Der perfekte Moment.
Aktualisiert: 2. Aug.

Jaja, man liest immer wieder darüber, dass es die kleinen Momente im Alltag sind, die das Leben ausmachen. Die man genießen soll und und und. Aber mit einem vollen Kopf und einer Menge Glaubenssätze im Gepäck, die einen eine Menge Dinge tun lassen, ist es gar nicht so einfach, diese Momente wirklich zu fühlen. Nicht, sie zu sehen und zu wissen, dass dies so ein Moment ist, sondern sie mit jeder Faser des Körpers zu fühlen und zu genießen.
Und vor einer Stunde war wieder ein Moment, den ich so richtig gefühlt habe. Ein Gefühl von Frieden, Freude, innerer Leichtigkeit ohne Gedanken an etwas anderes.
An einem Tag, an welchem meine Tochter mit Verdacht auf Hand-Mund-Fuß zu Hause bleiben musste und meinen ganzen Tagesablauf durcheinanderwürfelte. Ich wollte nämlich in Ruhe für unseren Urlaub packen, der in ein paar Tagen beginnt. Es ist verrückt, dass ich schon eine Woche vorher anfange, zu überlegen und zu packen, aber es hilft tatsächlich, mein Nervensystem zu beruhigen, dass ich nichts Wichtiges vergesse und wirklich wirklich wirklich noch genug Zeit habe, alles in Ruhe zu erledigen und ggf. noch zu besorgen. Nachdem wir heute Vormittag also zusammen einkaufen waren, haben wir den Morgen wirklich entspannt verbracht- ich muss zugute halten, dass sie ein Kind ist, welches sich auch mal gut alleine beschäftigen kann und was nicht immer beschäftigt werden muss. Allerdings macht sie auch eine Menge Unsinn, wenn man nicht aufpasst- zum Beispiel mit einem Stempelkissen den Fußboden und den Teppich zu bemalen oder mit Sonnencreme oder irgendwas anderem Flüssigen sich selbst oder die Holztreppe anzumalen. Nichtsdestotrotz kann man Dinge auch nebenbei gut erledigen.
Und so konnte ich heute schon die Reiseapotheke und alles sonstige für die Kulturtaschen packen, damit es schon mal drin ist und nur noch die Zahnbürsten reinfliegen müssen. Und ich konnte meine eigene Tasche komplett packen. Die Regenklamotten sind ebenfalls vollständig eingepackt, die Sonnenhüte und Sonnencreme liegen ebenso an Ort und Stelle. Die letzten Kinderklamotten sind in der Waschmaschine und kommen morgen gesammelt in den Koffer. Meine Essensgrundlagen (ich habe keine Ahnung, was wir vor Ort kaufen können, was ich vertrage, also safety-first) sind ebenfalls verpackt- ich habe nämlich gar, gar keine Lust, im Urlaub dazustehen und nicht zu wissen, was ich essen soll.
Das High-Five für mich selber verpasse ich mir, wenn wir schlussendlich im Auto sitzen, aber ich war selten so früh und so entspannt in der Vorbereitung für einen Urlaub, seitdem wir Kinder haben. Sollte ich jetzt noch etwas vergessen haben, müssen wir es halt vor Ort kaufen, aber das macht gaaar nichts.
Mit dieser entspannten Haltung krachten sich meine Tochter und ich uns am frühen Nachmittag aufs Sofa, weil sie müde war. Sie an die eine Ecke mit Kuscheldecke, ich steckte von der anderen drunter.
Ich blätterte durch eine Zeitschrift, im Hintergrund pustete uns der Ventilator leise Luft zu. Ich hörte ihr Schmatzen am Nuckel und sah, wie sie sich ins Sofa kuschelte. Irgendwann ging ihr Atem gleichmäßiger und auch das Schmatzen wurde seltener. Mein Nervensystem war völlig entspannt und ich schlummerte irgendwann ebenfalls wohlig ein.
Vor 2 Jahren- undenkbar. Ich hätte an viel zu viele Dinge gedacht, die ich in der Zeit noch zu erledigen gehabt hätte, wenn denn das Kind schon mal schläft. Und ich hätte das Zeitfenster auch definitiv dafür genutzt. Oder ich hätte diese Momente geplant, indem ich mir überlegt hätte, was ich alles noch Cooles erleben will und wann und wie ich das umsetze. Und hätte das wahrscheinlich auch mein Leben lang weiter so gemacht.
Und jetzt- lieg ich einfach kurz mit da und genieße den Moment in vollen Zügen. Der Haushalt und die meisten Todos warten eine Weile, aber diese Momente laufen weg. Jeden Tag.
Und deshalb Message an mich selbst:
Danke, dass ich in den letzten knapp 2 Jahren meine Sicht auf diese Dinge und mein Handeln verändern konnte und ich diesen Moment heute vollständig gefühlt und genossen habe. Das High-Five dafür geb ich mir gleich jetzt, jeah!

