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Alles hat seine Zeit...

19. Sept.
4 Min. Lesezeit

Ich finde es immer wieder interessant, welche Dinge man auf so einer Heilreise kennenlernt und wie oft man denkt: Das hilft mir doch gerade nicht. Bis zu dem Moment, an welchem man sich an genau diese Technik oder das Hilfsmittel wieder erinnert und sie versteht und anwenden kann. Und sie wirklich hilft.


Ich habe ganz zu Beginn interessante Techniken gelernt, um meine "Kopf-dreht-sich"-Themen zu bearbeiten. Ich hatte zu Beginn aber gar nicht das Gefühl, dass mir das in dem Moment so hilft. Weil mir die Wirkung dieser Technik noch gar nicht so bewusst war und weil wahrscheinlich erst einmal im Vordergrund stand, körperlich Energie zu sparen und nicht soviel Energie in die Psychohygiene -dabei muss man ja einfach nachdenken- zu stecken.

Aber da die Genesung ja wirklich ein gefühltes 1000-Teile-Puzzle ist, nimmt man eben langsam ein Puzzleteil nach dem anderen in die Hand und versucht, das passende Loch zu finden. Und manchmal muss man es eben auch dreimal drehen bis es passt. Oder es erstmal weglegen und später nochmal versuchen.


Und auch immer wieder die Muße haben, das auch zu tun. Ist ein bisschen wie spachteln und schleifen..es benötigt eine Menge Arbeitsschritte, die echt nerven, bis man halbwegs zufrieden ist.


Inzwischen kann ich mir das Leben ohne diese Körperarbeitstechniken kaum mehr vorstellen- sie sind irgendwie Teil des Alltags geworden. Weil ich viel mehr meine Gedanken beobachten kann als sie nur im Hintergrund durchlaufen zu lassen und mich beim kochen oder Auto fahren plötzlich zu fragen: Was denk ich denn da gerade?

Und etwas aktiv dafür tun kann, die Gedanken zu stoppen oder zu verändern. Sodass sie anders werden.


Auch bei den Supplements war das so- manche gingen zu Anfang überhaupt nicht, auch wenn überall geschrieben stand, dass sie ganz toll helfen sollen. Bei mir hat mein Körper dann einfach überreagiert. Oder gar nicht reagiert. Aber auch da immer wieder die Geduld zu haben und den Mut, es neu zu versuchen, es zu lassen, es anders zu machen, auch wenn die Symptome wiederkommen, das ist der Clou dabei. Aber auch da: Irgendwann helfen die Vitamine in einer normalen Dosierung mehr als dass sie belasten. Weil sie dann einfach dran waren.


Und irgendwie habe ich genau das gelernt- dass alles seine Zeit hat. Dass alles sein Ende hat.

Dass Dinge dauern dürfen. Und dass mir nichts wegläuft, was nicht irgendwie so sein soll. Das ist in einem körperlichen Zustand, der an manchen Tagen schon fast wieder als normal zu bezeichnen ist, leichter. An schlimmen Tagen denk ich mir: Doch, es läuft was weg. Die Zeit meines Lebens. Ich bin noch nicht dran.

Aber auch das zeigt mir wieder nur, woran ich arbeiten muss- die Angst vor dem Zeitpunkt, wenn man selbst gehen muss. Egal ob jetzt, wo es noch viel zu früh wäre, oder später- weil es wahrscheinlich nie den richtigen Zeitpunkt geben wird und man immer noch etwas vom Leben haben möchte.

Angst, wenn enge Familienmitglieder oder gar Freunde gehen. Angst, dass schwere Krankheiten sie treffen. Dass sie leiden müssen. Und wenn man selbst nichts tun kann um sie zu beschützen, auch wenn man so vieles mit Wissen und Disziplin gut beeinflussen kann. Nur eben nicht alles. Mir war gar nicht bewusst, dass ich da so ein großes Thema habe.

Es gab Momente, in denen ich in meiner eigenen Situation dachte:

Okay, wenn das jetzt mein Leben sein soll, dann ist es halt so. Lieber Gott, wenn es Dich gibt und du meinst, dass das der Weg sein muss, verdammte Scheiße okay.

Aber was ist mit meinen Kindern??? Ich sah sie alleine mit meinem Mann aufwachsen, ohne Mutter. Wie sie nach ihrer Mama fragen und keine mehr da ist. Eine schlimme Vorstellung. Und definitiv eine gedankliche Schleife, die ich unterbrechen musste. Ich wusste ja nicht, in welche Richtung es geht, also trainierte ich, die gute und gesunde Richtung zu leben. Im Kopf. Und es funktioniert.


Ich habe noch immer keine Ahnung, wie ich das hinbekommen soll, dem "Ende" von irgendwem oder irgendwas mit einem halbwegs gutem Gefühl ins Auge zu sehen.


Ich versuche inzwischen jeden Tag viel intensiver und wacher zu leben und das fällt mir oft schon leichter. Einfach, weil ich es lange nicht konnte, weil mein Körper so hinüber war.

Ein fröhlicher Mensch war ich schon immer.

Die Traurigkeit über Situationen oder Geschehnisse mehr zu fühlen und sie nicht nur in meinem Kopf zu durchdenken und abzuhaken.


Ich erzähle meinen Kindern, dass ich nicht weiß, was nach dem Tod passiert- ich aber glaube, dass nichts, was als Lebewesen von dieser Erde geht, wirklich jemals weg ist sondern irgendwo noch durch die Gegend schwirrt. Ist doch alles Energie. So sind meine Pferde und Opa Heini erstmal einfach Sterne geworden, so kann man zumindest noch etwas von ihnen sehen.

Ich hoffe, die Weisheit kommt mit dem Alter, wie man mit diesen Verlustängsten umgehen kann.

Aber ich bin guter Dinge, das auch dafür die Zeit kommen wird, sich dem Thema näher anzunehmen. Oder mir ein Jemand oder ein Buch den passenden Hinweis gibt, der mich mitnimmt.

Und bis dahin manifestiere ich einfach meine Gesundheit und ein langes Leben meiner Familie. Und weiß, dass es kommt, wie es kommt.











 
 
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