Zugehörigkeit neu schaffen
Aktualisiert: 7. Juli

Im Leben geht es ja manchmal echt bunt zu. Und es verändert sich soviel. Und man ist so ein Gewohnheitstier. Ich mag total gerne Neues, ich mag Abenteuer und ich mag Aufregendes- eingebettet in ein sicheres Netz, in das ich zurückfallen kann.
Und seit der Geburt meines ersten Kindes gab es soviel, was mich an vielen Stellen hat den Halt in mich selbst verlieren lassen.
Ich wurde Mutter. Ich hatte plötzlich Herausforderungen zu meistern, von denen ich zwar theoretisch wusste, dass sie kommen würden, aber das Gefühl dahinter, etwas Grundlegendes falsch machen zu können und das Leben meines Kindes irgendwie negativ beeinflussen zu können, war plötzlich riesengroß. Mein Bauchgefühl futsch.
Der Alltag, in dem man sich oft mit Freunden traf, Dinge unternahm usw. änderte sich- nicht nur weil ich ein Kind hatte, sondern weil die anderen auch eins oder mehrere hatten und man im Alltag nur noch schlecht zusammen kam. Und vor allem nicht immer an einem Donnerstag Abend, sondern plötzlich so gut wie gar nicht mehr. Ich hatte das Gefühl, ich war eine der wenigen aus meinem einen Freundeskreis, welche noch Lust hatte sich zu treffen- und es hatte selten jemand Zeit. Oder auch die Muße, selbst einen anderen Termin vorzuschlagen. Das war plötzlich auch alles gefühlt so kompliziert und musste geplant werden. Wie soviel anderes geplant und überdacht werden musste.
Dazu kam Corona. Für mich und meine Familie am Anfang der Babyzeit eher ein Segen, weil wir alle gemeinsam zuhause sein konnten, da plötzlich Homeoffice möglich war- aber wir hatten auch einen Garten und kamen regelmäßig raus. Aber wir waren eben auch viel isolierter, als wir es jemals vorher waren.
Gefühlt ist diese Zeit ewig lange her und ich hoffe, sie kommt so nicht wieder. Und auch danach ging das Leben erstmal nicht "normal" weiter sondern im Bereich der Zusammenkünfte schwang immer etwas Unsicherheit mit.
Kurz darauf verstarb das erste meiner beiden Pferde. Es begleitete mich seitdem ich 16 war und war ein Seelenpferd. Sie war alt und es war auch okay, aber dennoch sehr traurig.
1,5 Jahre später verstarb mein 2. Herzenspferd. Auch er war alt und es war okay, aber dennoch war es ein weiterer großer Verlust. Nicht nur der Verlust eines Lebewesens sondern eines Hobbies, einer Gruppe, der man viele Jahre angehörig war. Der Reitsport hat meine Woche getaktet, meine Alltag bestimmt- der Rest lief ein wenig drum herum, weil ich meine Pferde versorgen musste- was auch immer sonst in meinem Leben passierte.
Und da man mit Kindern ja einen neuen Alltag hat, merkte ich gar nicht bewusst, was in mir los war- aber ich fühlte mich plötzlich überall irgendwie fehl am Platz. Ich lernte nette Leute kennen, das schon. Aber so eng, dass man sich ständig zum Quatschen und spielen traf, war es nicht. Das dauert eben seine Zeit. Und das fehlte mir- diese enge Verbindung zu Menschen, mit denen man schon viele Erfahrungen und Erlebnisse teilte und einfach "man selbst" sein konnte. In Jogginghose und zotteligen Haaren und unaufgeräumter Bude.
Und da mein Kind keines der Kinder war, welches unbedingt andere Kinder um sicher herum haben wollte, belegten wir auch keine Nachmittagskurse wie viele andere. Während andere Kinder Kurse an 3 Nachmittagen machten (wir haben auch einige gestartet, aber spätestens, wenn wir wirklich angemeldet waren, wollte mein Kind nicht mehr hin. Und ihn unter Tränen ins Auto zu zerren- das brachte ich einfach nicht übers Herz, es sollte ja für ihn eine Bereicherung sein) war mein Kind froh, endlich allein zu Hause mit mir zu sein.
Somit war der Aufbau von neuen, tieferen Bekanntschaften irgendwie schwieriger als ich dachte und ich fühlte mich im Gegensatz zu früher einfach nirgendwo dazugehörig.
In meinem Job entwickelte sich meine bisherige Abteilung durch Umstrukturierung des Unternehmens plötzlich auch in eine gänzlich andere Richtung- ich wollte mir gern anschauen, wie es dort läuft und was ich dort noch lernen kann. Ich bemühte mich, in allem einen Sinn zu sehen und mein Bestes zu geben. Mein Chef -und ich mochte ihn persönlich sehr gern- hatte aber irgendwie das Gefühl, dass ich es nicht gut und verlässlich genug machte. Was mich wirklich persönlich getroffen hat, zumal ich oft noch bis abends um 22 Uhr an irgendwelchen Dingen saß. Denn wenn alte Aufgaben nicht wegfallen und viele andere dazukommen, dann kann man irgendwann nur noch da die Feuer austreten, wo sie am meisten brennen. Viele Dinge lagen mir aber auch einfach nicht bzw. machten mir viel, viel weniger Spaß als es sein sollte, sodass ich mich entschied, den Job zu wechseln. Und wieder das zu machen, was mir seit Jahren Spaß macht.
Zwischen meinem ersten und zweiten Kind fing ich an mit einer Freundin regelmäßig Tennis zu spielen bei einer Trainerin- sooo, soo cool! Und dann erwischte mich ein Problem am Knie und ich musste pausieren, und dann war ich schwanger und konnte auch nicht mehr so wie ich wollte.
Was ich inzwischen gelernt habe: Mein Nervensystem war schon da einfach sehr gereizt und mein Immunsystem hat übermäßig viel geleistet. Sowohl durch den gedanklichen Stress als auch die körperlichen Aktivitäten und Umstände musste es eine Menge tun. Und wo ich das gerade aufschreibe und selber lese (und ich habe bestimmt einiges vergessen), denke ich mir: Puh, Jana, kein Wunder, dass Dein Körper schlappgemacht hat.
Und gerade mein Nervensystem hat dann Sicherheit im Außen und bei anderen gesucht, die es in mir zu der Zeit nicht finden konnte. Und war da auch nicht so erfolgreich, weil man die benötigte Sicherheit einfach nicht im Außen bekommt.
Durch viele Meditationen, Dankbarkeitsübungen, Schreiben usw. konnte ich mich aber inzwischen wieder viel mehr mit mir selbst verbinden. Was ich mir wünsche und was ich brauche. Wirklich brauche und nicht, was ich denke zu brauchen. Ich fühle mich wieder viel mehr zugehörig- zu mir und der Welt um mich herum und brauche die Beschäftigungen mit anderen oder im Außen nicht mehr so wie noch vor ein paar Jahren. Also ich mag das immer noch sehr gerne, aber der Treiber dahinter ist ein anderer. Ich habe mir dazu mal eine Meditation aufgenommen, die ihr im Bereich der Übungen findet. Sie heißt: Es ist genug. Und je öfter man sich das bewusst macht, desto mehr kommt es auch ins eigene Gefühl, dass alles gut ist und man nicht noch mehr braucht, um glücklich zu sein.
Und wie es so ist, entwicklen sich dann auch tiefere Verbindungen mit den Menschen, die man eben jetzt auch schon ein paar Jahre durch die Kinder kennt und ich freue mich auf das (und die), was mir in den nächsten Jahren noch begegnet. Und es gibt immer noch Momente, wo ich mich plötzlich etwas lost fühle, gerade in Verbindung mit neuen Leuten, aber ich bin sicher, auch da finde ich wieder in meine alte Form zurück!

