Challenge mit mir selbst- das Handy muss weg!
Aktualisiert: 7. Juli

Ich habe, nachdem ich ja lange aufgrund der Dysregulation meines Nervensystems keine Reize oder schnelle Bewegungen aushalten konnte (selbst schreiben oder das Scrollen auf dem Handy haben mir sofort die Retourkutsche meines Nervensystems in Form von Schwindel eingebracht), weder Handy noch Fernseher genutzt. Auch Unterhaltungen waren für mich super anstrengend und ich wusste nie, ob die Symptome mich entweder sofort oder erst einen Tag später auf die Bretter bringen. Es gab also kaum Ablenkung für mich von der aktuell schwierigsten Situation meines Lebens. Nachdem es etwas besser wurde, konnten mein Mann und ich abends ein paar Worte wechselten oder ein kurzes Spiel versuchen. Ich habe immer versucht, an meine körperlichen und geistigen Grenzen zu gehen, sie aber nicht zu überschreiten (das ist oft nicht gelungen, gehört aber dazu).
Als ich ab und an das Handy wieder benutzen konnte, war ich erst einmal wirklich glücklich- ich konnte selber Dinge recherchieren oder bestellen und musste niemanden fragen. Ein kleiner Schritt Freiheit war zurück. Was ich dann aber feststellte, war, dass mein Geist sich wirklich ganz oft mit dem Handy als "Informationstool" beschäftigte. Ich kann gar nicht zählen, wie oft am Tag ich dachte "oh das schau ich mal schnell nach" oder "welche Konzerte gibt es nächstes Jahr nochmal?" oder "welches Nahrungsergänzungsmittel könnte mir auf meinem Weg vielleicht noch helfen" oder "welches Projekt könnte ich hier zuhause noch umsetzen"?
Mein Geist entglitt regelmäßig dem Hier und Jetzt. und auch, wenn ich es dann absichtlich nicht nachschaute, so blieb in mir doch ein Gefühl des nicht erledigten To-Dos übrig. Gerade dann, wenn man mal Luft hat oder einem langweilig sein könnte.
Und dann sehe ich plötzlich bei Facebook oder Instagram Beiträge über "meine Krankheiten", schlimme Krankheiten anderer Menschen oder das Leid der Welt und zack- beschäftigt sich mein Geist plötzlich damit. Und ich habe das nicht mal gesucht, es wird mir durch den Algorithmus einfach angezeigt und das Drüberscrollen reicht ja schon, um Wortfetzen aufzunehmen. Einerseits möchte ich gerade nichts Schlimmes lesen, was meinen Geist unnötig beschäftigt, andererseits ist es ja leider doch so interessant....
Also starte ich nun die Challenge mit mir selber, die sozialen Medien oder die Suchmaschinen nur zu nutzen, wenn ich Rezepte koche, wenn ich bei Facebook zu einer bestimmten Gruppe lesen möchte und die Kinderbetreuungs-Apps nutzen muss.
Ich werde mir jeden Tag ein Kreuzchen geben, wenn ichs geschafft habe und mir am Ende des Monats was Schönes für mich überlegen, wenn ich weitestgehend erfolgreich war. Es müssen ja keine 100% sein, 80% wären ja schon mehr als eine Superleistung.
Edit nach 2 Wochen:
Ich werde besser, aber es ruft mich immer, wenn ich es sehe oder wenn ich mal kurz was nachgucken will...aber ich widerstehe schon oft diesem Ruf. Yeah. Aber manchmal werde ich noch schwach, aber auch das passiert nun eher bewusst und ich merke es zumindest und der Gedanke, "mal kurz was zu gucken" wird bemerkt bevor ich es mir schnappe.
Edit nach 10 Wochen:
Es fällt mir immer mehr auf, wie oft ich in den kleinen Momenten an das Handy denke. Auch gar nicht speziell, aber so dieser kleine Gedanke "och, ich könnte ja noch einmal schnell etwas organisieren oder nachgucken" (und ganz ehrlich, da gibt es ja immer irgendwas) kommt mir in einer Sekunde der "Langeweile" ganz schnell in den Kopf und die Hand wandert schneller zu dem Gerät als ich denken kann. Aber da ich es merke, kann ich es wesentlich bewusster stoppen. Und ich habe es definitiv weniger in der Hand. Ich habe weiterhin halbwegs feste Zeiten zur Beantwortung von sozialen Nachrichten und ich schaue die wenigsten Dinge nach. Aber das Wetter und die gefühlten tausend Kindergarten-Orgagruppen checke ich noch immer gleich morgens. Aber das ist auch okay, der Drang an sich wird weniger.

