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Bad Memories...

10. Aug.
3 Min. Lesezeit


Wie kleine Flashbacks kommen sie mir immer mal wieder in den Sinn- die tiefsten Tiefpunkte der letzten 2 Jahre. Ich versuche dann, mich nicht in diesen Gedanken zu verlieren sondern relativ schnell aber wohlwollend den Ausstieg zu finden. Zu sehr haben mich diese Momente geängstigt und meine Gefühlswelt nachhaltig beeinflusst. Die Momente, in denen ich wirklich dachte, ich sterbe, hingen mir wirklich lange nach. Und lassen mich immer noch vorsichtig sein bei der Wahl meiner Aktivitäten.

Was mir immer wieder in den Kopf kommt: Die Momente aufgrund der Angst durch die Panikattacken (kann man das so sagen?), die ja immer nach relativ kurzer Zeit vorbei waren.

Und dann die Momente, in denen meine Mastzellen so ausrasteten, dass sie mich mit diversen Botenstoffen überschütten, die zu diversen Allergiesymptomen- und zwar eben leider auch mehr, als der Körper vertragen kann.

Zu Ersterem fallen mir diverse Nächte ein, in welchen ich plötzlich aufwachte mit einer Panikattacke. Diese Nächte haben mein Nervensystem so nachhaltig beeinflusst, dass ich auch mit dem Schlafen lange noch Probleme hatte- auch wenn die Panikattacken in dieser Form gar nicht mehr da waren. Aber ich war einfach wach und kam und kam nicht in den Schlaf.

Bildlich sehe ich mich immer noch auf meiner Matratze in unserem Gästezimmer liegen, in welchem ich lag, damit mich unser Baby nicht gerade dann weckte, wenn ich zumindest einmal kurz in den Schlaf gefunden hatte. Und in dieser Nacht überkam mich wieder eine dieser Panikattacken- so oft hatte ich sie da noch nicht, als dass ich das alles hätte einordnen können. Und da ich meinen Mann nicht damit belästigen und wecken wollte, habe ich wirklich nachts gegen eins meinen Vater angerufen- der lange mit mir telefonierte um mich zu beruhigen und sich dann ins Auto setzte, um hier herzukommen und einfach bei mir zu sein. Und er blieb während seiner ganzen Fahrt am Telefon einfach da- und das war schon eine riesige Hilfe. Man bleibt dann eben doch immer noch Kind, egal, wie alt man ist. Bei meinen Eltern zumindest. Mein Glück, dass meine Eltern nur 20 Minuten von mir entfernt wohnen, anders wäre so eine Nacht-und-Nebel-Aktion nicht möglich gewesen.


Zu Zweiterem, also der Angst zu sterben aufgrund überschießender Reaktionen aufgrund der Mastzellenüberaktivierung, fällt mir ein anderes Bild ein. Und einen tieferen Tiefpunkt gab es glaub ich auch nicht...

Ich hatte mich ja irgendwann entschieden, zu meinem Papi in die Hannover Innenstadt zu ziehen- einfach um die Reize durch meine Kinder und die Verantwortung, unter der ich scheinbar immer wieder einknickte, zu reduzieren. Ich ging meine tägliche Spaziergehrunde, diesmal in Richtung Kanal, und war eigentlich recht guter Dinge. Kurz darauf kam ich wieder bei ihm zu Hause an - und es ging mir plötzlich sooo, so schlecht, dass ich mich nur noch heulend aufs Sofa legte und meinen Papa bat, mir einfach den Rücken zu streicheln. So lagen wir da. Mit 69 und 41 Jahren. Wie schon 35 Jahre zuvor, wenn mein Papa an meinem Bett saß um mich zu trösten, wenn ich das Pferd meiner Träume nicht bekam oder ich Bauchweh hatte. Aber ich habe mir das mit Anfang 40 wirklich nicht so vorgestellt. Aber hey, ich hatte wenigstens jemanden, der mir den Rücken streichelte.


Meine Mama hielt mir diesen frei- indem sie sich um das Wichtigste auf der Welt kümmerte. Meine Kinder. Weil ich es einfach nicht konnte.

Und so hat die Geschichte, auch wenn ich das zu den damaligen Zeitpunkten nie so für möglich gehalten hätte, doch etwas Gutes:

Wenn man eine ganze Zeit so schwer krank ist, bekommt die Demut einen ganz neuen Stellenwert im Leben. Ich war eigentlich immer schon achtsam und glücklich über viele kleine Momente im Leben. Aber diese richtige Demut, auch mit Symptomen aufzustehen, viele Dinge nicht tun zu können, auf die ich Lust habe, und dennoch glücklich sein zu können über die klitzekleinen Lichtblicke im Alltag (Aufstehen-etwas Essen- Kinder um sich haben können- einzukaufen- etwas zu lesen usw.) war und ist eine ganz andere Nummer.


Was ich jetzt weiß- so schnell stirbt es sich nicht. Aber ich freue mich dennoch, dass ich vom Gefühl her weniger nah dran bin als noch vor anderthalb Jahren und tue noch eine Menge dafür, dass das auch nicht wieder passiert. Ich freue mich über jeden neuen Tag, an welchem die Erinnerungen etwas weiter verblassen und irgendwann nur noch eine schwierige Zeit in meinem Leben beschreiben und nicht mehr so präsent sind- und sich wegpusten lassen wie eine Feder im Wind.





 
 
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