top of page

Welche Sorgengedanken mich lustigerweise umtreiben

29. Mai
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Juli


Im Rahmen dieser Heilreise habe ich eine Menge aufgeschrieben- was ich denke, was ich fühle, wovor ich Angst habe usw. Das Spannende ist, dass sich das ja weiter entwickelt- und wenn man die lauten Gedanken gehört und angeschaut hat, dann kommen die leisen. Hätte man mich vor einem Jahr gefragt, hätte ich wahrscheinlich gesagt: "Joa, kann ich mir vorstellen, dass ich das denke, aber fühlt sich nicht so präsent und lebenseinschränkend an". Und jetzt stelle ich immer wieder fest: Boah, diese leisen Gedanken, die so im Stillen vor sich hin wabern, sind echt nicht zu unterschätzen. Wahrscheinlich weil sie so knapp unter der Oberfläche sitzen, dass man sie zwar manchmal spürt, aber sie auch so ätzend sind, dass man sich so wenig wie möglich mit ihnen beschäftigen will und dann einfach die lauteren Gedanken eher ran sind. Hatte ich auch einfach keine Zeit und kein Ohr für. Aktuell bin ich sehr dankbar, dass ich auf sie hören und sie anschauen kann, damit ich mir Stück für Stück die Leichtigkeit des Lebens wiederholen kann. Und diese Leichtigkeit ist nicht erst nach dem Crash verloren gegangen sondern schon einige Jahre früher. Und ich war trotzdem fröhlich und hatte Spaß am Leben, aber so in mir drin gab es Situationen, die sich so schwer angefühlt haben, weil gedanklich immer ein Zweck oder ein Grund hinter bestimmtem Handeln steckte. Und ich mein Bauchgefühl manchmal total verloren hab. Ich liebe Pippi Langstrumpf und fühle mich auch oft wie sie- so wild und abenteuerlustig und einfach eine Überraschungstüte, die das Leben leicht nimmt.

Und plötzlich waren da- vor allem seit der Geburt meines ersten Kindes- diese unterschwelligen Sorgengedanken, sodass die Energie gar nicht mehr so fliegen konnte, sondern einfach viel zu oft einen Grund hatte.

Zu Beginn waren es vor allem Gedanken in diese Richtung:

  • wenn ich die Bedürfnisse meines Kindes nicht erfülle, verpasse ich ihm ein Trauma

  • Wenn ich nicht gut genug reagiere, dann leiden sie später an Selbstzweifeln und finden sich als Person nicht gut und zweifeln an sich

  • bin ich eine schlechte Mutter, wenn...?

  • Bin ich eine schlechte Freundin, wenn...?

  • Bin ich eine schlechte Ehefrau, wenn...?

  • Was hab ich da wieder geredet? War das zuviel?

  • Ich hab noch was vergessen, was ich zu dem einen Thema vorhin noch sagen wollte, dass mein Gegenüber mich richtig versteht und kein komisches Bild von mir hat...wie kam das jetzt beim anderen an?


Und das hat so unglaublich viel Energie gefressen und mich meine eigenen Grenzen gar nicht mehr fühlen lassen. Um diesen inneren Themen Herr zu werden, hat man viel getan, damit man mögliche Konsequenzen nicht aushalten muss. Und zwar, dass ich eben Fehler mache, dass mich mal jemand nicht mögen oder blöd finden könnte oder mich einfach anders sieht, als ich es mir wünsche. Erst jetzt, weil ich viel versuche anzuschauen, merke ich, wie schnell mein Geist immer wieder zu solchen Situationen wandert und sie wieder und wieder durchspielt mit allen Möglichkeiten, sie versucht, gedanklich besser zu lösen oder anders zu machen. Immer wieder zwischendurch. Und es ist ein bisschen wie im www, man muss aufpassen, dass man sich nicht in diesen Gedanken verliert und da so eintaucht und die Kapazität des Hirns für so einen Quatsch verbraucht. Einmal drüber nachdenken, okay, aber nicht immer und immer wieder, obwohl eigentlich alles "geklärt" ist. Wusste ich damals nicht, weiß ich aber jetzt...


Nachdem meine Symptome ja immer schlimmer wurden, wenn ich irgend etwas gemacht oder gegessen habe und ich keine Ahnung hatte, wann es mich wieder trifft, drehten sich meine Sorgen mehr um die Symptome selbst

  • Habe ich meinen Kopf zu schnell gedreht, dass mir wieder so shwindelig wird?

  • Lag es daran, dass ich mein Handy zu lange benutzt habe, dass es mir wieder schlechter geht?

  • War das Treffen mit meiner Freundin zu lang?

  • Ich bin wütend, darf ich das Fühlen oder kostet das zuviel Energie, dss es mich wieder umhaut?

  • Beim Duschen schüttet der Körper ja auch Histamin aus, bekomme ich deshalb rote Flecken überall?

  • Kann ich heute duschen oder ist das zuviel und ich liege den Rest des Tages flach?

  • Was, wenn es noch schlimmer wird und ich wie andere im Rollstuhl ende?

  • Oder nur noch liegend im Bett mit Kopfhörern und Schlafbrille, weil alle Reize zuviel sind? Und ich zu erschöpft bin um aufzustehen?

  • Kann ich mein Kind wickeln oder ist das Tragen zum Wickeltisch schon zuviel?

  • Wenn mein Kind beim einschlafen noch länger schreit, ist das dann zuviel für mein Nervensystem?

  • Es ist Pollensaison, geht es mir schlechter, weil mein Körper jetzt darauf reagiert (und ich war vorher auf nichts dergleichen allergisch...)?

  • Kann ich die Treppe nochmal runtergehen oder ist das dann zuviel?

  • Kann ich meine morgendliche Runde machen oder schaffe ich die heute nicht, wenn ich nachmittags noch mit meinem Kind spielen will?

  • Habe ich jetzt schon zuviel nachgedacht?


Und ich habe noch ganz, ganz viele nicht aufgeschrieben, weil ich sie schon vergessen habe...

Also ein großes "Hallo" an meine plötzliche Angststörung. Das Spannende ist im Nachhinein: Sie hat mich recht gut geleitet, weil tatsächlich viele Dinge zu dem damaligen Zeitpunkt zuviel waren, ich mich aber nicht nur zurücknehmen konnte. Nur Ausruhen war es eben nicht, was gefehlt hat. Mein Nervensystem war einfach in diesem Stresszustand eingefroren und ich wusste nicht, wie ich da wieder rauskommen soll. Mir fehlte einfach "die Erklärung" für das Dilemma. Und beim Guptaprogramm habe ich diese wie gesagt gefunden, sodass nach den ersten Wochen die Dinge, die ich ohnehin schon tat, viel besser gegriffen haben, weil ich mein Nervensystem beruhigen konnte.

Und dann konnte ich die Angst auch als etwas sehen, was nun wohl erstmal etwas präsenter ist, aber mich nicht gänzlich von Dingen gänzlich abhalten muss.

Ich stelle mir auch heute noch (und das zu Recht) die Frage: Was kann ich an einem Tag leisten? Und passe meine Tätigkeiten daran an und mache vor allem Pausen. Aber ich gucke mir auch die Gedanken dazu an, stelle mir vor, wie genau diese Situation dann sein würde, wenn ich sie mir bestmöglich wünschen könnte, lasse mich da mit allen Sinnen immer und immer wieder hineinfallen und versuche es irgendwann. Nur kurz, um mich nicht zu überreizen. Aber ich probier es. Wenn es nicht geht und ich daraufhin wieder eine Verschlechterung meiner Verfassung bemerke und die nächsten Tage weniger leistungsfähig bin- okay. Und trotzdem freue ich mich über das Erreichte, auch wenn der Körper das Erlebte wieder mit etwas Aufwand "verdauen" verdauen muss. Ich nehme diese Sorgengedanken ernst, auch wenn sie klein sind. Und versuche die Reize, die ich auf mich einprasseln lasse, zu deckeln. So wenig wie möglich, so viel wie nötig.

Ich habe einfach festgestellt, dass das Leben so, wie ich es lebe und wie ich glaubte, dass man es lebt, einfach viel zu schnell für mein Gehirn ist. Oder ich zu wenig Pausen gemacht habe, wahrscheinlich beides. Zuviele Dinge, die man tun möchte, die man aufgrund der vielen Güter, die man hat, tun muss, oder meint, tun zu müssen, um mithalten zu können.

Nichtstun fühlte sich so nach Zeitverschwendung an. Jetzt allerdings immer weniger, da ich mir immer wieder sage: Mein Körper ist das Verbindungsstück zu dieser Erde- jede Pause hilft, zu regenerieren und ist nützlicher als z.B. der nächste Handgriff im Haushalt. Der erledigt sich nämlich nie ganz und die Kinder und die Gesundheit sollten da doch vor einer geputzten Bude stehen, oder? Und dafür spare ich meine Energie so gut ich kann.

Und in der Zwischenzeit beschäftige ich mit meinem sorgenvollen Anteil und gebe ihm immer wieder Pausen und den Mut, diese auch zu nutzen und Abenteuer zu erleben. Und sei es nur das Abenteuer der Reize in einem Supermarkt und das Denken, was zu einem Einkauf eben auch dazugehört :)

Und warum ich oben in der Überschrift "lustigerweise" schreibe? Weil viele der Konsequenzen aus meinen Gedanken weder wahrscheinlich noch wirklich existenzbedrohend wären und ich sie inzwischen oft mit etwas Abstand begucken kann. Und mich dann mit einem liebevollen "Ach, Jana, wo kommt der Gedanke denn plötzlich nu wieder her" und einem Lächeln dann selber irgendwie schon putzig finde.









 
 
Impressum
Datenschutzerklärung
bottom of page