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"Kannste machen nix, musste gucken zu"

27. Juni
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Juli


Das ist ein Spruch, der aus dem Munde der Schwester meiner Oma kam. Auch noch als sie im hohen Alter im Altenheim lag und mit meinem Vater noch ein paar Worte über ihre blöde Situation wechseln konnte- und es irgendwie klar war, dass dieser letzte Lebensabschnitt für sie nicht mehr ewig dauert.

Auch bei meiner Heilreise hat mein Papa diesen Spruch ab und an gebracht- und zwar immer dann, wenn es darum ging, dass man Dinge zwar selbst angeschoben hat, aber ihnen einfach Zeit geben musste, um Früchte zu tragen. Wenn ich ungeduldig war. Wenn ich traurig war, weil alle um mich herum ihr Leben weiterlebten und ich nicht konnte.

Und der Spruch erinnert mich immer wieder daran, dass man eben nicht alles in der Hand hat- oder weniger als man glaubt. Die meisten Dinge haben in meinem Leben gut geklappt, weil ich fast immer mit beiden Händen und mit ganzem Herzen dabei war. Nur in dieser Zeit hat das leider so gar nicht funktioniert. Weil "machen machen machen" nicht zum Ziel führte sondern eher "machen und warten." Lange warten. Für mich viel zu lange.

Aber mit weiteren Sprüchen meines Heilpraktikers ("Na es hat ja auch mehrere Jahre gedauert, den Körper in diesen Zustand zu bringen" oder "Für jeden ist das, was er hat, das Schlimmste") fand ich immer mehr den Weg in die Akzeptanz und harrte der Dinge. Und versuchte, mit meinen Symptomen zusammen eben so gut zu leben, wie es halt ging. War ätzend, brauch ich keinem sagen. Mit Migräne was zu machen ist auch ätzend. Oder mit einer Sinusitis. Oder einer Grippe.

Aber ich habe versucht, die Lücken dazwischen wenigstens bestmöglich und mit bestmöglicher Laune zu nutzen- eben weil ich nur ein Leben habe. Und die Minuten oder Stunden mit meiner Familie und den Freunden, die mich mal kurz besuchten, und in denen ich mich mal kurz normal fühlte, soviel wert waren und Hoffnung gaben. Und diese Zeitfenster wurden länger. Langsam, zu langsam, aber sie wurden länger. Und ich noch tiefer dankbar. Nicht, weil ich es wusste, dass man dankbar sein kann, sondern weil ich es mit jeder Faser spürte. Auch in der Zeit, in der ich dann wieder alleine auf meinem Zimmer lag und meditierte. Und jede dieser neuen Erinnerungen auch mit Symptomen wurden zu erstrebenswerten Momenten. Und davon wollte ich mehr.

Ich habe also weiterhin innerhalb meiner Möglichkeiten mit beiden Händen (oder Hirnhälften) zugepackt um meinen Weg da raus zu finden.


Und den Rest der Zeit:

Konnt' ich machen nix, musst ich gucken zu :)


Alles Liebe!





 
 
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