, die Erfahrungsberichte von Menschen gelesen, denen es besser geht und die da rausgekommen sind und habe mich daran geklammert wie eine Ertrinkende an ein Stück Treibholz. Und es war richtig und hilft.
Ich habe mich immer wieder Herausforderungen stellen können- seien es Unterhaltungen mit Freunden, auch wenn ich nach 30 Minuten sagen musste, dass ich jetzt Ruhe brauche. Telefonate, das Handy am Ohr. Scrollen durch soziale Medien- immer nur kleine Dosen, aber egal. Wieder Fernseh schauen. 5 Minuten, 10 Minuten, 30 Minuten. Oh und ich habe Germanys Next Topmodel geschaut, so richtig leichte Kost. Und ich hätte nicht geglaubt, wie sehr ich das in meine Träume mitnehme. Ich war nachts ständig in den TopTen und hatte jedes Mal nur einen kleinen Koffer mit Basic-Klamotten mit während die anderen Models ihre schönsten Kleider auspackten. Achja. Es waren Gott sei Dank keine Action-Filme, die ich sonst sehr, sehr gern gucke, aber die ich mir momentan auch noch verkneife, wer weiß, was da in meinen Träumen losgewesen wäre :)
Ich war im Herbst des Jahres im Dorf bei einem Uno-Turnier. Ich brauchte mal wieder eine Extra-Wurst, weil ich mich nicht so lange konzentrieren konnte und hatte schon angekündigt, dass ich nur ein paar Spiele mitspielen konnte, aber meine Dorfmitbewohner hatten damit kein Problem. Und auch bei solchen Treffen musste und muss ich noch immer üben: Dass ich frühzeitig auf meinen Körper höre und aufhöre- auch wenn es zwischendrin ist. Dass ich im Zweifel kurz vorher absage, wenn mein Nervensystem zu aufgewühlt ist- was ja nur bedingt kontrollierbar ist. Aber es bringt mich immer wieder an die persönlichen Grenzen, denn kurz vorher absagen, Dinge nicht durchziehen- alles nichts, was mir leichtfällt.
Aber: Ich war da, ich habe mitgespielt und ich hatte vor allem Spaß! Obwohl ich Dinge nicht zu Ende bringen konnte und eine Extrawurst brauchte (und mal ehrlich, sie hat keinem was getan, außer in meinem Inneren für unnötige Unruhe gesorgt). Ich konnte die Werkzeuge aus dem Programm gut für mich in dem Moment anwenden und so lernen, dass mir bei bestimmten Situationen nichts passiert, auch wenn die Symptome leise "heraufkriechen". Denn manchmal kommen sie eben nicht schnell und plötzlich, sondern bahnen sich an. Und das habe ich gut gelernt, zu erkennen und mir eine Lösung zu suchen. Als ich merkte, dass mir wieder schwindelig wird (ich sehe das inzwischen als Zeichen für "Luft ist raus, Du brauchst gedankliche Pause"), spielte ich ganz in Ruhe noch die Runde zu Ende. Und damit mein Nervensystem sich dennoch sicher fühlt, blieb ich noch eine Weile in dem Raum sitzen und brachte mein Nervensystem wieder etwas zur Ruhe. Dann konnte ich halbwegs entspannt wieder nach Hause gehen, feierte mich selbst für meine "Leistung" und freute mich wieder darüber, dieses Programm mit einer Menge Antworten für meinen Zustand gefunden zu haben. Ich freue mich auch immer noch jeden Tag darüber. Das war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können, unabhängig von allen anderen Schritten, die ich gegangen bin.
Veränderungen von Symptomen im Laufe der Zeit
Wie in den bisherigen Zeilen schon beschrieben, hat sich ganz, ganz viel schon verbessert. Ich hätte nicht gedacht, dass ich manche Symptome vergessen könnte, weil sie so, so angsteinflößend waren.
Ich schreib sie hier einfach nochmal auf, damit ich jeden Tag dankbar sein kann, dass sie mich nicht mehr so sehr einschränken:
Panikattacken
Totale innere Unruhe
Pulsrasen
Schwindel
Kreislaufprobleme
Kribbeln auf der linken Gesichtsseite
Schmerzen in der linken Brust und ein etwas "lahmer Arm"
Blaue Lippen
Schlafstörungen- ich konnte abends zwar irgendwann einschlafen, aber meine Nacht war spätestens um 2 zu Ende. Und weder mit Hörbuch, noch mit Meditationen oder irgendwas anderem konnte ich mit Abhilfe verschaffen. Auch am Tag war ich nicht müde, obwohl ich das hätte sein sollen. Und ich musste dieses furchtbare Gefühl der inneren Unruhe oder Panikattacken somit noch länger aushalten- ein Graus.
Schlackernde Beine beim Schlafen, sodass ich teilweise davon aufgewacht bin
Generelle Reizempfindlichkeit
Die Reizempfindlichkeit wurde irgendwann immer schlimmer- egal ob Licht oder Geräusche, das Gehirn klappte einfach zu und ich konnte nichts mehr tun und musste mich alleine ins Zimmer legen und warten, bin ich wieder irgendwas tun konnte, weil es mir einfach schlecht ging.
Nervensurren- wenn ich die Zähne leicht aufeinander gelegt habe, war es wie eine dauerhafte Vibration im Körper. Merke ich jetzt auch manchmal noch, wenn mein Nervensystem anspringt. Jetzt macht es mir jedoch nicht mehr soviel Angst.
Zittern der Augenlider- ich konnte hiermit ebenfalls gut erkennen, wie ruhig oder unruhig mein Nervensystem gerade war.
Migräneartige Kopfschmerzen, tagelang, immer wieder ohne ersichtlichen Grund. Wenn ich zuviel am PC saß oder in einer doofen Haltung, kannte ich das schon. Aber ich machte ja in der Zeit so gut wie nichts, außer im Wald spazieren zu gehen oder alleine in meinem Zimmer zu hocken und darauf zu warten, dass der Tag zu Ende ist
Brennen im Nacken/ an der Halswirbelsäule
Taube Finger, gerade der Kleine auf der linken Seite
Kribbeln in den Füßen/ Einschlafen der Beine, wenn ich mal kurz auf dem Boden saß
Hitze, die mir durch die Wirbelsäule bis in den Kopf schoss
Das immer mal wieder aufflackernde Gefühl einer Blasenentzündung
Dicke Lymphknoten im Hals, gerade nach "Triggern" wie Sonne oder Nahrungsmitteln. Das machte mir wirklich Angst, daran kann ich mich noch so gut erinnern...
Rötungen z.B. am Hals nach dem Föhnen, an den Füßen nach dem Duschen, Juckreiz an den roten Stellen
Nahrungsmittelunverträglichkeiten- und ich hatte die Reaktionen nicht in Form von Bauchweh oder Durchfall sondern im Nervensystem durch Schwindel, Kreislaufschwäche usw.
Sensibilität auf Chemikalien (mir war nicht bewusst, wie doll DM oder Rossmann nach Chemie und diesen ganzen Düften riecht. Ich konnte da eine Zeit lang nicht mehr reingehen, ohne dass mir die Nase zugeschwollen ist und angefangen hat zu laufen und meine Lymphknoten im Hals dicker wurden. Das war so verrückt. Und schränkte meinen Raum einfach noch mehr ein.)
Unverträglichkeiten auf Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente- man lernt, damit zu leben, aber ich hätte mir bei den Kopfschmerzen so gern eine Ibuprofen eingeworfen, was dann nicht mehr so richtig ging.
Ich habe diese Symptome nur noch recht wenig ausgeprägt. Manche sind auch ganz weg. Klopfklopfklopf. Und darüber bin ich sehr froh! Durch die Stärkung des Darms, der Leber, das Auffüllen fehlender Mikronährstoffe und der regelmäßigen Entlastung des Körpers und des Nervensystems durch sinnvolle Pausen und Meditationen konnte ich viele kleine Schritte machen, um meinem Körper wieder mehr Sicherheit zu vermitteln.
Aber diese Pausen sind noch immer existenziell, um den Körper aufgrund der oft überschießenden Reaktionen zu entlasten und heilen zu lassen. Aber es ist eben gerade so, wie es ist. Ich kann es nicht ändern, selbst wenn ich wollte- ich wüsste nicht, was ich noch tun könnte, außer es hinzunehmen und den angeschubsten Dingen in gewissem Rahmen ihren Lauf zu lassen.
So komisch es klingt: Diese Symptome waren wichtig auf meinem Heilungsweg. Wenn sie nicht so einschneidend gewesen wären, hätte ich die vielen tiefliegenden Themen wohl weder gesehen noch aufarbeiten können. Ich hätte dennoch gut drauf verzichten können.
Über die Medikamente, die ich ausprobiert habe und welchen Nutzen sie gebracht haben, findet ihr ein eigenen Link oben in der Leiste. Auch hier: Ich bin kein Arzt, es ist kein Heilungsversprechen o.ä., ich übernehme keine Haftung für irgendetwas- aber es könnte ja etwas dabei sein, was mit Dir resoniert und was Du mit deinen Ärzten besprechen möchtest. Probieren geht über studieren.
Rückblickend...
"Man lebt das Leben vorwärts, aber versteht es nur rückwärts" war ein gutes Zitat, was mir in den letzten Monaten immer wieder über den Weg gelaufen ist. Ich habe es bei einer der Meditationen von Annika Henkelmann zum ersten Mal gehört und dachte mir da schon: Na dann bin ich ja mal gespannt. Aber ja, es stimmt, es fügt sich rückblickend einiges zusammen. Ob es dann nun wirklich die Wahrheit ist, die man sich da aus den Erinnerungen zusammenreimt- keine Ahnung. Aber es ergibt vieles für mich einen größeren Sinn und ich erkenne viel, viel mehr, was mich -bis auf einen Zeckenbiss, eine Virusinfektion oder whatever- in diese Krankheit gebracht hat.
Und das sind Dinge, die ich mir immer schon angeschaut habe, welche mir in dem Ausmaß jedoch scheinbar nicht klar waren. Aber irgendwann kommt scheinbar für fast jeden Menschen der Moment, an dem man so lahmgelegt wird, dass man sich auch die richtig, richtig einschneidenden Themen anschauen und verändern muss, weil es sonst nicht mehr weitergeht...
Kurz vor dem Crash, also bis ca. 6 Monate vorher, konnte ich für mich folgende Situationen ausmachen, die mich sehr beschäftigten und die ich zumindest auch zuordnen konnte, weil sie recht nah dran waren:
6 Monate vorher, als meine kleine Tochter zur Welt kam, hatte ich eine schwere postpartale Blutung und verlor ca. 1 Liter Blut. Dass die 9 Monate Schwangerschaft auch an den Reserven des Körpers zehren, brauche ich nicht zu sagen. Meine Eisenwerte waren im Keller, ich aber nur froh, aus diesem furchtbaren Krankenhaus raus zu sein. Der Eisenwert lag knapp über der Grenze, bevor ich eine Eisen- oder sogar eine Bluttransfusion gebraucht hätte. Ich bin nicht mehr ganz sicher. Und ich habe danach zwar supplementiert, aber wahrscheinlich hätte sich mein Körper von dem Notfall, so schnell soviel Blut zu verlieren, länger erholen müssen. Die Zeit hatte ich gefühlt nicht und war recht schnell wieder in einem normalen Alltag, es musste ja weitergehen, egal, was da passiert ist. Soviel zu alten Gedankenmustern...
3 Monate vor dem ersten Crash biß mich eine Zecke. Ich hatte keinen roten Ring um die Bissstelle, kein Sommergrippe o.ä.
Kurze Zeit später stach mich eine Wespe- mein Kreislauf war so schlecht, dass ich von der Arztpraxis nach der Gabe von notwendigen Medikamenten zur Sicherheit noch ins Krankenhaus gefahren wurde. Kurz darauf ging es mir aber wieder gut, sodass ich entlassen werden konnte und auch gar nicht mehr weiter darüber nachgedacht habe.
Kurz darauf wachte ich nachts plötzlich mit so starken Schmerzen im Knie auf, dass ich kaum noch auftreten konnte. Ich war zu dem Zeitpunkt gerade mit einer Freundin und unseren Kindern im Urlaub- sie musste mein Auto zurückfahren, weil ich mein Knie kaum belasten konnte. Es war allerdings mein durch meine frühere Handballzeit mehrfach operiertes Knie, sodass ich dachte, ich habe es mir irgendwie verdreht. Im Nachhinein merkwürdig, weil es einfach nachts plötzlich "explodierte", aber wie gesagt, da dachte ich mir noch nicht viel dabei und sah vor allem keinen Zusammenhang.
Zu der Zeit brannten Teile unseres Nachbarhofes ab. Ich glaube, ich hatte noch nie soviel Angst, hatte so nah aber auch noch nie eine schwarze Feuerwolke gesehen. Ich schnappte mir einfach nur mein Kind und rannte raus. Und dabei ging es bei meiner Angst gar nicht unbedingt um unser Hab und Gut sondern gefühlt um das eigene Leben in dem kurzen Moment. Ich glaub, ich schrieb es schon irgendwo, aber der Geruch von Feuer ließ mich noch lange nervös werden- und andere waren viel, viel näher dran als ich, aber mein Nervensystem war einfach da schon total auf Hochtouren und reagierte etwas drüber.
Manche Erlebnisse und meine Reaktion/ die Gefühle darauf wurden mir jedoch erst im Laufe der Zeit bewusst (wie gesagt, man schält sich wie eine Zwiebel...):
Ich hatte nach der Geburt meines ersten Kindes schon ein dünneres Nervensystem als vorher und machte mir generell viele Gedanken, wie ich mein Bestes geben könnte, um meinem Kind ein solides psychisches Fundament mitzugeben, damit er später im Leben seinen Wert kennt und sich leiden kann, sich durchsetzen kann, kein Mitläufer wird, trotzdem erfolgreich und beliebt ist. Ihn zu fordern und zu fördern und das in einer tollen Balance und ihm zur Seite zu stehen, seine Gefühle zu fühlen und sie zu halten, wenn er es nicht alleine kann. Dass Co-Regulation aber nur funktioniert, wenn man sich selber gut genug regulieren kann, ist klar. Steht ja auch überall. Aber in welchem Maße es einem Energie abverlangt, vor allem, wenn man es selbst nie so richtig gelernt hat, das konnte ich mir kaum vorstellen. Und mich hat es unfassbar viel Energie und Gedanken gekostet. Zumal mein Sohn kein Selbstläufer ist, er ist anderen gegenüber eher zurückhaltend und brauchte ein hohes Maß an Begleitung, um sich halbwegs sicher zu fühlen. Das fordert natürlich einiges an Energie und triggerte irgendwann auch meinen Geduldsfaden. Gerade die Vergleiche mit anderen -nicht bewusst, aber das passiert ja auch unterbewusst, weil man eben sieht, was anderen mit Kind möglich ist und was in der eigenen Familie wesentlich schwerer funktioniert. Und Instagram und die sozialen Medien machen es nicht besser. Die Flut an Informationen, was man noch versuchen kann, um die Eltern-Kind-Bindung zu stärken, welche Spiele abwechslungsreich und pädagogisch wertvoll sind und wie man noch besser co-reguliert haben mich einfach übermannt. Mein Gehirn ist dafür einfach nicht ausgelegt. Mit der Zeit und mit dem Alter meines Kindes wurde das alles leichter, aber die Grund-Unsicherheit und das innere Gedankenkreiseln blieb und klaute mir unterbewusst mehr Energie als ich annahm.
In der Zeit wurde bei meinem Vater ein Tumor an der Lunge festgestellt. Durch Corona waren Reha-Aufenthalte u.ä. sehr reduziert- mein Vater bekam keine und auch sonst war die Therapie etwas durcheinander bzw. kaum vorhanden. Es dauerte bis er wieder auf die Beine kam und ich hatte das Gefühl, mein Vater ist nicht mehr der alte. Etwas verpeilt war er schon immer, aber ich hatte das Gefühl, er steckt in so einem Loch fest, denkt so realitätsfern und kommt nicht raus. Er hat mich nie um etwas gebeten, aber als Tochter hat man ja trotzdem das Gefühl, dass man gerne helfen möchte und macht sich Gedanken und Sorgen. Der Tod der Eltern ist gefühlt immer so weit weg, aber plötzlich war er näher dran als ich ertragen konnte. Und auch da liefen meine Gedanken Marathon, ein weiterer Punkt, bei welchem mich die Verantwortung übermannte (und wie gesagt, mich hat niemand drum gebeten) und der meinen Geist auf Trab hielt. Alleinstehend, plötzlich Rente und plötzlich krank waren in diesem Fall keine guten Gefährten- zumindest nicht alle auf einen Streich.
Mein Verantwortungsgefühl (und wie ich jetzt ja vermute: Die Angst vor seinem Verlust) war einfach zu groß. Man kann ja bei bestimmten Dinge helfen, aber umsetzen muss es jeder selbst. Und wenn nicht, muss man seine eigenen Gedanken zur Ruhe bringen können. Und das konnte ich nicht. Lerne ich aber jetzt und bin sehr, sehr froh darüber.
Spoiler: Durch meine Recherchen zu meinem Gesundheitszustand und dem Weg da raus konnten wir meinem Vater inzwischen auch ganz, ganz viel weiterhelfen. Durch Ernährung und eine etwas andere Lebensweise (die er jetzt auch wirklich toll umzusetzen versucht), konnten wir einige blutdrucksenkende Medikamente absetzen, er muss sich aufgrund seines Diabetes kein Insulin mehr spritzen, hat 9 Kilo abgenommen und ist insgesamt kaum noch kurzatmig oder so schnell erschöpft wie vorher. Seine Plautze ist zwar noch nicht so verschwunden, wie er es sich wünscht, aber kommt Zeit kommt Figur. Er macht es jedenfalls fantastisch so wie es ihm eben möglich ist. Und ich habe einen guten Weg gefunden, ihn dabei zu begleiten ohne (ok: fast ohne) ständig wütend zu werden, weil er einfach nichts macht und Brötchen und Kuchen als normales Essen ansieht. Und zwar trete ich mit ihm zusammen den neuronalen Pfand in eine bessere Gesundheit aus- "wo die Gedanken hingehen, da wachsen die neuralen Verbindungen". Wir waren also zusammen einkaufen und ich rufe ihn jeden Morgen an. Er hat alle Werte parat und misst viel mehr als er eigentlich müsste, aber ich bekomme ihn da gerade auch nicht von ab und er möchte es gerade auch gerne, weil es dann natürlich auch etwas neugierig macht, wie der Körper reagiert. Besser so, als anders, seine Gesundheit hält ihm den Spiegel vor und da kann er gerade wirklich stolz drauf sein!
Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch 2 Pferde. Ich liebte dieses Hobby und hätte es nie tauschen wollen. Meine Pferde waren allerdings inzwischen schon 28 und 22 Jahre alt und somit nicht mehr die jüngsten und etwas pflegebedürftig. Die Wehwehchen hatten schon vor einiger Zeit eingesetzt, aber wie das so ist, kann man trotz Wehwechen mit ein paar Hilfsmitteln noch ein erfülltes Leben führen. Ich habe mir immer gesagt: Solange meine Pferd laufen, fressen und mit anderen Artgenossen zusammenleben können, dürfen sie bleiben, egal wie alt und hutzelig sie sind.
Meine Stute hatte mit 28 plötzlich Aussetzer, die sie nicht mehr aufstehen ließen- bzw. fiel sie von einem auf den anderen Tag plötzlich immer wieder um (wie ein Baumstamm) und konnte kaum wieder zum Aufstehen gebracht werden. Ich traf zusammen mit ihrer Vorbesitzerin (wir sind gut befreundet und meine Stute stand bei ihr Zuhause vor dem Haus auf der Weise) die Entscheidung, ihr auf keinen Fall mehr Leid als nötig zuzumuten und ließen sie über die Regenbogenbrücke gehen. Mein erstes Herzenspferd. Sie hat mich mehr gelehrt als fast jeder Mensch, den ich je getroffen habe. Ich hatte sie über 20 Jahre lang, sie kannte meinen allerersten Freund aus der Schule aber auch meinen Mann und meinen Sohn. Sie kannte mich verkatert nach Partys mit 16 und nach einer kurzen Nacht mit Baby mit 38. Ich weinte eine Menge Tränen in Ihre Mähne, sie hörte aber auch eine Menge witziger Storys und spürte meine Freude, wenn ich mit ihr ohne Sattel und Trense nur mit Halsring ritt. Das Vertrauen hat sich über soviele Jahre aufgebaut, dass ich mir kaum vorstellen konnte, dass sie irgendwann nicht mehr da ist. Aber: Es wra ein gutes Ende,e s war alternativlos und ich musste mich nie fragen, ob ich noch irgendwas hätte tun können.
Mein zweites Pferd starb 2 Jahre später. Mein anderes Herzenspferd. Er war wild und gerade am Anfang oft unberechenbar, aber ein absoluter Herzensbrecher. Er hatte soviel Quatsch in Kopf und war immer bereit, alle seiner Zirkuslektionen abzuspulen, um ein Leckerlie zu ergattern. Er hat mich oft an meine Grenzen gebracht und darüber hinaus, hat mir aber gezeigt, dass ich immer bei mir selbst anfangen muss, das Problem zu suchen und zu lösen, wenn etwas nicht stimmte. Er hat mich nochmal näher zu mir selbst und meinen Gefühlen gebracht, als ich es selber gekonnt hätte- nichtsdestotrotz war ich echt oft wütend, wenn Dinge nicht geklappt haben oder er sich verweigert hat. Achja, hätte ich ihn jetzt nochmal, würde ich vieles nochmal anders machen bzw. anders fühlen. Auch wenn ich vieles genauso machen würde, weil ich damals schon auf einem guten Weg war. Ich würde dennoch mit viel mehr Leichtigkeit an die Sache herangehen, als ich es damals konnte, nachdem ich wusste, was für Pferde vermeintlich gesund oder eben nicht gesund war...ich würde einfach mehr auf mein Gefühl hören in bestimmten Momenten und nicht auf das, was der Verstand mir sagt.
Er starb mit 23 Jahren an einem Futterball im Magen. Ich weiß noch, wie ich ihn am Freitag Morgen mit einer Freundin in die Klinik zu einer Magenspiegelung brachte- und er da nicht mehr lebendig rauskam. An sich nicht das Ende, was ich mir gewünscht hätte, aber es war eben auch kein Ende nach monatelangem Leiden und pferdeunwürdiger Haltung. Ich sagte dem Tierarzt am Freitag nach der Diagnose, dass wir die Therapie (die daraus bestand, zucker- und koffeinfreie Cola in seinen Magen zu schütten, damit sich der Futterball hoffentlich auflöst) übers Wochenende gern starten können, aber ich nur ein Pferd wieder mit nach Hause nehme, was ein pferdegerechtes Leben führen kann. Hieß für mich: Er kann auf die Koppel mit seinen Pferdekumpels, er kann fressen (auch mit Fütterungsmanagement aber in einem vernünftigen Rahmen und nicht 5x am Tag Möhrenbrei) und hat keine Schmerzen. Aufgrund der Corona-Krise durfte man am Wochenende nicht besuchen (was für ein Quatsch, in einem Pferdestall!!!) und ich fuhr am Freitag Abend noch einmal hin um ihn zu sehen. Ich hatte so eine Migräne, das war unfassbar. Ich weiß es noch wie heute. Auch da hat mich der Stress und die vielen Gedanken in meinem Kopf schon halb aufgefressen. WÄhrend ich das hier schreibe, denke ich mir: Ja, die vielen fliegenden, sorgenvollen Gedanken machen mir Migräne. Viele schnelle Veränderungen vor meinem Auge. Gut zu wissen.
Als ich ihn an diesem Abend besuchte, wurde mir bei seinem Anblick so elend. Er war eigentlich immer ein stabiles Pferd gewesen und nun schaute mir aus der Box wirklich ein altes, dünnes Tinkerchen entgegen, welches aus seinem Maul irgendwie blubberte- aufgrund der Cola in seinem Bauch. Hätte mir jemand die Spritze da schon in die Hand gedrückt, ich hätte ihn selbst erlöst. Aber die Chance auf eine möglicherweise anschlagende Therapie wollte ich ihm nicht nehmen, da er sonst fit war.
Ich versuchte stark zu sein und ihm ein sicheres Gefühl zu geben. Wenn ich das schreibe, muss ich selber etwas innerlich über mich lachen und verdrücke ein Tränchen. Er war ja "nur" ein Pferd. Aber dennoch kam wie immer in solchen Situationen der Glaubenssatz, stark sein zu müssen, un da ist es egal, welchem Lebewesen gegenüber. Fiel mir damals nicht auf, aber heute. Ach Jana. Und jetzt überschwemmt mich ein Haufen Mitgefühl und Tränen für diesen "Charakterzug", der ja eigentlich nur ein angelernter Beschützer aus der Kindheit zu sein scheint und mich selber lange Zeit von diesen Gefühlen bewahrt hat- die jetzt durch diese Krankheit alle an die Oberfläche gebracht werden bzw. durch die Krankheit einen Ausdruck bekommen. Na super. Aber was solls, man lernt ja jeden Tag dazu und ich freu mich drauf, mich noch besser kennenzulernen.
Das WE verging und am Montag morgen beim Baby-Turnen kam der Anruf, dass die Therapie nicht angeschlagen hätte. Wir können es weiter versuchen, aufhören, was auch immer. Für mich war aber klar: Wenn kein vernünftiges Pferdeleben möglich ist, entlasse ich ihn auf den Regenbogen. Wenn ich jetzt an die Situation in der Turnhalle zurückdenke, fühle ich super wenig. Ich war mega gefasst, kontrolliert, fast roboterartig. Ich wusste, was zu tun war, brachte mein Kind nach Hause und fuhr in die Klinik. Ich hatte eine Menge Tränen schon in den paar Wochen davor geweint, ich dachte, es ist einfach nichts mehr übrig.
Am Tor holte mich der Tierarzt ab und sagte: Wundern Sie sich nicht, ich schätze Sie so ein, dassan Ihrer Entscheidung nicht zu rütteln ist. Das Pferd hat eine volle Dröhnung Schmerzmittel bekommen und wirkt munter. Er wolle mir die letzten Minuten mit ihm noch einmal so schenken, wie er ohne Schmerzen ist. Er hole mich in einer halben Stunde ungefähr ab.
Ich sagte noch, ich brauche keine halbe Stunde, aber da war der Tierarzt schlauer als ich. Er ließ mir die Zeit, ich stopfte eine Menge Möhren, Bananen und Äpfel in mein Pferd und machte ein paar Kunststückchen in der Box. Er war wie ausgewechselt und ich verstehe, dass manch anderer in dieser Situation den Entschluss, sein Tier gehen zu lassen, doch zurücknimmt. Kam für mich nicht in Frage und ich bin dem Arzt heute noch dankbar, dass er mir diese letzten Minuten mit meinem Pferd quasi aufgezwungen hat. Ich hätte es schneller hinter mich bringen wollen. Nicht, weil ich so realistisch war, wie ich dachte (also das bin ich generell schon, aber in solchen Momenten ist es etwas anders gelagert), sondern weil ich diese Gefühle nicht aushalten kann.
Die Pferde fehlen mir sehr, auch die Bewegung drum herum und ich freue mich, das Hoby irgendwann wieder aufzunehmen.
Wenn ich auf der Arbeit viel am PC saß und meine Augen schnell hin- und her schwappten oder ich in einer blöden Sitzposition auf dem Sofa mit Laptop auf dem Schoß lümmelte, bekam ich schnell Migräne (siehe oben). Was ich inzwischen weiß: Schnelle Bewegungen oder die blöde Sitzposition, die dir in der Halswirbelsäule etwas abklemmt, erzeugen Stress und sagen dem Nervensystem ja: Vorsicht! Tiger im Anmarsch! Der Atem wird flacher, die Muskeln spannen sich an usw. Und auch jetzt merke ich das schnell, wenn ich tippe- es ist so schwer, langsam zu tippen. Aber ich versuche mein Bestes. Denn jetzt ist mir klar, warum ich so oft Migräne bekam. Wenn meine Biochemie stundenlang vor einem Tiger flüchtet, auch wenn ich eigentlich nur sitze, machen diese Symptome total Sinn. Und dass der Körper danach eine Auszeit von den unterschiedlichen Reizen braucht und mich ein paar Tage auf die Matte streckt, auch. Ich habe vermutet, woran es lag, aber da ich ja funktionieren wollte, nahm ich Kopfschmerztabletten und versuchte weiter zu machen. Und die Kopfschmerzen gingen trotzdem nicht weg sondern waren unterschwellig noch da. Heute mache ich eine kleine Pause, höre und fühle in mich rein und versuche diese Symptome bildlich loszulassen. Und ich traue es mich gar nicht zu sagen und klopfe gedanklich auf Holz, meine Kopfschmerzschübe haben sich auch ohne Tablette, auf die ich zugunsten meiner Leber verzichte, von 3 Tagen auf 1,5 Tage reduziert. Und da bin ich wirklich stolz auf mich, weil es mit harter Arbeit zu einer neuen Einstellung verbunden ist. Was las ich neulich? "Der Preis für ein neues Leben ist Dein altes". Und es stimmt irgendwie. Und es fallen auch nicht nur die schönen Dinge weg, sie werden anders. Und nicht, weil man sich damit arrangiert sondern weil der Grund, Dinge zu tun oder zu lassen einfach ein anderer wird. Und ich will auch nicht mehr zurück in das alte Getriebensein, auch wenn es natürlich auch immer mit schönen Erlebnissen oder sozialen Erfahrungen verbunden war. Gerade lebt mehr die Qualität statt Quantität.
Die Migräne hatte ich aber nicht seit meiner Kindheit- sie fing erst nach einem Reitunfall an, bei dem ich zwischenzeitlich auch bewusstlos war und einige Tage im Krankenhaus verbrachte. Mein Kopf wurde ins MRT gesteckt, meine Halswirbelsäule leider nicht. Die Zeit um den Unfall herum war aber auch deshalb so verändernd, weil ich meine Ausbildung abgeschlossen habe, meinen ersten Job anfing (den ich im Übrigen quasi immer noch mache) und nebenbei noch angefangen habe zu studieren.
Ich dachte deshalb lange, dass es einfach der Stress der vielen Verpflichtungen ist, der mir die Migräne bereitet und habe gar nicht mehr an den Reitunfall gedacht. Erst durch die Behandlung meiner Heilpraktikerin kam das Thema nochmal auf mit dem Hinweis auf ein mögliches Halswirbelsäulentrauma/ instabiles Kopfgelenk. Das Problem: Man sieht das im normalen MRT wohl oft nicht, weil man ja nur liegt und sich nicht bewegt. Ich habe gerade bei schiefem Liegen auch schon lange das Problem mit Schwindel und dass mir der Blutdruck absackt- Ich habe für mich entschieden, diesem Thema nochmal näher nachzugehen, da es mir durch regelmäßige Osteopathiebehandlungen und isometrische Übungen für die Halswirbelsäule besser geht. Ein weiteres Puzzleteil nur, aber es ist immerhin eines auf dem Weg zurück in mein neues altes Leben. Aber: Kostet mich wahrscheinlich auch wieder eigenes Geld, weil die Krankenkasse das Upright-MRT nicht unbedingt voll übernimmt.
Ich hatte schon immer das Gefühl, zu dick zu sein. Egal wie ich aussah. Ich weiß, es scheint ein Frauenproblem zu sein, aber trotzdem. Mein Geist und mein Körper scheinen irgendwie nicht ganz zusammenzupassen. Dazu hat mit SIcherheit auch nicht beigetragen, dass einer meiner Mitschüler in der 7. Klasse im Landschulheim einmal zu mir sagte: Boah, Du bist echt ein fettes Schwein. Ich war ehrlich gesagt glaub ich recht normal, aber der Spruch hat mit Sicherheit nicht dazu beigetragen, mich okay zu fühlen sondern immer irgendwie falsch.
Auch heute, wo ich mit 63 Kilo auf 172 mit Sicherheit nicht dick bin, sehe ich für mich selbst nicht anders aus als vorher. Das ist so irre. Ich fühle mich anders an, aber im Spiegel sehe ich kein anders Bild. Aber: Ich fühle mich nicht mehr so falsch wie damals. Das macht wahrscheinlich einfach das Alter, ist aber auch immer wieder Übrungssache. Ich bin nämlich echt okay! :)
Meine ganze Familie ist eher der Typ "Kartoffel auf Stelzen" und ich dachte immer, das sei einfach familiär. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass der Großteil des Bauches einfach schon immer durch bestimmte Nahrungsmittelunverträglichkeiten aufgebläht war. Ich bekam als Kind aufgrund ständiger Mandelentzündungen oft Antibiotika, bis zur Herausnahme meiner Mandeln in der 3. Klasse. Dass das Darmmikrobiom davon nicht besser wird, ist heute wahrscheinlich bekannter als damals. Und dass die Mandelentzündung ja nur ein Symptom war und die Ursache durch das Herausnehmen nicht weg war sondern immer noch da und somit einen anderen körperlichen Ausdruck benötigte- davon brauchen wir nicht anfangen. Gerade heute habe ich mich gefragt, ob mein ich schon einen Blähbauch bekomme, wenn ich emotionalen Stress habe- das ist mir heute jedoch zum ersten Mal aufgefallen, wahrscheinlich weil ich in den letzten Monaten immer wieder in mich hineingehorcht habe, wo sich der Stress in meinem Körper bemerkbar macht und das ist vor allem der Bauch. Aber auch hier gilt: Einfach mal locker hingucken und seine Schlüsse daraus ziehen.
Jetzt darf sich mein Körper also auf ein neues Darmmilieu einlassen und es ist auch okay, dass das nicht immer leicht ist und wieder andere Symptome beschert. Also immer dran denken: Darm aufbauen, wenn man Antibiotika wirklich braucht, weil nichts anderes hilft. Heutzutage wird gefühlt sehr leichtfertig damit umgegangen, weil man schnell wieder einsatzbereit sein möchte.
Und mein Gehirn darf sich nun in einen neuen Körper hineinschauen und den Fokus weg von einzelnen Körperstellen hin zu einem insgesamt guten Körpergefühl lenken. Aber vor dem SPiegel zu sitzen und sagen, wie sehr ich mich gern habe, fühlt sich einfach noch komisch an. Dafür brauche ich noch einen anderen Zugang, aber kommt Zeit, kommt Idee...
Ich könnte jetzt wahrscheinlich noch eine Menge anderer Dinge schreiben, die mir rückblickend eingefallen sind, aber das hier sind die prägnantesten und von denen ich mir sicher bin, dass jeder solche Situation auch irgendwie kennt und durchgemacht hat. Ich versuche meinen Kinder den Rücken zu stärken, damit sie selbst ein besseres Körpergefühl und eine gute Beziehung zu sich selbst entwickeln und hoffe, dass ich zumindest einen kleinen Teil beitragen kann.
Blick in die Zukunft
Den Weg zurück zur alten Jana und zum alten Leben gibt es für mich nicht. Viele der alten Glaubenssätze, die mich haben durchs Leben hasten lassen und die mich unterbewusst so bewegt und meine Gedanken dominiert haben, konnte ich mir anschauen und kann erlauben, dass ich sie loslassen kann- weil sie mir einfach keinen Nutzen mehr bringen.
Ein normales, volles und schnelles Leben wie vorher ist für mich gerade nicht vorstellbar- spannenderweise aber auch überhaupt nicht mein Ziel. Ich komme viel mehr in mir an, lerne wieder mehr, mit "Langeweile" (denn meinem Gehirn ist wirklich schnell langweilig, aber auch das ist ja erstmal nur Biochemie und Gewohnheit) und mir selbst auszukommen und sie nicht mit Putzen oder sonstigen Aktivitäten zu füllen, weil ich denke, dass das jetzt sein muss. Denn da gäbe es genug. Ich versuche gerade immer noch zu schauen, was eigentlich wirklich wichtig für mich ist. Und den Unterschied zu merken, welche Handlungen und Gefühle aus falschen Glaubenssätzen kommen und was wirklich aus mir Selbst heraus.
An manchen Tagen habe ich das Gefühl, ich passe eigentlich gar nicht so richtig in diese Welt. Ich fühle mich so oft wie Pippi Langstrumpf. Ein verrücktes Naturmädchen, welchesmitguter Laune in den Tag startet und wenig Grenzen kennt. Ich gehe immer davon aus, dass das schon funktionieren wird, was ich tu. Viel Kreativität. Wild. Durcheinander, aber nicht (mehr) unzufrieden mit dem Durcheinander.
Wenn ich momentan in mich hineinhorche ist das größte Problem, dass ich nicht genug Zeit habe- alles selbst zu machen, was ich selbst machen will, alles zu lernen, was ich wissen will (und das ist echt viel, von Joghurt zubereiten bis Kräuter anpflanzen und einen Nutzgarten anlegen, mit welchem ich uns selbst versorgen kann ist alles dabei. Und manches wirklich utopisch, aber ich hätte Lust drauf :)) Soviel zum Thema Langeweile...Nun gilt es zu priorisieren und eine Sache nach der anderen zu machen. Das Gehirn weiter neu zu verdrahten und auf mehr Ruhe im Kopf zu programmieren. Körperliche Ertüchtigung im machbaren Rahmen in den Tag zu integrieren. Und ihn mit viel mehr Leichtigkeit zu füllen, als ich gedacht habe, dass es mit Kindern möglich ist.
Ich freue mich drauf, irgendwann wieder in meinem Job zu arbeiten. Es ist ein kreativer Job mit vielen Möglichkeiten zur freien Entfaltung und der Umsetzung von Ideen. Hört sich komisch an für einen Job im Finanzsektor aber so fühlt er sich für mich an. Und mit einem guten Maß an Struktur und Routinen. Und mir macht er einfach Spaß, weil man viel Neues aus der Welt erfährt.
Ich freue mich auf einen ersten wirklichen Urlaub seit 2 Jahren mit meiner Familie. Auch wenn er eher ruhig wird, aber egal. Zusammen wegfahren zu können stand für mich lange, lange Zeit nicht mehr auf der Agenda, umso mehr freue ich mich auf das Meer und den Wind um die Nase.
Was ich mir und Euch mit meinem Geschreibsel sagen möchte:
Man kann den eigenen Weg in eine bessere Gesundheit zurück finden. Aber manchmal muss man bereit sein, richtig lieb gewonnene Routinen oder Beziehungen, von denen man glaubt, dass sie wichtig sind oder einen ausmachen, neu überdenken und vielleicht über den Haufen werfen.
Ich habe keine Ahnung, wie es bei mir weitergehen wird. Mit meinem Umfeld, meinen Freunden, meiner Freizeit- aber ich weiß, dass es einen verdammten Grund gibt, warum mir das passiert ist und dass es etwas Gutes bewirkt. Einiges erkenne ich schon jetzt sehr genau, manches liegt noch etwas im Nebel. Aber ich freue mich drauf, den Nebel zu lichten, auch wenn es manchmal eine echt düstere und angsteinflößende Veränderung ist.
Und wenn auch Du manchmal denkst, dass es so schlimm ist und Du nicht weißt, wie es weiter gehen soll:
Es geht weiter. Tag für Tag. Die Sonne geht auf und sie geht wieder unter. Du kannst immer wieder neu entscheiden, wie Du in den Tag starten möchtest, wie Du ihn sehen möchtest, trotz aller Einschränkungen. Und es wird bestimmt auch für Dich eine Wendung geben. Vielleicht langsam, vielleicht schnell. Egal.
Ich drücke Dir alle Daumen und wünsche Dir ganz viel Kraft, Mut und Zuversicht- bleib dran, es wird sich lohnen.
In Liebe, Jana
Aber immer, wenn ich mich längere Zeit in Gesellschaft begab
Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich meiner Ärztin die Tür einlief, weil es monatelang nicht besser wurde und immer neue Symptome dazukamen

