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Zu seiner Meinung stehen und sich innerlich dafür nicht entschuldigen müssen

20. Juni
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Juli


Ein großes Thema, mit welchem ich mich gerade immer wieder beschäftige, ist, dass ich meine Meinung sagen kann, auch wenn der andere sie nicht gut findet- und dass mich trotzdem so fühlen kann, dass ich ein guter und liebenswerter Mensch bin, auch wenn der andere die Meinung nicht teilt und die Stimmung bei der Diskussion vielleicht leidenschaftlicher oder unharmonischer wird.

Ersteres mache ich schon lange, aber Zweiteres fiel mir unglaublich schwer. Einfach, weil -wie ich jetzt gelernt habe- mich die Unsicherheit, dass der andere mich nicht mehr mögen könnte zu sehr beeindruckt hat als dass ich die Situation hätte auf sich beruhen lassen können. In mir drin war super tief verwurzelt der Wunsch, im Nachgang nochmal meine Position deutlicher zu erklären, mit besseren Worten, anderen Worten, damit der andere mich besser versteht und mich nicht für irgendwelche Dinge, die ich gesagt habe, verurteilt.

Und genau das fraß bei mir soooviel Energie. Dass mein Geist immer und immer wieder zu der Situation zurückgekehrt ist, so im Hintergrund, und ich mich bei Gedanken an eine bessere Wortführung, empathischeres Herangehen oder was auch immer erwischt habe, um die Situation zu glätten.

Im Zweifel im Nachhinein. SO kam es dazu, dass ich ganz oft noch Nachrichten geschrieben haben, um die Harmonie wiederherzustellen, mich zu entschuldigen oder nochmal zu sagen, dass nichts persönlich oder abwertend gemeint war- egal, ob ich überhaupt was in die Richtung gesagt haben könnte. Ich wollte nicht, dass der andere irgendwie überhaupt das Gefühl in diese Richtung bekommen könnte oder es bekam und ich mich dafür zumindest schon mal gerührt habe, weil es mir nicht egal ist, wie der andere sich gefühlt hat.

Und jetzt wird es spannend: Der Grund ändert sich. Vorher ging es mehr darum, sich selbst nichts anlasten lassen zu können, jetzt versuche ich die Situation anders zu bewerten- und wenn ich mich nicht entschuldigen muss,weil ich nichts angreifendes gesagt habe, sondern lediglich eine andere Meinung hatte, kann ich das Gespräch so stehen lassen und es aushalten. Auch wenn mich der andere dafür bewertet. Dann ist es so. Und es ist aushaltbarer geworden, weil ich einfach wieder viel mehr bei mir bin als bei dem anderen. Und ich mich selber einfach nicht verraten möchte.

Und ich versuche meine Gefühle auch in dem Moment auszudrücken und dem anderen ehrlich mitzuteilen, wie es mir geht.

Ich hatte neulich ein interessantes Gespräch über Politik. Und ich muss sagen, ich stecke da gerade nicht tief drin, weil ich in den letzten 2 Jahren fast alles an schlechten und möglicherweise Angst machenden Informationen gescheut habe wie der Teufel das Weihwasser.

Und ich habe in dem Buch "Ehrliches Mitteilen" gutes Werkzeug an die Hand bekommen, um etwas zu bestimmten Dingen zu sagen. Ich hatte kurz überlegt, ob ich meine Meinung überhaupt sage- aus Angst, siehe oben, dass die andere Seite mich verurteilt. Weil ich es selbst so eingeschätzt habe, dass das passieren würde.

Also habe ich mich "ehrlich mitgeteilt" und habe auch mein Gefühl ausgedrückt, dass ich Angst habe, es zu sagen. Aber ich wollte meine -wohlbemerkt nicht total politisch versierte Meinung- zumindest einmal anmerken um ggf. auch zum Nachdenken anzuregen. Ob ich das geschafft habe- eher nicht. Ob es mir damit gut ging und ich im Nachhinein dazu stehen kann ohne mich noch schuldig, falsch oder was auch immer zu fühlen- auf jeden Fall!

High Five für mich selbst :)



 
 
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