Gefühle und Gedanken beeinflussen
Aktualisiert: 7. Juli

Ich habe mich immer gefragt, wie das gehen soll: Gefühle und Gedanken beeinflussen. Sie sind ja einfach da, was soll man da tun? Wenn man plötzlich wütend wird wie von der Tarantel gestochen (ob man es rauslässt oder nicht ist ja die andere Frage) oder traurig oder verzweifelt. Gerade diese schweren Gefühle möchte man gerne schnell weghaben, stehen sie doch nur im Weg beim Funktionieren und werfen irgendwie einen komisches Bild auf einen. Niemand möchte zu traurig, zu unentschlossen, zu deprimiert, zu erschöpft, zu verzweifelt, zu irgendwas sein. Fröhlich und gut gelaunt, perfekt organisiert, beliebt, voller Freude und Hoffnung- jahaa, das möchte man gern immer sein. Ich bin das zum Großteil Gott sei Dank auch schon- aber wenn dann mal diese kleinen, "negativen" Stimmungen da sind, wische ich da gern mal drüber wie über einen dreckigen Tisch. Zack, schnell weg, weiter gehts. Nicht zu sehr rumhängen, aufraffen ist angesagt. Und genau da dachte ich immer, das bin ich. Ich bin das Aufraffen, die Energie, das Tun. Ich habe aber leider verdrängt, dass der andere Teil auch zu mir gehört und auch gesehen werden darf. Und dafür braucht man Zeit mit sich alleine- ohne Ablenkung. Ohne Handy, ohne Fernsehen, ohne To-Do-Liste. Und das muss man erstmal aushalten, wenn der Geist einem suggeriert, dass man doch soviel zu tun hat und dass Hinsetzen eine echt schlechte Idee ist. Das könnte man ja auch danach machen, wenn alles fertig ist, was man sonst noch zu tun hat.
Und genau diese kleinen Gedanken kann man wahrnehmen und die Gefühle, die daraus entstehen, in andere Bahnen lenken. Man kann verstehen, dass man nicht seine Gedanken ist und sie einfach nur Gedanken sind, die aus Erfahrungen entstanden sind. Dass sie ein Teil von einem sind, aber eben nicht man selbst. Und man aus vielen Anteilen besteht, die je nach Situation ihre Erfahrungen und Gedanken und Ängste kundtun. Man selbst ist der Himmel, aber nicht die Wolken, die an einem vorbeischweben.
Man muss sich nicht mit seinen Gedanken identifizieren, es sind nur Gedanken, nicht die Wahrheit. Aber sie machen eben was mit der Biochemie im Körper, wenn man sie einfach laufen lässt. Und mal ehrlich, wieviel davon sind einfach nur Hirngespinste, Angst vor der Zukunft, Rückblicke in die Vergangenheit, Erinnerung an zukünftige Dinge, die zu erledigen sind?
Das Gute: Mann kann sein Gehirn umtrainieren, nicht den Pfad in die blöde Biochemie zu nehmen sondern in die Gute. Dass man z.B. nicht das Versagen sieht oder Faulheit, wenn man nichts tut, sondern einfach die sehr wohltuende Auszeit für Geist und Körper, die heilsam ist. Und die zuerst dran ist, wenn man sie braucht und nicht erst zum Schluss.
Dass man an Tagen mit wenig Energie sich diese einteilt und sich dafür feiert, weil man so gut auf sich Acht gibt und nicht, sich dafür maßregelt, schon wieder nichts geschafft zu haben.
Dass die Zeit mit Kindern nicht geschafft werden muss, bis man abends endlich Feierabend hat sondern man diese Zeiten sich ganz bewusst wahrnimmt und ihr mit Freude und Kraft begegnet.
Alles ist nur ein Gedanke- ob ich nun positiv oder negativ denke über das was ich tu oder lasse. Insofern ist es dann doch eigentlich auch wurscht, ob ich ihn nun mit positiven oder negativen Gefühlen belege. Ich entscheide mich jeden Tag dafür, mir meine Gedanken anzuschauen und seien sie noch so klein. Und sie zu nehmen, zu stoppen und umzutrainieren, bis ein besseres Gefühl und bessere Biochemie aufkommt. Und das geht. Habe ich neulich oft noch gedacht "Mann, kann ich nicht mal 2 Minuten was machen ohne dass mich eins der Kinder nervt" denke ich inzwischen eher: Okay, sie sind noch klein und brauchen einen einfach noch sehr, und genau diese Zeit bringt einem keiner wieder. Genieß sie. Du bist die Ruhe im Sturm". Und ja, es funktioniert nicht immer, aber oft. Und das Gefühl, was am Ende bei rumkommt, ist ein wesentlich angenehmeres als bisher und klaut mir kaum Energie. Die Tätigkeit selber schon, klar, aber das Genervtsein und sich drüber ärgern klaut viel mehr. Insofern bin ich gerade sehr froh, diese Techniken jeden Tag zu üben, um meine Sicht auf die Dinge noch weiter zu erleichtern und mich von alten Gedankenmustern zu trennen. Denn oft ist es ja gar nicht man selbst, die es sich so schwer macht, sondern nur die komischen alten Glaubenssätze aus der Vergangenheit und die eigene Erfahrung (wie gesagt, man ist nicht seine Gedanken). Und das geht nicht von heute auf morgen, aber eben Stück für Stück.
Denn wir haben es alle verdient: Ein Leben mit mehr Leichtigkeit als Schwere. Und dafür können wir selber eine ganze Menge tun! Der Preis dafür: Das alte Leben. Zumindest in Teilen. Und zwar die Teile, die uns nicht mehr dienlich sind. Die anderen dienlichen und tollen Teile bleiben da. Und wenn etwas wegfällt, von dem man dachte, es war doch toll- kommt man danach vielleicht zu dem Schluss, dass es das gar nicht war. Zumindest nicht so. Haltet die Augen und das Herz offen, es kommt Gutes!

