Wie Leistungsknicks mir gerade auf die Stimmung drücken

Ich bin eigentlich wirklich eine Frohnatur, die nichts so schnell umhaut. Aber diese Krankheitsepisode hier zwang mich regelmäßig in die Knie und tut es auch jetzt an manchen Tagen noch. Gerade, wenn alte Symptome aus dem Krankheitsbeginn sich mal wieder melden, macht das etwas mit mir. Und zwar ganz schön doll. Da kann ich mir noch tausend Mal sagen: Es ist jetzt anders, du bist viel weiter, Deine Zellen sind schon wieder viel leistungsfähiger, es ist nur ein kleiner Dip. Vertraue Deinem Körper.
Aber man sucht dennoch wieder die auslösenden Gründe für das aktuelle Gefühl, man fühlt die Angst, ein Sorgengedanke reiht sich plötzlich an den nächsten. Das ist wie so eine Sorgen-To-Do-Liste, die da im Hirn aufploppt und innerhalb von Sekunden einfach durchgerattert wird.
Wird es jetzt schlechter? Hätte ich das Antidepressivum nicht absetzen sollen (vor Monaten...), habe ich das Falsche gegessen? Kann ich am Wochenende mit zur Hochzeit? Kann ich meinen Sohn und meine Tochter mit dem Auto heute abholen? Was, wenn ich nicht mehr Auto fahren kann?
In Sekunden ist da oben plötzlich so einiges los.
Diese Schleife zu stoppen ist immer wieder Arbeit. Auch wenn man schon so viele Werkzeuge hat, die einem da raushelfen. Auch wenn man weiß, dass es vorbei geht. Aber dennoch hatte ich diese positiven Gedanken ja schon mal vor einiger Zeit und sie haben mir nicht geholfen- weil es schlimmer wurde und nicht besser, trotz aller guten Gedanken, die ich mir gemacht habe. Und irgendwann- das weiß ich noch- hat man die guten Gedanken verloren, weil man so hilflos im eigenen Körper war. Aber man hat sie sich dann langsam wieder aufgelesen, Stückchen für Stückchen....
Und: Ich hatte die Gedanken in anderen Situationen auch schon und es wurde besser.
Daran kann ich mich festhalten. Dennoch fühlt es sich wieder an wie ein Rückschritt. Auch wenn's keiner ist. Und es sogar mögliche Ursachen wie ein volles Wochenende, dass mein Sohn mir beim Kämpfen versehentlich gegen den Kopf getreten hat, einer Erhöhung meiner Schilddrüsentabletten, um zu gucken, wie sie wirken, und den Ausgang der Wahl in Sachsen Anhalt, welcher mein Nervensystem scheinbar reizt, gegeben hat.
Am Ende ist es wahrscheinlich wieder eine Verzahnung dieser Themen, die mein Nervensystem hat überreizen lassen. Oder die Reaktion meines Körpers auf das Schilddrüsen-Medikament, was mich in eine Überfunktion rutschen lässt mit ähnlichen Symptomen wie bei der damaligen Schilddrüsenentzündung- und mein Nervensystem reagiert genau gleich wie damals.
Damit ich in der Schleife nicht feststecke, habe ich in den akuten Momenten gegen diese aufkommenden Angst- und Unruhegefühle nach der Klinghardt-Methode geklopft, um meinem Nervensystem Sicherheit zu signalisieren, habe einen langsamen Spaziergang gemacht und mir eine Folge vom Guptaprogramm angehört, die mich wieder in eine bessere Stimmung versetzt hat und werde jetzt nochmal ein Brainretraining einschieben, um die Sorgenschleife weiter zu verringern. Danach muss ich etwas Essbares zaubern, noch eine Mittagspause einlegen und dann die Kinder abholen. Tja, und wer mich fragt, was man an so einem freien Vormittag so macht: Sowas. Und es klingt so banal und ich denke mir auch manchmal: Geh einfach wieder arbeiten, dann hättest Du keine Zeit dich ständig mit Dir selbst zu beschäftigen, aber der Körper und der Kopf sind einfach noch nicht wieder leistungsfähig und gefühlt sind bestimmte Themen einfach Kern der ganzen Misere.
Ich bin bereit, diese soweit wie möglich aufzuarbeiten, um vernünftig und nachhaltig wieder im Leben anzukommen- auch wenn ich viel lieber "einfach" arbeiten und ein normales Leben führen würde. Und ob die Arbeit mich dann weiter nach vorn bringt oder zurückwirft- das werde ich erst beurteilen können, wenn ich wieder am Start bin. Und ja, es ist mir mulmig zumute. Nicht wegen der Arbeit selbst, einfach, weil alleine die Verantwortung, wieder zur Arbeit zu gehen, Dinge aushalten zu müssen usw. eine weitere Herausforderung ist- und davon hatte ich in den letzten 2 Jahren soviele, dass ich fast etwas müde bin, immer und immer wieder in eine neue Herausforderung zu starten. Auch wenn es genau das ist, was ich eigentlich am Leben liebe.
So, alleine das Schreiben darüber und das Hören des Gupta-Programms hat mir wieder mehr Mut gemacht. Ich werde jetzt noch ein paar Runden in gute Zukunftsvisionen eintauchen und mich dann wieder beschwingter in den Rest des Tages machen.
Und morgen früh gleich wieder mit mehr Brainretraining starten- denn weil viele Tage sich oft schon so normal anfühlten, habe ich das etwas schleifen lassen.
Let's go!!!! Huuhh!!!!!

