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Danke an meine Mama, meinen Papa, meine Omas und Uromas und die weiteren Generationen

1. Okt.
3 Min. Lesezeit

Es ist schon komisch- man begibt sich auf diese Reise zu einem selbst und plötzlich gräbt man sich in die Dinge immer weiter rein. Weil der Geist verstehen will. Weil Gefühle abgelöst werden wollen. Und wenn ich eines gerade anders mache, dann ist es, zu fühlen, was da ist. Es ist allerdings echt eine Menge los in meinem Gefühlskasten, das muss ich schon sagen. Und je mehr man von außen reinbekommt, desto mehr ist auch im Inneren los.

Gerade wird die neu gebaute Sirene 15 Meter neben meiner Gartenhecke getestet. Ich verfluche dieses Ding. Jeden Tag. Ich würde meine Hecke gerne in den Himmel wachsen lassen, weil es aus allen Fenstern auf der Hausseite zu sehen ist. Es hat einen Sinn- ja. Ok. Aber ich hätte sie mir einfach etwas weiter weg gewünscht.

Aber:

2 Monate bevor meine Symptome so richtig losgingen, brannte das Haus nebenan nieder. Ca. 15 Meter von uns entfernt. Uns wurde durchs Badezimmerfenster zugerufen, dass wir aus unserem Haus rausmüssen, weil niemand einschätzen konnte, ob sich die Flammen ausbreiten würden.

Ich packte meine Tochter, die fast gegenüber der brennenden Stallungen auf der Terrasse schlief und rannte mit ihr raus. Die Feuersäule erschien mir riesig.

Ich hatte innerlich als Erwachsene noch nie so eine Angst. Wirklich nicht. Zumindest nicht, dass ich mich daran hätte erinnern können.

Die Monate danach brachten mein Nervenystem immer noch in Wallung, wenn ich den Geruch von Öfen und Kaminen oder Grills roch.

Schon vorher schreckte ich aber regelmäßig hoch, wenn gerade nachts die Sirene im Ort losging- allerdings eher 300m weiter.

Ich habe mich mit dem GuptaProgramm sowohl mit der Angst vor dem Brandgeruch als auch der körperlichen Reaktion durch das Anschalten der Sirene beschäftigt.

Geruch okay, Sirene immer noch bäh. Man kann sich ja auch kurz erschrecken- aber meine Mastzellen springen dabei immer noch schnell an und sind dabei etwas "drüber". Ich habe in den letzten Wochen herausgefunden, dass beide Familienzweige damals im Rahmen des 2.Weltkrieges geflohen sind- Oma E. aus der Tschechoslowakei, Oma N. aus der russischen Hafenstadt Taganrog. Das Unwohlsein beim Geräusch einer Sirene und eine damit verbundene Anspannung des Nervensystems in der Zeit als Kriegskinder kann ich mir wahrlich vorstellen. Aber weiß ich es? Weiß ich, ob es etwas mit mir über Generationen hinweig gemacht hat? Nein, wie auch.


Ich wollte unbedingt dabei sein, wenn die Sirene mal bewusst angeht- und das war heute und ich war sogar zuhause. Was also hab ich gemacht? Ich habe mich rausgestellt. Gehört (musste mich auch nicht anstrengen..). Und in mich hineingehört.

Ich habe mein Bauchgefühl gefragt, ob das komische Gefühl in meiner Kehle und meinem Oberbauch etwas mit dem Brand vor 2 Jahren zu tun hat. Da war die Antwort meines Körpers eher weniger laut. Auf die Frage, ob es eher um die Flucht meine Großeltern und Eltern ging, wurde das Gefühl lauter. Also so laut, dass mir wirklich die Tränen kamen. Ich fühlte mich da also erstmal durch, versuchte, gedanklich meine damals noch sehr jungen Omas in den Arm zu nehmen, sie zu drücken und ihnen zu sagen, dass sie da rauskommen werden, dass die Flucht irgendwann zu Ende ist und sie ankommen werden. Und dass sie ihr Bestes tun werden um die Familie weiterzuführen und zu beschützen. Dass vielleicht nicht alles richtig war, aber dass sie ganz ganz viel geleistet haben. Und ich wurde ruhiger. Und das Gefühl des Unwohlseins wich einem tiefen, tiefen Gefühl der Dankbarkeit.

Und ich habe die Punkte an meinem Körper geklopft, die ich auch sonst immer klopfe- mit dem Abschluss, dass ich auf meinen Körper und meine Gesundheit vertraue und in Sicherheit bin.

Ob das alles nun wissenschaftlich erklärbar und richtig ist- ich weiß es nicht. Aber es scheint meinem System an bestimmten Stellen die verlorene Sicherheit wiederzugeben, wenn ich mir alte Themen angeschaut habe. Denn die kommen dann auch gar nicht mehr so richtig wieder. Und wenn doch, dann in geringerer Intensität und ich mache das gleiche Prozedere eben einfach nochmal. Denn alles, was mich innerlich ruhiger macht, so ganz, ganz tief im Inneren, hilft.

Also: Danke an alle meine Familienteile, die ihren Weg gegangen sind und unsere Familie bis hierher nach Deutschland in ein aus meiner Sicht wirklich friedliches Fahrwasser gelenkt haben. Ich mag mein Leben hier. Danke.




 
 
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