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Angst- und wie sie sich verändern kann

7. Juli
7 Min. Lesezeit

Ich habe zwar schon im "Erfahrungsschatz" etwas darüber geschrieben, aber weil mich dieses Thema immer mal wieder verfolgt, schreibe ich meine Gedanken dazu nochmal auf. Weil es mir wichtig ist, so etwas aufzuschreiben, und es mir tatsächlich hilft.


Angst ist ja erstmal ein weiter Begriff. Und jeder verbindet damit etwas anderes. Und hätte mich jemand vor 2 Jahren gefragt, wovor ich Angst habe, dann hätte ich wohl geantwortet:

Nachts von einer Horde gruseliger Männern verfolgt zu werden; irgendwo weit oben zu stehen und vielleicht hinunterzufallen; dass meinen Kindern etwas passiert. Das waren so Situationen, in die ich mich hineinfühlen konnte.


Panikattacken

Meine "Krankheit" begann mit Panikattacken. So richtigen Panikattacken aus dem Nichts. Immer nachts bzw. beim Aufwachen. Mein Puls raste, ich hatte das Gefühl, der Tiger hockte in meinem Nacken und streckte seine Tatze nach mir aus. Mir war schwindelig und ich war zitterig. Und ich hatte keinen Plan, was ich tun sollte oder was überhaupt los war.


Ich begann also, einiges über Panikattacken und Angststörungen zu lesen. Mir war zwar ständig schwindelig und die Nächte waren die Hölle, aber ich wusste, ich muss etwas tun um mir da rauszuhelfen. Also sammelte ich Wissen. Und wendete es an so gut es mir möglich war. Und es klappte an sich tagsüber auch gut, ich versuchte Gedankenschleifen zu stoppen, aufkommende Unruhe mit Gegenbildern entgegenzuwirken und leere Zeit, in der ich mir hätte Gedanken machen können, mit lustigen Hörbüchern zu füllen. Falls es sich um psychogenen Schwindel handelte, gab es auch dafür tolle Übungen- aber bei mir halfen die zu dem Zeitpunkt nicht.


Ich schonte mich tagsüber zwar und hatte kaum Verantwortung, weil meine Eltern und mein Mann alles übernahmen, aber tagsüber hatte ich zu dieser Zeit ohnehin kaum "Angst-"Einschränkungen, weshalb ich den Tag weiter halbwegs normal gestaltete und mithalf, wie es mit dem Schwindel eben ging. Frei nach dem Motto: "Da wo die Angst ist, da geht es lang", "Einfach so tun, als wär nichts".

Wie ich inzwischen weiß, ist dies ein guter Weg bei einer reinen Angststörung ohne körperliche Ursache. Und viele der Tipps haben mir auch geholfen, gelassener mit der Situation an sich umzugehen- da ich aber die körperliche Komponente nicht genug einbezog, half mir das zu diesem Zeitpunkt nicht umfänglich und jedes Mal, wenn wir mal wieder Besuch hatten oder den Geburtstag meines Sohnes feierten, gingen die Panikattacken wieder los und es ging mir immer länger schlechter.


Als ich mein Schilddrüsenmedikament absetzte (was nach Recherche auch zu Panikattacken führen kann), brauchte es einen Monat, bis die Panikattacken verschwunden waren.

Ich drehte jeden Tag meine 2 großen Runden im Wald und saß einsam und allein auf dem Dachboden zum Meditieren und Entspannungsübungen machen. Es war einfach so kacke. Ich bekam auch immer mal Besuch von Freundinnen, welche mich auf Spaziergängen begleitete, das war ein Lichtblick.


Sympome und Sorgengedanken- huhu Angststörung!


Was sich aber schon in dieser Zeit hinzugesellte, war eine innere Unruhe, die immer wiederkam. Wie ich heute weiß, lag es an verschiedenen Triggern und dem Feuern meiner Mastzellen, die sich gegen alles wehrten, was mich potenziell gefährden könnte. Schreien der Kinder, Supplements, Essen.

Diese Art der Angst war gänzlich anders als die Panikattacken zu Beginn. Sie war leiser, fieser. Verfolgte mich. Ich konnte sie nicht einordnen. Es wird besser, weil man irgendwann die Trigger kennt (wenn man weiß, dass es auch Trigger wie Essen, Sonne, Kälte usw. sein können und die Symptome auf diese auch erst 2 Tage später kommen können...).

Aber den Moment, an welchem ich nach dem Essen auf meinem Schaukelstuhl allein in meinem Zimmer saß und diese furchtbare Unruhe wieder von mir Besitz ergriff, werde ich nicht vergessen. Als ich Fisch gegessen habe, der VIELLEICHT zuviel Jod enthalten haben KÖNNTE, welches meine Mastzellen triggern KÖNNTE und mir die Panikattacken wieder bescheren KÖNNTE - und den ich ganz schnell wieder in die Toilette würgte. Wie soll man diese Momente vergessen, wenn man sich fragt, ob man noch ganz bei Sinnen ist?

Das Nervensystem speicherte nun also irgendwie Essen als gefährlich ab. Toll.

Und ja, manche Dinge waren drüber, aber hätten einem die Ärzte nicht immer wieder gesagt, dass mit mir alles in Ordnung ist, ich nur großen Stress hatte, es nicht sein kann, dass der Körper auf reines Vitamin D reagiert sondern es die Hilfsstoffe sind (und ich hatte schon keine Hilfsstoffe mehr in den Präparaten), wären mir viele Entbehrungen irgendwie leichter gefallen- weil ich das System dahinter besser verstanden hätte.

Das Nervensystem speicherte nämlich inzwischen auch bestimmte Supplements oder Stoffe wie Aminosäuren mitTyrosin oder Vitamin D als potenziell bedrohlich ab- obwohl ich genau die wirklich brauchte (alles potenzielle Mastzellentrigger, wusste ich aber damals noch nicht wusste).

Was ich aber wusste war: Es ist nicht nur Stress. Symptome waren durch bestimmte Stoffe oder Trigger reproduzierbar. Und es müsste nach Ruhe ja merklich besser werden. War es nicht. Irgendwas will hier noch gefunden werden.


Es wurde zwar temporär etwas besser, wenn ich mich lang genug ausruhte und keine Reize hatte (Unterhaltungen zählen leider dazu), aber immer, wenn ich mir auch nur wieder etwas Kleines vornahm, rauschte ich in den nächsten Crash.

Ich habe meine Freundin ein paar Mal zu den Pferden begleitet. Pferde waren mein Leben. Meine Leidenschaft, mein Glück. Dann ging es darum, eine Runde spazieren zu gehen. Eigentlich ein Klacks. Aber ich fühlte mich nicht gewappnet. Ich war innerlich super unruhig und ließ meine Freundin allein weitergehen. Und dann kamen plötzliche Sorgengedanken wie: Was ist, wenn mir alleine in der Pampa plötzlich etwas passiert? Wenn mir keiner helfen kann? So, wie ich mir vorstelle, dass "normale" Panikattacken losgehen könnte. Mit solcher Art von Gedanken. Aber: Dafür war ich an sich ja gewappnet und es passierte nichts weiter.

Auch beim nächsten Mal war es schön, ein Pferd zu streicheln und einfach dazusein, aber die Unterhaltung auf dem Rückweg im Auto hat mein Gehirn wieder zum Einklappen gebracht. Ohren zuhalten und wippen, jeah, bester Moment dafür.

Ich fühlte mich wie ein Freak, konnte mich gerade noch irgendwie ins Bett schleppen, weil nichts mehr ging.

Meine Freundin sagte noch: "Oh tut mir leid, jetzt habe ich Dich so vollgequatscht." Aber es waren nur ein paar Minuten. Und mein Verstand wollte es sehr gern wissen. Aber mein Körper hatte scheinbar keine Kapazität mehr.

Das Nervensystem speicherte nun also soziale Kontakte und Unterhaltungen als gefährlich ab. Toll.


Mastzellenalarm- Wenn der Körper auf das Leben allergisch reagiert

Meine Mastzellen reagierten inzwischen nicht nur merklich auf Reize wie Sonne, Pollen, Kälte, Lautstärke sondern auch Nahrung, Gedanken, Unterhaltungen, Duschen usw. Also auf alles im Leben. Und warfen mit Histamin um sich wie ich mit Konfetti auf einer Karnevalsparty.

Ich hatte inzwischen ein Allergiker-Notfallset, falls mein Körper mich bei irgendeinem Reiz auf die Bretter schickt und die Histaminladung höher wird, als dass mein Körper sie abbauen kann. Ich habe ihn nicht gebraucht. Aber er hat mir in diesen furchtbaren Zeiten etwas Sicherheit geschenkt, auch ohne Rettungswagen nicht gleich sterben zu müssen.

Und dieses Gefühl der Angst war einfach auch nochmal anders als das Gefühl während der Panikattacken oder das Gefühl der inneren Unruhe ein paar Wochen vorher bei zuviel Vitamin D oder einem falschen Nahrungsmittel.

Zu dem Zeitpunkt hatte nicht mehr nur die innere Unruhe sondern die wirklich krasse Angst, sterben zu müssen- weil meine Mastzellen wie bei einem Bienenstich alles gaben und meinen Körper quasi vergifteten. Auch bei einer...tdaaa...Birne. Die zwar sehr histaminarm ist, aber andere biogene Amine hat, die bei mir ein Auslöser waren. Denn mein Körper hat immer noch mehr und stärker reagiert.

Ohne Vitamin C, welches ein natürlicher Histaminsenker ist, ging in dieser Zeit echt nix...


Mit der Behandlung bei meiner Heilpraktikerin wurde es zunächst nicht besser.

Bis ich herausfand, dass ich von allem einfach viel, viel geringere Dosierungen brauche als jemand anderes. Dass ich Dinge noch langsamer tun musste bzw. sie einfach wirklich lassen sollte, weil mein Körper keine Energie hat. Es hat sich für mich nur einfach nie so angefühlt, weil ich mich ja immer gut bewegen konnte und auch Lust hatte, etwas zu tun.

Und schlafen...das war immer noch ein Ding. Ich war gefühlt nie müde, auch wenn ich es hätte sein müssen.

Nichtsdestotrotz hatte ich mit der Diagnose Borrelien erstmal eine mögliche Ursache, die ich angehen konnte- in meinem Tempo.

Und solange musste ich mit den Symptomen und dieser Angst bei bestimmten Reizen noch leben.


Gupta-Programm

Ich begann dann das Gupta-Programm und konnte ganz schnell besser verstehen, inwieweit das Nerven- und Immunsystem zusammenhängen und sich gegenseitig unterstützen und warum meine Reaktion darauf so übermäßig ausfiel.

Dies half mir wesentlich, mit meinen Symptomen umzugehen und sie irgendwie im Alltag mitzunehmen, ohne zuviel Angst davor haben zu müssen. Ich konnte für mich erfühlen, welche Dosierungen an Supplementes, Nahrungsmitteln, Medikamenten, Reizen akzeptabel ist, um das Nervensystem nicht ausrasten zu lassen und dem Immunsystem Luft zum Wiederaufbau zu geben. Und selbst, wenn es mal zuviel war und die Symptome mich einholten, dass ich nicht mehr viel machen konnte- ich wusste, warum und vorallem, was ich tun kann.

Ich fing an, besser zu schlafen. Ich konnte wieder einschlafen, auch wenn ich aufwachte. Machte mir meinen Kopf mehr, auch wenn ich eben nicht schlief. Dann versuchte ich es tagsüber irgendwie nachzuholen, damit der Körper regenerieren kann. Weg von den "so sollte es sein" hin zu "mein Körper braucht es eben JETZT".


Es wird alles akzeptabler!

Das Erkennen und das Umgehen mit Gefühlen ist dafür maßgeblich, gerade die Angst und das oft bei mir fehlende Mitgefühl für mich selbst, wenn ich etwas nicht gut genug gemacht habe oder zu wenig geschafft habe, waren große Trigger für meinen Körper.

Aber ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, diese Themen für mich anzugehen- nicht halb, sondern ganz. Das Auflösen von Traumata war eine große Hilfe (von denen ich nicht wusste, dass ich sie hatte, aber deren "Angucken" mir viel Entlastung im Alltag brachte) und das Annehmen einer etwas anderen Lebensgestaltung in dem aktuellen Kapitel. Vorübergehen, für immer- keine Ahnung. Läuft es jetzt anders? Ja. Ist es schlechter? Nein. Es ist bewusster. Ich bin wieder mehr in diesem Körper und diesem Planeten und die Angst in meinem Kopf ist seltenerer Gast. Aber wenn, dann versuche ich sie zu fühlen, fühle, was dahinter steckt. Sie übermannt mich nicht mehr so, weil ich auf mich und meinen Körper und meine Gedanken aufpasse. Mehr als ich es glaub ich jemals getan habe. Ich bin trotzdem manchmal genervt, dass es sich noch nicht wieder so frei anfühlt, wie vorher. Ich mich Gedanken über Dinge mache, die mir vorher nicht gemacht habe, weil ich sie einfach GEMACHT habe.

Doch ich kann schlafen. Ich bin zu Hause. Ich schaffe einen guten Alltag. Nicht wie vorher. Aber das ist okay. Gerade. Es ist ja auch alternativlos, es nicht zu akzeptieren.


Deshalb: Danke liebe Angst, dass Du mich wachgerüttelt hast. Etwas smarter wäre aber auch okay gewesen :)

















 
 
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