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Nicht ohne meine Kinder- leider doch. Zumindest für eine gewisse Zeit, als jegliche Reize schier unerträglich waren.

10. Mai
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Juli


Im Januar 2025 ging es mir so schlecht, dass ich Reize kaum noch ertragen konnte. Egal ob Licht, Lautstärke, Gerüche- und meine Kinder. Dazu kam, dass mir das Gefühl der Verantwortung (egal für was) oder das Entscheidungen treffen den Kopf klingeln ließ, Gerade dann, wenn es laut wurde (was einem 5-Jähringen, wilden Jungen und einem Baby mit 6 Monaten keine Seltenheit war), "klappte mein Gehirn zusammen". Anders kann ich meinen Zustand und das Gefühl nicht beschreiben. Ich konnte plötzlich nicht mehr denken und keinen Reize mehr ertragen. Von jetzt auf gleich musste ich alleine in ein Zimmer und mich "ausruhen", auch wenn ich mich körperlich eigentlich gar nicht danach fühlte und auch etwas ganz anderes wollte. Ich wollte dabei sein, mit meinen Kindern spielen, mich mit meinem Mann, meiner Familie und meinen Freunden unterhalten. Telefonieren, fernsehen, Hörbuch hören- irgendwas, damit diese furchtbaren Tage mit den beängstigenden Symptomen schneller vorübergehen. Es ist so unwahrscheinlich zermürbend, nur im eigenen Kopf zu leben, der sich bestenfalls mit tollen Gedanken beschäftigen soll, damit die Ängste und Sorgen über den eigenen Zustand nicht über die neuronalen Netzwerke die Biochemie des Körpers negativ beeinflussen. Haha, hat so gar nicht geklappt. Bei mir ging es dann soweit, dass ich Angst hatte, mit meinen Kindern zusammen zu sein, weil das meinen Zustand ständig verschlechterte. Aber teilweise auch erst Stunden oder Tage später. Immer, wenn ich dachte, juchu, jetzt gehts und es war ein "normaler Tag"- ging es mir kurz darauf wieder schlechter. Wer soll denn das bitte verstehen? Und dann kam ich irgendwann in einen Teufelskreis der Gedanken. Ich wollte mich mit meinen Kindern beschäftigen, Verantwortung übernehmen, meinen Teil beitragen. Eine Mutter sein, die sich mit Liebe um ihre Kinder kümmert. Die nicht immer sagen möchte: Sei bitte leiser, sei nicht so wild, Mama kann nicht usw. Und als es einmal zu laut war, war ich so schnell überreizt, dass ich meinen 5-Jährigen, der nur einen Witz machen wollte und an mir gezogen hat, so plötzlich panisch anschrie, dass er bitte damit aufhören soll, dass nicht nur er sondern auch ich mich unfassbar erschrocken habe.

Mein Sohn hat die Welt nicht mehr verstanden, was mit mir los war. Warum alle ständig sagten, er könne nicht zur Mama und dass er ständig so leise sein muss. Und ich konnte es selbst nicht verstehen. Meine Angst davor, dass ich meinem Kind ein Trauma zufüge, weil ich als Mutter irgendwie versage, war nun irgendwie die beinharte Realität. Und ich habe mir davor eine Menge Kleinigkeiten ausgemalt, was mein Kind traumatisieren würde, wenn ich Bedürfnisse nicht schnell genug befriedige oder auch mal wütend bin. Wenn ich den Schnulli zu früh wegnehme, wenn ich rausgehe und sie bei Oma und Opa lasse und geweint wird. Ich habe das zwar alles gemacht und "durchgezogen", aber innerlich hat mich das Gefühl oft zerrissen. Im Nachhinein so ein Quatsch.

Aber u.a. durch soziale Medien war mein Bild einer guten Mutter doch etwas aus den Fugen geraten und kurz darauf wurde es auch klarer, wieso es mir so ging.


Psychotherapeutische Hilfe zu bekommen ist heutzutage echt ein Glücksspiel. Ich hatte Glück und konnte nach einigen Probesitzungen als Springerin in einer Praxis für Psychotherapie unterkommen. Da es aus bestimmten Gründen längere Pausen gab, habe ich mir dazu noch auf privat zu bezahlendem Weg Hilfe gesucht. Und: Was besseres hätte mir nicht passieren können.


Nach Sitzungen, die ich mit einer Traumatherapeutin anfing, kam heraus, dass meine Angst davor, dass meine Kinder schaden nehmen könnten, transgenerationaler Natur sind und eigentlich ein Thema meiner Mutter war, welche vor und nach meiner Geburt mit Panikattacken zu kämpfen hatte und immer gehofft hat, dass sie diese nicht während der Schwangerschaft hat. Hatte sie nicht, aber ihr neuronales Muster färbt natürlich auch das meine als Baby und im Kleinkindalter ab. Meine Therapeutin sagte: Wenn Deine Mama in den ersten 2 Jahren ein instabiles Nervensystem hat, dann übernimmt das Baby das, weil es sich an dem Nervensystem der Mutter (oder dem/der Erziehenden) orientiert. Hab ich.

Und ironischerweise hat sich meiner Mutter damals Hilfe gesucht, als ich 6 war. Also war ich damals, als meine Mutter eine Weile in einer stationären Therapie war, ungefähr im gleichen Alter wie mein Sohn, der plötzlich ebenfalls weitestgehend ohne mich klarkommen musste. Manche DInge aus der Vergangenheit wiederholen sich also wirklich.

Zum Glück haben meine Familie und vor allem mein Mann großartige Arbeit geleistet, dass die Kinder ihre Bedürfnisse vor allem nach Nähe und Geborgenheit zusammen mit ihnen leben konnten. Die Mitglieder meiner Familie sind die Helden meiner Reise.

Ich bin, um mein Nervensystem so wenig wie möglich zu belasten, zu meinem Vater in seine 2-Zimmerwohnung nach Hannover gezogen. Ich schlief in seinem Schlafzimmer, er auf dem Sofa. Ich hatte mir mein Leben mit 40 irgendwie anders vorgestellt.

Er sagte einen Satz zu mir, den ich nie vergesen werde: "Du warst nie eine Last für mich und wirst es auch jetzt nicht sein". Gibt es schönere Worte? Ich weiß es nicht.

Da es in der Zeit gesundheitlich so schnell bergab ging, dass ich oft überlegt habe, ob ich einen Krankenwagen brauche, hatte ich Angst allein zu sein. So blieb mein Vater bei mir und meine Mutter fuhr morgens in der früh zu meinem Mann nach Hause um sich um meine Kinder zu kümmern (Gott sei Dank sind meine Eltern getrennte Rentner). War das ein blödes Gefühl. Aber es ging irgendwie nicht anders um gesund zu werden. Mein Mann versuchte sich zwischen Vollzeit-Job und Kinderbetreuung (und alles, was damit im Haushalt zusammenhängt) aufzuteilen und tat dies mit ller Hingabe, die es ihm neben dem Job möglich war.

Ich besuchte die Kinder jeden 2. Tag- mein Vater musste mich fahren, da ich zu dem Zeitpunkt noch nicht Autofahren konnte und diese Zeiten dann zum Runterfahren des Nervensystems mit Meditationen nutzen musste.

So wurschtelte ich mich Stück für Stück wieder zurück ins Mutti-Leben. Denn was auch immer die Ursache für mein dysreguliertes Nervensystem war: Bewusstes Pacing, Arbeit mit den eigenen Triggern und falschen Glaubenssätzen sowie der Mut, immer mal wieder was zu probieren, auch wenn es mich zurückwirft, brachten mich Schritt für Schritt für Schritt voran. Ich bin nicht besonders geduldig und es dauerte bzw. dauert manchmal alles viel zu lang. Gesund werden eben auch. Aber ich habe irgendwann den Punkt erreicht, an dem ich das akzeptiert habe und seither gehts mir wesentlich besser. Meistens. Manchmal nervts mich auch echt noch doll. Aber auch das versuche ich dann zu akzeptieren und dann gehts:)

Nach 6 Wochen kam ich zurück nach Hause und versuchte mich erneut, hier im Gewusel eine gute Balance zu finden. Neben der Meditation, meiner Arbeit an meinen Gedanken und Gefühlen hatte ich generell einen sehr gleichmäßigen Tagesablauf. Ich konnte recht schnell mein Kind wieder in den Kindergarten bringen. Zwar mit Symptomen, aber auch mit Mut und dem Bewusstsein, dass ich danach erstmal wieder eine Pause einlege. Ich traf mich mit Freunden- kurz. Und auch dann hörte ich auf mein Nervensystem, wenn es eine Pause brauchte und zog mich zurück. Ohne Kopfhöhrer ging ich nirgendwohin, quasi "Meditationsmöglichkeit to go" um das Aussen eine Weile komplett auszublenden.

Das "Mit-den-Kindern-Sein" stand für mich im Vordergrund; einkaufen, Hausalt etc. musste mein Mann mithilfe meiner Mutter weiterhin erledigen. Es vergingen noch einige Monate, bis ich das selbst tun konnte- erst alleine, zu einem Supermarkt in der Nähe, dann auch mit einem KInd oder sogar beiden Kindern.


Und auch jetzt haushalte ich noch mit meiner Energie. Ich überlege mir vorher, was in meinen Tag passt, versuche aber, keine große Angst davor zu haben, falls es doch mal zuviel ist sondern versuche meine Gedanken und Gefühle so zu nehmen wie sie kommen.

Das Zusammensein mit den Kindern steht für mich dabei immer noch klar vor dem Haushalt oder dem Aufräumen. DIe Zeit ist einfach zu wertvoll und zu kurz, gerade, wenn sie noch so klein sind.

Aber zu ertragen, dass es dann manchmal einfach aussieht, wie es aussieht, wenn man DInge nicht wegräumt- das steht auf einem ganz anderen Blatt. Aber ich übe. Jeden Tag. Weil es eigentlich auch völlig egal ist, ob es jeden Abend aussieht wie im Möbelhaus und jedes Teil seinen Platz hat, wenn der Preis dafür die Gesundheit ist. Zumindest für eine Weile.

Die Verantwortung erschlägt mich gedanklich nicht mehr und da ich meine Traumata angegangen bin, reagiert mein Nervensystem wesentlich weniger empfindlich, wenn ich den Kindern gegenüber Grenzen setze oder auch einfach mal aus Versehen ungerecht bin und sie weinen oder schreien. Ich kann mir selber mehr vergeben, wenn ich Fehler mache und höre meinem Bauchgefühl wieder mehr zu. Und den sozialen Medien und den möglichen Ansprüchen des Umfelds etwas weniger.


Leichtigkeit geht raus an Euch!

Jana







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