Back to work?
Aktualisiert: 7. Juli

Der Weg zurück ins Berufsleben ist auch so ein Ding. Wenn ich zwischendurch daran denke, wird mich recht schnell flau im Magen und ich meine, den Schwindel im Kopf wieder zu bemerken.
Und das verrückte dabei ist: Ich mag meinen Job. Mir fiel es total schwer, vor Beginn de Mutterschutzes aufzuhören zu arbeiten. Ich hätte noch länger weitermachen können, wenn ich gedurft hätte. Ich habe ein tolles Team und auch meine Arbeit ist super abwechslungsreich und interessant und macht mir meistens auch Spaß (Ausnahmen bestätigen die Regel, klar). Und doch ist der Stressfaktor nach meinem Empfinden sehr hoch und man braucht schon eine gewisse Resilienz, um gut über Stoßzeiten und die hohe Aufgabendichte zu kommen und all dem gerecht zu werden, dem man gerecht werden soll.
In 2 Monaten endet meine Elternzeit und ich weiß noch nicht, wie ich einen Tag oder auch nur einen halben Tag im Job schaffen soll. Es erscheint mir zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht möglich. Ich bin mit den üblichen Dingen, die im Alltag anfallen, mehr als ausgelastet, auch wenn es mir im Vergleich zu Früher als ein Witz erscheint, was ich am Tag so bewege.
Dazu kommt der Druck, dem Team nicht zur Last zu fallen, wenn man erst anfängt und dann feststellt, dass es doch nicht geht. Man vielleicht immer wieder ausfällt und sich krankmelden muss. Dass man negativ auffällt. Auch wenn ich mir meinen Gesundheitszustand wahrlich nicht ausgesucht habe (ok, es heisst ja irgendwie doch, der Körper habe sich die Erfahrungen, die er hier auf Erden macht, schon ausgesucht...) . Wie auch immer,
So wie es aussieht, muss ich mich nach Ende der Elternzeit erst einmal krankschreiben lassen und dann im Rahmen einer Wiedereingliederung mit wenigen Stunden täglich schauen, wieviel ich schon wieder leisten kann.
Ich soll mir zunächst von meinen Ärzten eine Bescheinigung ausstellen lassen, aus der hervorgeht, wann ich voraussichtlich wieder mit wieviel Prozent arbeitsfähig sein könnte. So kann ich frühzeitig mit meinem Arbeitgeber in Verbindung treten und meiner Verantwortung gerecht werden, mich gekümmert zu haben.
Mal schauen, was dabei rauskommt, es gibt ja nicht einmal eine "richtige" Diagnose.
Dann soll ich mir überlegen, ob ich einen Antrag auf Behinderung mit einem gewissen Prozentsatz stellen möchte- ist bei solchen Krankeitsbildern scheinbar nicht unüblich und bietet auch im Hinblick auf Kündigung etc. einige Vorteile,-es ist aber dennoch eine echte gedankliche Hürde, weil es sich nicht richtig anfühlt, solch einen "Stempel" zu bekommen, obwohl es anderen ja schlechter geht. Aber wie mein Kollege sagte: Du kannst den Alltag ja noch nicht wieder zu 100% bewältigen, also stünde es mir zu.
Ich glaube an das Beste und nehme das Bild, wieder zu arbeiten und wie gut mir das tut, mit in mein Gehirn-Retraining auf um mein Nervensystem zu besänftigen. Dazu übe ich jeden Tag das Schreiben auf dem Computer und das "Denken" (das hört sich echt merkwürdig an, aber für mich war ein Trigger, über etwas nachzudenken- dann kam der Schwindel schneller, als ich gucken konnte. So mache ich einen Step nach dem nächsten und freue mich auf das was kommt! Manchmal mit mulmigem Gefühl, aber hey, es ist wie es ist.
Update aus Mai 2026:
Ich war im April zu einem präventiven Wiedereingliederungsgespräch in meiner Firma und wir haben über Möglichkeiten und Grenzen gesprochen. Ich war erst sehr aufgeregt, was mich erwartet und ja, mich stresst so ein Termin auch noch, weil ich nie weiß, wie es mir danach geht und wo meine Grenze ist. Aber ich werde immer sicherer und merke auch da: Je öfter ich einfach hinfahre, ohne Druck, desto leichter und normaler wird schon der Weg dahin. Aber das ist in meinem Unternehmen auch möglich und man versucht mir den Weg so gut es möglich ist zu ebnen. In den nächsten Monaten übe ich mich noch am normalen Alltag, aber das Brainretraining zeigt auf jeden Fall Wirkung und das Üben, indem ich gerade ab und an einfach mal hinfahre und mich mit Kollegen zum Essen (jaaaa, essen!!! In der Kantine!!! Mit vielen, vielen Leuten und einer unfassbaren Lautstärke, ohne Ohrenstöpsel. Und ich habs vertragen!) oder kurz zum Tee treffe, signalisieren meinem Nervensystem auch Sicherheit in diesem Bereich. Ich hoffe auf den Spätsommer, und wenn ich früher wieder anfangen kann, stehen mir auch da alle Türen offen. Auch hier einen großen Dank an meine Firma und v.a. an meine Teamleiterin Birte, die sich da wirklich viele Gedanken macht und zu 100% hinter mir steht.

