Energie sparen und Ruhe bewaren
Aktualisiert: 7. Juli

Ein zentrales Thema bei all diesen Krankheiten wie Borreliose, ME/ CFS, Fehlregulation des Nervensystems usw. ist das Thema Energie.
Sowohl durch irgendwelche körperlichen Problemzonen wie Viren, Würmer, Darmdysbiosen usw., die unser Körper bekämpfen muss, als auch Fehlschaltungen im Nervensystem klauen wir uns selber Energie.
Dadurch können wir oft nicht schlafen, weil alles irgendwie im Körper Kopf steht. Ich war z.B. nie so richtig müde. Ich war nachts um 2 wach und konnte machen, was ich wollte- ich schlief nicht wieder ein. Ich war trotzdem nicht wirklich müde, weil ich im Flucht oder Kampf-Modus (bzw. eher im Freeze) steckte, aber ohne Schlaf bzw. Ruhepausen kann der Körper natürlich auch nicht gut regenerieren.
Dann gibt es noch das "normale Leben", was einem Energie klaut- Gehen, stehen, essen, duschen, unterhalten, fernsehen, lesen, frieren, schwitzen, Sport usw....eben alles, was man so macht. Und wenn man ohnehin nicht soviel Energie hat, rutscht der Körper schnell wieder in einen Notfallmodus, wenn man zu viel davon verbraucht und zwingt einen erneut zu längeren Pausen. Mein Heilpraktiker sagte: "Ihre Zellen verbrauchen Energie, egal ob sie aufräumen oder mit Freunden tanzen gehen." Da eine gute Balance hinzubekommen, war für mich echt nicht leicht, zumal im Hintergrund meines Hirns immer ein echt genervter Gedanke war, warum das alles nicht so funktioniert, wie ich es gern hätte und dass ich einfach nur "normalen" Alltag wiederhaben möchte- was natürlich auch Energie kostet. Argh!
Ich habe mir meine Energie irgendwann wie so ein Tortendiagramm vorgestellt. Mit vielen einzelnen Tortenstücken, die für bestimmte Dinge stehen, die Energie verbrauchen oder mir Energie bringen. Und da sich die Energie ja von Minute zu Minute, von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag je nach Einfluss der verschiedenen Dinge verändert, habe ich immer zwischendurch neu bewertet, was ich als nächstes tue.
Klingt anstrengend, was es auch, aber wie bei allen Themen im Leben bekommt man irgendwann eine neue Routine.
Und habe vor allem geschaut, wie ich mein Tortendiagramm füllen kann, damit ich am Tag Dinge tu, die mir Spaß machen, aber natürlich auch Dinge schaffe, welche ich tun "muss".
Und manchmal ist eine Aktivität, die mir sonst Energie gab, plötzlich ein Energiefresser geworden- da darf man dann ruhig anpassungsfähig sein, was einem gerade gut tut und was man erstmal sein lassen sollte. Ich sage "erstmal"- ja, nur erstmal. Nicht für immer. Denn als ich mich ein wenig mehr auf diese Dinge geachtet und sie versucht habe, ins Gleichgewicht zu bringen, wurde mein Toleranzfenster, was mit der jeweiligen Energie machbar war, größer. Und irgendwann wird es wieder genau so groß sein wie vorher, da bin ich mir inzwischen sicher, aber ich werde den Teufel tun, es wieder so auszufüllen, wie einstmals.
Was ich also getan habe, um Energie zu sparen:
Alles langsamer gemacht. Gehen, kochen, aufräumen. Rühren. Gucken. Handbewegungen. Egal was.
Und wenn ich mir das jetzt so anschaue frage ich mich wirklich, warum ich vorher alles so schnell gemacht habe. Was für ein Quatsch. Aufgeräumt, abgeräumt, eingekauft als wäre im Geiste der Teufel hinter mir her (war er ja quasi auch, er wollte ja "alles schaffen um dann wenigstens noch etwas Zeit für sich selbst zu haben"...)
Ich sitze statt zu stehen und liege statt zu sitzen. Ich schnippel z.B. mein Essen jetzt oft am Tisch als stehend in der Küche, oder setzt mich zum Unterhalten hin- auch wenn es nur kurz ist. Habe ich aus dem Buch "Sorge Dich nicht, lebe" von Dale Carnegie.
Pausen machen- immer wieder zwischendurch bewusst hinsetzen und nichts machen. Auch nicht denken. Nur ganz bewusst atmen. Klingt so leicht, aber halleluja, für mich eine Herausforderung.
Ich machte eine Mischung aus kleineren Pausen zwischendurch und auch größere Pausen um die Mittagszeit (ca. 1-2 Stunden) rum. Wenn das mittags nicht ging, auch zwei halb-lange Pausen über den Tag von 30 Min-1 Std. mit einer Meditationseinheit oder Progressiver Muskelentspannung. Hört sich viel an, war es auch, aber mit mehr Energie und einer anderen Lebenseinstellung wird der Tag weniger kräftezehrend und man braucht weniger "aktive" Pausen.
Weniger im Außen sein- sowohl im Tun als auch im Denken. Ich habe meine Gedanken beobachtet, gerade die einschränkenden, negativen Gedanken, und habe sie aufgeschrieben und immer wieder retrainiert, damit mein Verstand sich nicht im Negativen verliert und komische Schleifen dreht sondern automatisch die positive Gedankenautobahn nimmt. Es sind ja auch einfach nur Gedanken und nicht die Wahrheit. Ich bin nämlich Meisterin der geistigen Unterhaltungen mit irgendwelchen Leuten über irgendwelche Dinge, wie ich z.B in einer Situation im realen Leben kurz vorher etwas besser hätte sagen können oder wie ich am Ende die Situation besser hätte lösen können.
Ich habe mehrmals am Tag eine Mediation eingebaut, die mir gut tat oder eine YinYoga EInheit, welche mir Kraft gegeben haben. Dabei bin ich sogar oft eingeschlafen und habe mir dann erlaubt, dass mein Körper genau diese Zeiten zur Regeneration bekommt, wenn er sie nachts gerade nicht nutzen kann.
Ich habe meinen Körper noch mehr versucht zu entlasten- ich duschte weder zu warm, noch zu kalt, damit nicht zu viel Energie zum schwitzen oder frieren aufgebraucht wird. Ich zog mich warm an, damit ich nicht friere, wenn ich draußen spazieren ging (und ich rede nicht nur vom Winter, sondern auch von langer Unterhose und 2 Pullovern und 3 Paar Socken bei 14 Grad) im Sommer oder verlegte meine Bewegungseinheiten nach innen. Im heissen Sommer war ich nicht lang in der prallen Sonne, sondern nutzte die anderen Zeiten zum Draußensein.
Ich versuchte nur wenig Dinge an meinen Körper zu lassen, die er umständlich entgiften muss.
Und das nicht aus Angst, sondern aufgrund der Logik dahinter, so wenig Energie wie möglich zu verplempern.
Die Mahlzeiten waren nicht zu groß, dass man einen überfüllten Magen hatte, aber auch nicht zu klein, um eine gewisse Kalorienanzahl bereitzustellen.Ich aß 3 Mahlzeiten am Tag und hielt dazwischen Esspausen ein. Verdauung benötigt eine Menge Energie.
Ich wusch die Nahrungsmittel sorgfältig ab und achtete auf nicht mehrmaliges aufkochen meines Essens.
Ich versuchte, früher ins Bett zu gehen und eher noch etwas zu lesen anstatt Fernsehen zu schauen- Fernsehen machte mich, gerade wenn wir die Kinder gegen 8 ins Bett gebracht hatte, eher noch wacher als müder.
Treffen mit anderen waren erstmal storniert. Bis ich irgendwann wieder das Gefühl hatte, genug Energie (und Mut) zu haben. Kurze Treffen von ca. einer halben Stunde waren der Beginn. Irgendwann konnte ich auch wieder zu einer Freundin fahren- nicht lang, aber egal. Ich habe mir selber ein Zeitfenster gesetzt und bin dann auch wirklich wieder weggefahren- auch wennś eigentlich noch schön war und ich gern noch hätte bleiben wollen. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, ich wollte an meine Grenzen aber eben nicht viel drüber hinaus, und da muss man sich einfach herantasten.
Ich habe mich entschieden, mich über viel kleine Dinge, die in mir sonst ein grummeliges Gefühl heraufbeschworen haben, nicht zu ärgern oder zu streiten oder auch nur einen Gedanken zu viel daran zu verschwenden. Ich habe mir gesagt, ich habe dafür gerade einfach keine Lust Energie auszugeben. Hat oft funktioniert.
Dazu braucht man jetzt jemand anderen, aber wenn man jemanden hat:
Ich habe Verantwortung abgegeben. Und zwar wirklich abgegeben. Ohne mich auch gedanklich noch darum zu kümmern, egal, wie es am Ende bei den anderen lief. Den Mantel des Mental Load einfach an der Garderobe abgegeben. Und es lief vielleicht anders, als wenn man es selbst gemacht hätte, aber es ging auch wunderbar. Manchmal vielleicht sogar besser, als wenn ich mich eingemischt hätte (aber das erzähl ich meinem Mann natürlich nicht..).
Man muss es zulassen und einfach anders handhaben als bisher. Ist manchmal gar nicht so leicht aber hilft. Danach kann man ja wieder alles an sich reißen, wenn man möchte . Ich möchte nicht:)
Als Frau: Ich schaue nach meinem Zyklus. Ich sah die körperlichen Unterschiede früher nicht- aber jetzt stelle ich wirklich fest, dass je nach Zeitpunkt im Zyklus auch der Körper unterschiedlich sensibel reagiert. Gerade im Hinblick auf Histaminintoleranz oder Mastzellenüberaktivierung wurde ich z.B.zum Ende des Zyklus empfindlicher, sodass ich aktuell etwas mehr drauf achtete, in diesen Zeiten bewusster histaminarm zu essen. Früher hatte ich 2 Tage, bevor meine Periode kam, immer eine laufende Nase- also auch da war schon ein Zeichen da, ich hab es nur einfach nicht weiter beachtet. Aber hey, man kann auch irgendwie nicht alles gleichzeitig beachten und im Nachhinein ist es immer leichter.
Akzeptanz bringt auf lange Sicht Energie. Weil man nicht mehr hinterfragt, sich nicht ärgert, nichts tun muss. Außer zu akzeptieren, dass alle Gefühle, Symptome, auch alles, was ich wirklich furchtbar beängstigend finde, da ist. Und die Akzeptanz, dass es Tage gibt, an denen ich es sooo blöd finde, dass ich es nicht akzeptieren kann. Ist aber auch mal ok!
Das Umtrainieren der eigenen Gedankenmuster bringt Energie- weil man sich von schlechten Gefühlen bewusst in gute Gefühle begibt und das Gehirn nach einigem Üben irgendwann auch automatisch den Weg hin zum guten Gefühl nimmt. Und das ergibt auch im Hintergrund des bewussten Denkens öfter eine gute Biochemie und somit weniger Energieverlust.
Und so setze ich Puzzleteil für Puzzleteil meine "Energietorte"" zusammen. Manche Puzzleteile waren schwerer zu finden und reinzudrücken und manche habe ich auch noch gar nicht gefunden und sie liegen noch irgendwo rum.
Aber hey, wenn alles so einfach wäre, hätte man es ja vorher schon gemacht und man hätte ja im Nachhinein gar kein sooo tolles Erfolgserlebnis. Vielleicht hilft das ja dem ein oder anderen weiter, lasst uns uns feiern! Einfach nur so!
Alles Liebe!

