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Peoplepleaser- bin ich wohl doch mehr als ich dachte. "Mutterwunde"...

10. Mai
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Juli


Auf so einer Pilgerreise kommt man ja doch zu der ein oder anderen Erkenntnis.

Über manche Worte und Begrifflichkeiten, die einem gerade in der aktuellen Zeit öfter begegnen und bei denen man ein komisches Gefühl hat, wenn andere sie sagen, sollte man sich diese vielleicht doch nochmal näher anschauen in Bezug auf einen selbst. Peoplepleaser ist so ein Wort. Für mich klang das immer ein bisschen nach "ich versuche es immer allen Recht zu machen, bin der oder die Gute und stelle mich hinten an und deshalb struggle ich in Verbindung mit anderen Menschen und gerate in Stress". Es war so ein Wort, was ich (gefühlt) als so eine Art Opferhaltung interpretierte. Ist es ja auch irgendwie, wenn man nichts dagegen tut und sich darauf mehr oder weniger ausruht.

Anmerkung: Ich weiß, es ist eine Bewertung und ich entschuldige mich dafür, denn ich versuche eigentlich so wenig wie möglich zu bewerten. Aber ich schreibe es auf, um die Situation verständlicher zu machen und zu zeigen, dass solche Gedanken eben doch auch dasein können, auch wenn man sie bei sich selbst eigentlich verurteilt.

Ich habe jedenfalls immer gedacht, ich bin zwar in einem gewissen Rahmen ein Peoplepleaser, weil ich nicht möchte, dass mich jemand nicht mag. Aber ich trotzdem schon recht genau weiß, was ich möchte und die Dinge auch sage, wenn sie mich wirklich stören oder sie durchsetze, wenn sie mir wichtig sind.

Wie tief diese Bindungsangst aber eigentlich verwurzelt ist, merke ich erst jetzt so richtig.

Denn: Ich sage zwar Dinge und spreche sie auch an, aber im Nachgang beschäftigt mich jedes Gespräch noch unfassbar lange und ich führe eine Menge innerer Monologe, wie ich dies und das noch besser hätte sagen können, damit es nicht komisch rüberkommt, der andere mich nicht verurteilt oder mich anders sieht, als ich es eigentlich wollte oder meinte.

Kurzum, ich mache mir viel zu viele Gedanken darüber, was andere Menschen denken und wie sie mich sehen, ob ich gut genug bin oder ob jemand sich hinter meinem Rücken über mich schlecht unterhält. Und das ist im Bewussten, ich will gar nicht wissen, was unterbewusst los ist. Wobei doch, das will ich wissen, damit ich es bearbeiten kann. Meine Träume zeigen mir hier tatsächlich inzwischen eine Menge auf, weil ich sie notiere.

Und selbst, wenn ich Leute richtig, richtig blöde finde, bin ich trotzdem so weit wie es geht nett und versuche eine harmonische Atmosphäre zu schaffen, weil ich alles andere so schlecht aushalte- ein Ritt auf der Rasierklinge und für mich unfassbar anstrengend, weil es aus dem falschen Grund heraus geschieht.

Ich kann ja trotzdem eine harmonische Atmosphäre schaffen wollen- aber nicht nur deshalb, weil ich Disharmonie so schwer aushalte oder weil ich will, dass der andere mich mag. Einfach nur so. Und wenn die Atmosphäre halt nicht so harmonisch ist- mein Gott, was solls. Haken dran und weiter gehts.

Selbst zu Menschen, die mich echt verletzt haben, vermeide ich selten gänzlich den Kontakt und will eine harmonische Basis schaffen (okay, nachdem meine erste Wut verraucht ist). Im Kreissaal bei Ärztinnen, die mich anschreien und niedermachen versuche ich zwischen den Wehen noch freundlich und irgendwie lösungsorientiert zu sein, damit man mir nichts vorwerfen kann.

Aber da die Mütter ja grundsätzlich Schuld sind und meine Mutter mich jetzt lange Zeit hier im Haushalt und mit den Kindern begleitet hat, kann ich zumindest erahnen, woher dieser innere Konflikt kommt. Dinge anders zu sehen und anders zu machen und dem anderen zu sagen ist immer so ein Ding. Anderer Meinung zu sein und diese sachlich diskutieren zu wollen, endet oft in einem "ja aber mich verletzt das auch", "ich kann deine Vorträge nicht mehr hören" (wenn ich -nach meiner Ansicht- sachlich versuche die Dinge zu benennen, die mich stören und was ich mir wünschen würde), "warum müssen wir uns denn schon wieder streiten" und so weiter und so weiter.

Das Schöne ist, dass ich es jetzt ganz gut erkennen kann, wenn mich das innere Kind überrollt und wann eine erwachsene Jana am Hebel ist. Und dass dieses Gefühl von damals des Nicht-Gesehen-Werdens immer kleiner wird, weil ich das Streiten mit meiner Mama oder ihre Reaktion und Gefühle auf mich immer besser aushalten kann und ich weiß, dass das nichts mit ihrer Liebe zu mir zu tun hat. Ich fühle inzwischen, dass sie mich mehr liebt als ihr eigenes Leben, auch wenn manche der Bemerkungen (und das kann glaub ich fast jede Tochter verstehen) immer noch ein Bauchzwicken hervorrufen.

Und meine Heilpraktikerin meinte, dass wenn ich diese "Mutterwunde" schließe, sich auch die übrigen Ausläufer des "Ich habe das Gefühl, nicht gesehen zu werden, nicht gut genug zu sein, nicht beliebt genug zu sein" usw. verringern werden. Und man mit sich wieder ins Reine kommt. Und das fühle ich schon jetzt und bin sehr, sehr glücklich darüber. Jetzt heißt es: Üben, üben, üben zu unterscheiden, aus welchem Grund man zwischenmenschliche Beziehungen lebt oder aufrecht erhält und den Fokus in die richtige Richtung und auf die richtigen Menschen zu lenken.


Bleibt gesund!



 
 
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