top of page

Wenn sich eine Erkältung plötzlich "gefährlich" anfühlt

vor 5 Tagen
3 Min. Lesezeit

Es ist ja wirklich verrückt- vor 4 Jahren habe ich mich mit der größten Erkältung zum Stall ausmisten geschleppt, weil ich wusste, dass sie mich nicht umbringt. Und habe da auch nicht weiter drüber nachgedacht. Sport hätte ich nicht gemacht, weil mir die Auswirkungen auf den Herzmuskel aus alten Handballerzeiten noch zu sehr bewusst waren, aber normale Aktivität, auch über das sinnvolle Maß hinaus- kein Problem. Wenn ich jetzt eine Erkältung habe -welche ich gerade habe- fangen in meinem Gehirn die Sorgenschleifen zu laufen an. Weil ich weiß, wieviele Menschen um mich herum durch z.B. durch Corona in die komplette Erschöpfung geraten sind. Erstmal wieder ewig gebraucht haben, um wieder auf die Beine zu kommen. Kaum noch ihren Alltag bewältigen konnten/ können ohne Hilfe. Geht mir das auch wieder so? Erschöpfen die Viren oder Bakterien meine Zellen noch weiter? Schafft mein Körper das? Bekomme ich vielleicht auch schwere Beine, dass ich nicht mehr aufstehen kann?

Und da ich ja immer noch nicht weiß, welche Ursache das Zünglein an der Waage war, welches mein körperliches und seelisches Gleichgewicht in Richtung Krankheit gekippt hat, ist mein Nervensystem ja in alle Richtungen (und das leider automatisch) übervorsichtig und ordnet eine Menge Dinge als gefährlich ein. Zum Beispiel eben diese Erkältung. Gar nicht unbedingt laut und auffällig, aber so ganz leise im Hintergrund.

Und was passiert in diesen Momenten? Mein Körper kommt mit jedem dieser Gedanken erstmal in Stress- mit all dem, was in einem Körper bei Stress eben so passiert.

Aber: Durch passende Meditationen, durch die ich inzwischen wirklich schnell aus den Schleifen rauskomme oder kurze Stopptechniken entleisen diese Gedanken nicht völlig sondern ich kann sie in etwas Neutrales umlenken und so auch den negativen Gedankenstress stoppen. Aber ehrlich: Es nervt mich :)

Ich sitze mit meiner Tochter zusammen, schaue ein Bilderbuch an und die Gedanken flutschen zwischendurch immer wieder in diese Sorgenschleifen. Ich stoppe sie, konzentriere mich aufs Bilderbuch. 3 Sekunden später geht die Schleife wieder los. Es ist manchmal zum Mäusemelken. Aber durch das ständige "Korrigieren" dieser Schleife wird sie weniger. Tatsächlich.

Ich musste mich wirklich auch mehrfach dafür entscheiden, dass dieser Moment JETZT nicht wiederkommt, ich hier ganz entspannt sitze und dieses Bilderbuch lese und mir Gedanken über eine Verschlechterung meines Zustandes mache, wenn es soweit ist. Nicht jetzt. Nicht jetzt. Denn jetzt sitze ich hier und lese ein Bilderbuch. So!

Dass man sich so "schwach" fühlt, weil das "Nicht-Sorgen-machen" einfach nicht so leicht ist, da es erstmal automatisch passiert und im Hintergrund abläuft, ist ein weiteres Thema. Und man es immer wieder üben muss. Und man sich fragt: Herrgott, wie schwer kann es denn sein, sich jetzt einfach mit voller Aufmerksamkeit dieses blöde Buch anzugucken? Und sich nicht Sorgen um etwas zu machen, was vielleicht nie eintritt?

Aber da versuche ich mir wirklich soviel Verständnis entgegenzubringen, soviel ich kann. Denn: Ja, ich muss zugeben, ich habe Angst, dass ich wieder in den Zustand von vor 2 Jahren zurückfalle. Dass ich mein Leben, meinen Alltag erneut verlieren könnte. Auch wenn ich hoffe, dass ich da ebenfalls wieder rauskommen würde- aber ich will da auch nicht wieder rein. Nein.

Genau diese Sorge bearbeite ich jeden Tag im Brainretraining: "Neurons that fire together, wire together". Also programmiere ich diese Sorge über Erschöpfung um und fühle mich rein in einen Lauf, in welchem meine Beine stark sind und mein Kopf klar, ich danach Weizen trinke und eine Brezel esse. Oder Schokokuchen. Egal.

Und es hilft. Die Auswirkungen der negativen Gedanken auf den Körper sind viel, viel geringer. Die Gedankenschleifen sind kürzer und ich kann mich gut selbst einfangen und mutig sein, den Moment zu genießen. Nichts tun zu müssen, nichts kontrollieren zu müssen, damit es nicht wieder passiert. Sondern einfach nur da zu sein.

Aber auch das dauert eben und geht nicht von heute auf morgen, weil man seinen Körper und seine Grenzen wieder komplett neu kennenlernen und Vertrauen aufbauen muss.

Und so ist heute also wieder ein Tag, an welchem ich noch mehr auf mich und die Gedanken aufpasse (und sie nicht einfach wild in diffusen Sorgen laufen lasse ohne sie zu retrainieren) und mich der Meditation, der Achtsamkeit und dem Vertrauen hingebe (n muss). Weil es mir hilft. Und mir weniger Sorgen vor einer Erkältung macht. Argh.






 
 
Impressum
Datenschutzerklärung
bottom of page