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Sich nicht hinter seinen Einschränkungen verstecken und Verantwortung übernehmen

11. Mai
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Juli


Es gibt Momente, an denen sich mein Kopf über irgendwelche Dinge oder Situationen Gedanken macht. Und das ist echt oft. Über irgendwas wird immer nachgedacht. Und wenn ich mir das dann anschaue (und das geht inzwischen schon ganz gut ohne sich mitreißen zu lassen sondern das Denken einfach zu beobachten) stelle ich manchmal fest, dass da zwischendurch noch so eine kleine Stimme ist, die sagt: Joa, aber ich bin ja gerade krank und deshalb geht das oder das nicht. Die Krankheit schon im Vorhinein oder auch im Nachhinein zu einer Situation, die man selbst als nicht so gut gelaufen einstufen könnte, als eine Art Entschuldigung zu nehmen- wenn man Dinge "falsch" macht oder anders, als andere (und man selbst) es erwarten oder erwarten könnten. Nicht 100% perfekt zu sein sondern nur 80%, und vielleicht auch einfach mal wirklich was in den Sand gesetzt oder vergessen hat.

Von außen sage ich mir dann jetzt selber: Moment mal! Du brauchst die Krankheit doch nicht, um Dinge anders zu machen als andere, anders zu sein als andere. Um Dinge einfach nicht zu machen, obwohl man denkt man müsste. Um Fehler zu entschuldigen, die einfach menschlich sind und passieren können. Um die Verurteilung anderer oder das einen jemand nicht mag, nicht aushalten zu müssen. Dafür brauche ich keine Krankheit, ich lerne das auszuhalten!

Das Problem ist, dass ich gar nicht wusste, wie groß mein Problem damit ist, bevor ich krank wurde....nun gut.


Es ist so verrückt, es ist eine ganz leise Stimme, die das sagt, aber die -bevor ich sie gehört habe- auch dazu beigetragen hat, den Heilungsweg zu verlängern. Man nennt das wohl "sekundären Krankheitsgewinn"- weil ich krank bin, muss ich bestimmte Dinge nicht mehr tun oder nicht mehr soviel tun. Bekomme Hilfe, die ich vorher vielleicht nicht bekommen habe. Meine Grenzen werden vielleicht mehr von anderen gewahrt als vorher. Habe eine Entschuldigung für Verhalten, was vielleicht nicht korrekt ist. Denn das muss ich leider sagen: Wenn man krank ist, ist man selber eher bereit, über Dinge wie die unaufgeräumte Küche, das Spielzeug auf dem Boden, das Badezimmer, was dringend mal gewischt werden müsste, hinwegzusehen.

Und genau das gucke ich mir gerade immer wieder genauer an: Wo könnte es sein, dass das Argument, krank zu sein, mir hilft, Grenzen zu setzen und sie vor anderen und vor allem vor mir zu verteidigen (vor allem vor mir, es ist ja meist so, dass man in den Momenten denkt: Was sollen die anderen bloß denken? Auch, wenn sie vielleicht gar nichts denken weil es ihnen egal ist oder sie einfach wissen, dass das Leben mit kleinen Kindern einfach vollgekleckert und unaufgeräumt ist und es selten aussieht wie in einem Katalog. Dass man manchmal nicht nur super nett und im emotionalen Gleichgewicht sein kann. Und dass man nicht alles alleine schaffen kann, auch wenn man es gern möchte und manchmal auch wirklich glaubt) . Und immer, wenn jetzt diese kleinen Monologe in meinem Kopf durchgespielt werden (es sind ja nur Gedanken, das bin ja nicht ich), gucke ich sie mir an und sage meinem Geist etwas Mitfühlendes dazu. Etwas, was ich auch einer guten Freundin sagen würde. Nur vielleicht noch schonungslos ehrlicher. Trotzdem nett, aber ehrlich. Z.B. dass es nicht die Aufgabe der Krankheit sein muss, dass ich Dinge anders mache. Sondern dass ich auch gesund sein kann und Dinge weiterhin anders mache. Ein kleiner aber ganz ganz feiner Unterschied. Und je öfter man sich diese Gedanken wirklich ins Bewusstsein ruft, desto mehr kann man an ihnen arbeiten um weiter gesund zu werden. Und inzwischen freu ich mich drauf, weil ich selber (wieder) die Verantwortung für mein Leben, meine Grenzen, meine Entscheidungen und meine Gefühle trage und niemand anders. Das Außen kann (fast) sein wie es will, aber ich habe noch immer die Möglichkeit zu entscheiden, was ich an mich heranlasse und wie weit es meinen Alltag bestimmt. Fertig wird man damit wahrscheinlich nie (oder vielleicht doch, Erleuchtungen gibt es ja scheinbar doch öfter als ich dachte), aber ich geh mal Schritt für Schritt weiter diesen Weg, übe mich in den neuen Sichtweisen und guck, wie es läuft.


Aber krank sein- Nein, das muss ich dafür nicht.



 
 
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